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Görlitz, Weimar, Naumburg: Drei Landesausstellungen in drei Tagen

Görlitz, Weimar, Naumburg: Drei Landesausstellungen in drei Tagen

Für die Planer von Landesausstellungen war dieser Sommer ideal. Was soll man auch machen, wenn der Wetterbericht wieder einmal das Baden vermiest? Aber gab es da nicht diese Autobahn-Werbung für die Landesausstellung "Via Regia"? Und Görlitz soll doch eine schöne Stadt sein.

Für die Planer von Landesausstellungen war dieser Sommer ideal. Was soll man auch machen, wenn der Wetterbericht wieder einmal das Baden vermiest? Aber gab es da nicht diese Autobahn-Werbung für die Landesausstellung "Via Regia"? Und Görlitz soll doch eine schöne Stadt sein. In Weimar und Naumburg gibt's 2011 auch Landesausstellungen - Liszt und der "Naumburger Meister" sind nicht minder interessant als die alte deutsche Handelsstraße. Gesagt, getan: Statt Freibad ein länderübergreifendes Kultur-Wochenende in Familie.

Von Hagen Kunze

624 Kilometer, verrät der Routenplaner, ist die Strecke von Görlitz über Weimar nach Naumburg lang. Das müsste doch in drei Tagen zu schaffen sein. Der Weg ist das Ziel! Von diesem Motto ließen sich wohl auch die Logo-Gestalter der sächsischen Landesausstellung leiten. Denn den Ausstellungsort, den prachtvoll sanierten Görlitzer Kaisertrutz, zu finden, ist eine Herausforderung. Was vor allem an den irritierenden Schildern liegt: Das Logo besteht aus drei stilisierten Pfeilen, die nach rechts zeigen. Sieht man das am Straßenrand, biegt man sofort ab - und irrt dann durch die Vorstadt-Kleingartenanlagen von Görlitz. Auch hübsch.

Klein und fein ist sie, die Kernausstellung im übersichtlichen Kaisertrutz, und so fällt schnell auf, was hier nicht unter das Thema "Menschen in Bewegung" fällt. Dass die Via Regia neben der großen Bedeutung für den Handel auch eine für die Kirchengeschichte hatte, spielt keine Rolle - wobei man zur Ehrenrettung sagen muss, dass die sakrale Historie bei der Torgauer Landesausstellung 2004 eine umfassende Würdigung erhielt. Aber wer nur nach Görlitz fährt, um den Kaisertrutz zu besuchen, verpasst sowieso das Schönste - die liebevoll sanierte Altstadt, die an jeder Ecke von der Glanzzeit der Via Regia kündet.

Die korrespondierenden Ausstellungen (davon leider keine im polnischen Stadtteil) führen dazu, dass man gerade mit Kindern, die jeden Innenhof begeistert erkunden, einen ganzen Tag in der Grenzstadt verbringt: Das Schlesische Museum beispielsweise nutzt das Thema "Menschen in Bewegung" für eine kunstvoll multimedial aufbereitete Zusatzausstellung zu Vertreibung und Migration beiderseits der Grenzen. Die Menschen, die heute in Schlesien links und rechts der Neiße leben, lernt man dadurch wirklich besser kennen und verstehen. Ein Glanzpunkt.

Dafür gibt es tags darauf in Weimar einen Tiefpunkt - einen jener Dialoge, von denen die Einheimischen sagen, dass sie die Regel seien in einer Stadt, die vor allem auf Goethe und Schiller ausgerichtet ist. Auf die Frage in der Touristinformation "Wo ist denn die Landesausstellung?" erhält man die Antwort: "In Naumburg". Und wenn man noch mal nachhakt, den rotzigen Kommentar: "Sagen Sie doch, dass Sie die Liszt-Ausstellung suchen."

