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Graffiti in die Galerie gebracht - Doppelausstellung zur Dresdner Geschichte der Graffiti Art

Graffiti in die Galerie gebracht - Doppelausstellung zur Dresdner Geschichte der Graffiti Art

Eine Galerie würde man hier nicht unbedingt erwarten. Das vierstöckige Haus an einer Ecke der Großbaustelle am Kraftwerk-Mitte-Areal sieht auf den ersten Blick eher verlassen aus.

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Einblick in die Ausstellung zur Geschichte des Graffiti in Dresden.

Quelle: Peter Zimolong

An einigen Stellen ist der Putz gebröckelt, das Mauerwerk sichtbar.

Seit der Elbeflut 2002 stand das Gebäude auf der Ehrlichstraße 2 leer. Davor beherbergte es zu DDR-Zeiten eine Gaststätte, nach der Wende einen Elektroladen und sogar einen Kindergarten.

Bevor das Gebäude dann als Verwaltungsbereich für die zukünftig im Kraftwerk Mitte einziehenden Theater saniert wird, steht das Erdgeschoss erst einmal seit Mai 2013 für eine temporäre Umnutzung zur Verfügung. In Kooperation mit der Drewag, Stesad und der Stadt Dresden haben die Macher der "Galerie Module" einen Teil der Räumlichkeiten im Erdgeschoss mit einer Ausstellung, die die Geschichte des Kraftwerks Mitte illustriert, bestückt. Dies ist diesmal die Vereinbarung für die freie Benutzung der restlichen Räume. Es gehört zum Konzept der freien "Galerie Module", dass sie sich immer wieder mit neuen Partnern zusammentun, um mit Synergieeffekten für beide Seiten eine temporäre künstlerische Umnutzung ansonsten eher brachliegender Räumlichkeiten zu organisieren. Zunächst muss die Eigenfinanzierung über die jeweiligen Immobilienpartner geklärt sein, dann geht es für Verena Andreas und Torsten Rommel an die konkrete Konzeption. An den Künstlern bleiben somit keine Kosten hängen. Sie beraten und unterstützen sie vielmehr, als dass sie sie per Alleinverkaufsrecht und Co. an sich binden, betonen die beiden Galeristen. "Wir sind an der richtigen Schnittstelle, wo wir für beide Seiten beraten und Synergien schaffen können." Die Räume, die sie haben, geben sie auch gerne frei. Neben den Ausstellungen können sie für Workshops, Theater oder Lesungen genutzt werden. "Wir sind da offen für alle Projekte und Kooperationen. Letztlich verstehen wir uns als Netzwerkagentur", erklärt Verena Andreas. In dem unsanierten Altbau dürfen sie nun zwei Sommersaisons lang residieren. Bis Herbst 2014 sind noch drei weitere Ausstellungen geplant. Aktuell holt das "galerie modul 8" noch bis 28. Juni urbane Kunst an die weiße Galeriewand. In einer Doppelausstellung wird verbunden, was ohnehin stark miteinander verwoben ist: eine Dokumentation der "Graffiti in Dresden 1989 bis 2000" und das 20-jährige Jubiläum der Graffiti-Crew "Bandits". Da letztere ein in der Kerngründung in Dresden ansässiges UrbanArt-Kollektiv ist und insofern die Szene der Neunzigerjahre entscheidend mitgeprägt hat, lässt sich ihre Geschichte nicht losgelöst von der Geschichte der Graffitikunst in Dresden erzählen und umgekehrt.

Naturgemäß ist es schwierig, Werke in einem nicht dafür vorgesehenen Kontext zu präsentieren. So muss man sich in die Ausstellung auch erst einmal 'einsehen'. Denn was eigentlich riesengroß an Hauswänden und Mauern prangt, wurde hier kleinteilig zusammengetragen. Gleich im Eingangsraum sind große Schautafeln dicht an dicht mit bunten Schriftzügen bestückt - mal leicht zu entschlüsseln, mal verklausuliert, stets verkunstet. Es sind die öffentlichen Statements der UrbanArt-Künstler der sogenannten Goldenen Ära des Graffiti, manchmal auch Bild gewordenes Muskelzucken. Überschrieben sind die Tafeln etwa mit "Graffiti in der DDR", "1. Generation" oder "Classics". Viele der frühen Graffitis enthalten gesellschaftskritischen Botschaften.

Das hat sich heute geändert, weiß Andy K., ein Graffiti-Künstler der ersten Stunde, der die Ausstellung mit konzipiert hat und seit 2003 Mitglied der UrbanArt-Crew "Bandits" ist. Der 46-Jährige, der heute im Jugendzentrum "Spike" in Dresden-Leubnitz den nachwachsenden Graffiti-Künstlern helfend zur Seite steht, hat die Anfänge der urbanen Kunst noch zu DDR-Zeiten miterlebt. Angefangen habe alles mit dem Film "Beat Street", der eine ganze Generation von Jugendlichen beeinflusst hat. "Man hat versucht, das nachzuahmen, was man sieht", erzählt Andy K. Schnell schloss man sich zu Crews zusammen, nutzte das, was da war. Statt Spraydosen kamen zunächst Pinsel und Farbe zum Einsatz, die T-Shirts wurden selbst bemalt. Heute gibt es zwar alle nötigen Utensilien, dafür aber kaum noch Brachflächen.

Andy K., der unter seinem Künstlernamen national einige Aufmerksamkeit erreicht hat, hofft, dass sich mit der Ausstellung auch viele Dresdner davon überzeugen, dass Graffiti mehr ist als wilde Wandschmierereien. Zwar gäbe es in Dresden schon verhältnismäßig viele legale Flächen für die Sprayer. Das reicht aber für die vielen nachrückenden Künstler bei weitem noch nicht aus.

Der zweite Teil der Ausstellung zum Jubiläum der "Bandits"-Crew öffnet den Blick für die Vielfalt der Graffiti-Kunst und ihrer Akteure. Neben Originalzeichnungen und Graffiti-Devotionalien zeigt eine Vitrine die mit Swarowski-Steinen veredelte Spraydose der als "Queen of Graffiti" gehuldigten und international gefragten "Bandits"-Frau Mad C. Wer inspiriert ist, darf sich selbst am "Tag-Corner" mit Textmarker in Graffiti-Manier verewigen oder kann gleich eine Originalgrafik oder eine Graffiti-Leinwandreproduktion eines "Bandits"-Künstlers erwerben.

Galerie modul 8 als Doppelausstellung "Graffiti in Dresden 1989 - 2000" & "20 Jahre Bandits" in der Ehrlichstraße 2 (beim Kraftwerk Mitte), bis 28.6. jeweils Mittwoch bis Samstag, 13 bis 18 Uhr kostenfrei zu sehen.

Am 22.6. um 15 Uhr findet ein Podiumsgespräch zum Thema "Freie Wände für Graffiti in Dresden" statt, an dem unter anderen der Grünen-Stadtrat Torsten Schulze und der Street Art-Künstler Jens Besser teilnehmen werden.

www.galeriemodule.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.06.2014

Susanne Magister

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