Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Google+
Görlitzer Wandmalerei mit Cranach-Motiv kann am Wochenende besichtigt werden

Görlitzer Wandmalerei mit Cranach-Motiv kann am Wochenende besichtigt werden

Wer in der Görlitzer Altstadt ein Haus saniert, sollte immer auf Überraschungen gefasst sein. Was allerdings im Oktober 2010 über dem Schwibbogen am Obermarkt entdeckt wurde, glich einer Sternstunde in der Denkmalpflege der deutsch-polnischen Grenzstadt.

Voriger Artikel
Lichtfest Leipzig macht sich auf den Weg nach Polen - Delegation bringt Plakate nach Danzig
Nächster Artikel
Dresdner Musikfestival TonLagen feiert US-Komponist Reich
Quelle: dpa

Prächtige Wandmalereien aus dem frühen 16. Jahrhundert haben Restauratoren dort schrittweise freigelegt. Eine davon zeigt das Bildnis „Gesetz und Gnade", ein bekanntes Motiv aus der Werkstatt von Lukas Cranach d. Ä. (1472 - 1553). Zum Tag des offenen Denkmals an diesem Sonntag dürfen Besucher die Zeugnisse mittelalterlicher Kunst besichtigen, allerdings in äußerst begrenzter Zahl.

php5af3ab953c201109081007.jpg

Eine Wand schmückt eine Herrschergalerie, unter anderem mit Bildnissen von Kaiser Karl V. sowie des böhmischen Königs Ferdinand I. und seiner Frau Anna.

Zur Bildergalerie

Fünf Führungen für jeweils 20 Leute will die Görlitzer Denkmalschutzbehörde anbieten. Nur mit Eintrittskarte gelangen die Teilnehmer in den reich ausgemalten Raum. „Mehr Belastung verträgt er nicht", macht Amtsleiter Peter Mitsching deutlich. Dem obersten Denkmalpfleger der Neißestadt liegt daran, den „absolut einmaligen Fund" vor Schaden zu bewahren, etwa zu hoher Luftfeuchte. Solch spektakuläre Bilder aus dieser Zeit gebe es sachsenweit nicht noch einmal in einem bürgerlichen Bau, schwärmt Mitsching.

Der Kaufmann Jeronymus Schneider ließ das Haus am Görlitzer Obermarkt 1533 errichten. Zu diesem Zeitpunkt oder kurz danach entstanden wohl auch die Malereien in dem Raum, der einst als private Kapelle oder Andachtsraum gedient haben könnte. Das Gesetz-und-Gnade-Bild zeigt Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, darunter der Sündenfall, Tod und Teufel vor dem Höllenschlund oder Jesus am Kreuz. Das in Europa vielfach kopierte Original malte Cranach 1529. Direkt darunter sind fünf der „Neun getreuesten heidnischen Frauen" zu sehen, die Erhard Schoen 1531 auf einem Holzschnitt verewigte.

Die Wand gegenüber schmückt eine Herrschergalerie, unter anderem mit Bildnissen von Kaiser Karl V. sowie des böhmischen Königs Ferdinand I. und seiner Frau Anna. Als Landesherr hatte Ferdinand 1538 Görlitz besucht, wo ihn Bürgermeister Franz Schneider empfing. Dieser war der Bruder des Kaufmannes, dem das Haus am Obermarkt seinerzeit gehörte. Stück für Stück haben Fachleute Inhalt und Ursprung der detaillierten Bilder entschlüsselt. Dennoch bekennt Mitsching: „Wir rätseln noch, wie das Ganze im Zusammenhang zu verstehen ist." Das Haus mit den seltenen Bilderschätzen gehört Jens Müller, der es zum Hotel umbauen ließ. Ein Frauenkopf war das erste Detail der Wandmalerei, die zum Vorschein kam, erinnert sich der Görlitzer Unternehmer. Er ahnte damals nicht, welcher Aufwand mit der inzwischen abgeschlossenen Restaurierung verbunden sein würde.

„Am Anfang war's schwierig, mittlerweile sehen wir's positiv", gesteht Müller. „Es ist schon eine tolle Sache", sagt er über die 500 Jahre alten Bilder. Für das im Juli 2011 eröffnete Hotel könnten sie eine gute Werbung sein. „Wer sie sehen möchte, sollte mindestens einmal übernachten."

Doch bislang darf Hotelpächter Reinhold Hegelow den Raum nicht nutzen, in dem Hausgäste künftig frühstücken sollen. Die wertvollen Malereien sind dafür noch nicht ausreichend geschützt. Geplant sei, vor beiden Wänden Schrifttafeln aus Glas aufzustellen, sagt Mitsching. Die Tafeln mit Erklärungen zu allen Bildern sollen zugleich als Abstandshalter wirken und so konstruiert sein, dass niemand etwas darauf abstellen kann. Außerdem müsse der Raum noch mit Sonnenschutz und Videoüberwachung ausgerüstet werden.

Derweil wartet Müller ungeduldig darauf, dass der Raum freigegeben wird, um seine Mietausfälle in Grenzen zu halten. Doch die Denkmalschutzbehörde weiß bisher nicht, woher sie die noch nötigen rund 30 000 Euro nehmen soll. Klar ist nur, dass die öffentliche Hand dem Hauseigentümer bei der Sicherung einer solchen Rarität unter die Arme greift. Die Suche nach Geldquellen läuft, versichert Mitsching.

Anett Böttger, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr