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Görlitz-Zittauer Generalintendant Arauner kritisiert Bedeutungsverlust von Kultur - Sachsens Theatertreffen steht bevor

Görlitz-Zittauer Generalintendant Arauner kritisiert Bedeutungsverlust von Kultur - Sachsens Theatertreffen steht bevor

Ungeachtet der Mitte März beschlossenen drastischen Einschnitte für die Theater in Görlitz und Zittau werden die Orte an der Neiße vom 6. Mai an für eine Woche die Theaterhauptstädte Sachsens sein.

Beim siebenten sächsischen Theatertreffen stellen sich nahezu alle Staats- und Kulturraumtheater des Freistaates in 20 Aufführungen vor. Doch Bühnenvereins-Landesgeschäftsführer Karl-Hans Möller wies gestern auf die kulturpolitische Brisanz der jüngsten Auseinandersetzungen an der Neiße hin und wünschte sich deshalb möglichst viel politische Prominenz zur Eröffnung. Genau an die richtete auch Klaus Arauner, Generalintendant der fusionierten Bühnen, seinen Appell.

Von den regionalen Entscheidungsträgern und den beiden Theatergesellschaftern erwartet er eine Klärung der Theaterstruktur im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien über das Jahr 2016 hinaus. Bis dahin reicht ein Mitte März vom Kreistag und vom Stadtrat Görlitz verabschiedetes Konsolidierungskonzept, das das Theaterangebot deutlich reduzieren wird. So müssen 30 Stellen abgebaut und die Zahl der Neuinszenierungen verringert, in Zittau sogar halbiert werden.

"Wir brauchen keine Struktur, die bei der nächsten Tariferhöhung wieder gekippt wird", formuliert Arauner eindringlich. In der Vergangenheit hatten auch erhebliche Einsparungen und die Fusion des Görlitzer Musiktheaters mit dem Schauspiel in Zittau nicht die erhoffte finanzielle Stabilität gebracht. Bei den Mitarbeitern herrschten Angst und Sorge über die Perspektiven des Theaters vor, stellte der Intendant fest. Arauner ließ offen, ob ein gemeinsames Kulturraumtheater diese Lösung bedeuten könne. Entscheidend sei, dass sich Politiker im Kulturraum darauf verständigten, wie viel Geld sie langfristig zu geben bereit wären und welches Angebot damit verknüpft ist. Danach könne man über Strukturen reden.

Der Generalintendant nahm in diesem Zusammenhang die Gesellschafter des Theaters in Schutz. Die Stadt Görlitz und der Landkreis täten ihr Mögliches. "Der Fehler in der Umverteilung setzt weiter oben an", sagte Arauner. Das betreffe zum einen die Finanzausstattung der Kommunen, die mit den übertragenen Aufgaben nicht mehr Schritt halte. Zum anderen beobachtet der Intendant aber auch einen generellen Wandel des Verhältnisses von Politik und Kultur, einen Bedeutungsverlust, aus dem eine weitere Forderung ableitet.

"Auf Werte, die die Kunst vermittelt, wird viel zu wenig Wert gelegt", formuliert Arauner seine Generalkritik. Verantwortliche Politiker müssten sich verständigen und deutlich sagen, was für die Gesellschaft wichtig sei und "mit welchen Kulturkonzepten wir in der Bundesrepublik leben wollen. Deutschland ist nicht zu arm, um sich Kultur zu leisten. Das Geld ist nur falsch verteilt!" Er begrüße deshalb die Proteste von Theateranhängern an der Neiße gegen die erneuten Angebotskürzungen. Der "folgenschwere Irrweg" in der Kulturpolitik werde sich in einigen Jahren auch finanziell rächen.

Trotz der empfindlichen finanziellen Einschnitte wolle sich sein Theater aber auch weiterhin um Qualität bemühen und seinen Anspruch halten, Tendenzen und Erscheinungen der Gegenwart zu reflektieren, erklärte der Generalintendant. Allerdings seien Künstler nicht immer nur mit Appellen an ihre Leidenschaft und ihre Berufung zu motivieren. Der geforderte Personalabbau soll zumindest ohne Kündigungen allein durch Altersabgang und Umstrukturierungen umgesetzt werden.

Arauner trat auch Vorwürfen entgegen, das Schauspiel am Gerhart-Hauptmann-Theater in Zittau sei von den Konsolidierungsauflagen härter betroffen als Görlitz. "Görlitz saniert sich nicht auf Kosten von Zittau!" Vielmehr werde versucht, auch das in eine Servicegesellschaft ausgelagerte nichtkünstlerische Zittauer Personal zumindest wieder in den Haustarif einzubeziehen. Michael Bartsch

www.g-h-t.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.04.2012

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