Im Schillerhaus sucht der Besucher dann etwas, das einer Landesausstellung entspricht. Stattdessen findet sich im oberen Geschoss eine recht übersichtliche Schau zu Liszts Leben, die man in gut einer Stunde durchquert hat. Dank des kostenlosen Audioguides gibt's dabei wenigstens schöne Musik auf die Ohren. Vielleicht wird's ja am zweiten Ausstellungsort besser? Eigenartigerweise aber ist dieser nicht Liszts früheres Wohnhaus, die Altenburg, sondern das Schloss. "Kosmos Klavier" nennt sich die dortige Schau, die der Entwicklung des Instruments nachgeht und die bereits im Innenhof mit einem riesigen begehbaren Klavier Kindern viel Freude bereitet.

Mit Ausnahme dieser Überraschung aber ist die Zusammenstellung eine einzige Enttäuschung, denn die Klaviere wurden recht lieblos in die Schloss-Dauerausstellung hineingesetzt. Dabei ist der Nachbau von Liszts Boisselot-Reiseflügel wirklich eine Sensation - aber wer nicht das Glück hat, auf eine der wenigen Führungen zu stoßen, bei denen Musikstudenten die Klaviere vorführen, für den bleibt die Schau stumm. Schade, denn die eigenwillige Klangwelt der Instrumente könnte Liszts Musik gut erschließen.

Abgehakt - und ab ins Auto nach Naumburg: Diese Landesausstellung ist nicht zu verfehlen, denn den Dom hat man bei der Anfahrt immer im Blick. Und bei der Parkplatzsuche wird die Stadt richtig sympathisch: Am Vormittag wirkt der kleine Platz in Dom-Nähe wie ein Geheimtipp, am Nachmittag erzählt ein Zettel am Auto, dass Naumburg einen Modellversuch durchführe, demzufolge das erste Falschparken zwar registriert, nicht aber bestraft würde. Glück gehabt.

Das Parkhaus ist zweifellos die beste Lösung, denn diese Landesausstellung hat man nicht in einer Stunde abgehakt. Die Gewissenhaftigkeit, mit der hier über den "Naumburger Meister" berichtet wird und Binnenbezüge zwischen den von ihm verfertigten Kunstwerken in verschiedenen Gotteshäusern hergestellt werden, ist einzigartig und macht das Ganze zu einer wirklich großen Kunstschau.

Zur Landesausstellung aber wird "Der Naumburger Meister" erst durch er­gänzende Parallelausstellungen und ein ausgefeiltes museumspädagogisches Konzept. In der "Hohen Lilie" beispielsweise kann man die Rezeptionsgeschichte von Ekkehard, Uta und Co. und deren ideologischen Missbrauch im 20. Jahrhundert verfolgen; im Stadtschlösschen lässt sich die europäische Gotik als weit verzweigtes komplexes Kunstgebilde begreifen.

"Kinder-Dombauhütte" heißt ein Projekt, bei dem die jüngsten Besucher selbst Hand anlegen: Da werden aus Papp-Streifen Schwerter gebaut, mit Glas-Scherben wird Utas Schmuck nachgebildet. Und auf dem Hof darf sich der Nachwuchs gar als Steinmetz probieren: Gut 90 Minuten dauert es, bis aus einem Gasbetonstein ein wunderschönes Eichenblatt herausgearbeitet ist. Am Ende sind die beiden Zehn- und Elfjährigen von der gotischen Kunst regelrecht begeistert. "Naumburg ist cool", meint Antonia knapp - das gleiche Mädchen, das ein paar Tage zuvor die Vorstellung, drei Landesausstellungen in drei Tagen zu sehen, in erster Linie "total öde" fand.

Landesausstellung Görlitz, bis 31. Oktober: täglich 10-18 Uhr, Freitag bis 21 Uhr, www.landesausstellung-viaregia.museum; Landesausstellung Weimar, bis 31. Oktober: Di-So 10-18 Uhr, www.klassik-stiftung.de/fileadmin/liszt/; Landesausstellung Naumburg, bis 2. November, Sa-Do: 10-19 Uhr, Freitag: 10-22 Uhr, www.naumburgermeister.eu

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