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"Glaubwürdig und natürlich"

"Glaubwürdig und natürlich"

Im Jahr 1993 gründete Peter Kopp in Dresden den "Körnerschen Sing-Verein", im Frühjahr 2008 wurde der Kammerchor in Vocal Concert Dresden umbenannt. Das Ensemble besteht aus Sängern und Gesangslehrern, Studenten (technische Richtungen und Naturwissenschaften), Juristen, Physikern, Ärzten und Pädagogen.

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Vocal Concert Dresden.

Quelle: Bernd Bolitschew

Sein Repertoire reicht von Programmen mit Werken von Praetorius, Bach, Händel, Haydn, Mendelssohn und Brahms bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen, die zum Teil vom Vocal Concert Dresden uraufgeführt wurden. Peter Kopp ist seit 1995 Chordirigent beim Dresdner Kreuzchor und arbeitet zudem regelmäßig auch als Gastdirigent bei verschiedenen anderen Ensembles. Im Jahr 2003 wurde er mit dem Förderpreis der Stadt Dresden ausgezeichnet, bereits zuvor war ihm die Johann-Walter-Plakette des Sächsischen Musikrates verliehen worden. Kerstin Leiße befragte ihn im Interview zum 20-Jährigen des Vocal Concert Dresden.

Frage: Wie manch andere Nachwende-Gründung eines Ensembles oder einer Konzertreihe in Dresden blickt auch Vocal Concert Dresden nun auf 20 Jahre des Bestehens zurück. Wie fällt in diesem Kontext Ihr persönliches Resümee aus?

Peter Kopp: Auf jeden Fall positiv! Es ist für ein freies Ensemble wie uns eine Leistung, aus dem Nichts kontinuierlich gewachsen zu sein und sich eine internationale Reputation erarbeitet zu haben. Ein aufmerksames Publikum hat uns treu begleitet und möchte uns offenbar auch weiterhin hören.

Wie sehen Sie den Chor in der Fülle der Vokalensembles dieser Stadt jetzt und heute positioniert?

Ohne Übertreibung: in der Spitze. Ich empfinde unsere Kombination von Qualität und dramaturgisch stimmigen Programmen als etwas Besonderes. Jüngstes Beispiel ist das Programm "Leyer & Schwerdt" zum diesjährigen Elbhangfest, von dem das Publikum hingerissen war. Oder auch unsere CDs, die sehr erfolgreich sind.

Wie kann und will sich Vocal Concert Dresden auch in Zukunft behaupten?

Durch den Erhalt seiner Ausstrahlung. Ich lege großen Wert darauf, dass sich über die technische Qualität hinaus eine künstlerische Aussage entfaltet, dass der Chor die jeweiligen Werke glaubwürdig, natürlich und nachvollziehbar präsentiert. Das Bedürfnis des Publikums nach miterlebbarer Empfindung ist - trotz wechselnder interpretatorischer Moden - sehr groß. Ein schöner Klang und eine deutliche Aussprache allein sind noch keine künstlerische Aussage.

Aus welchen Quellen finanziert sich Vocal Concert Dresden?

In erster Linie durch die erarbeiteten Einnahmen. Je nach Projekt erhalten wir gelegentlich Förderung von der Kulturstiftung Sachsen, der Mitteldeutschen Barockmusik, dem Goethe-Institut oder der Landeshauptstadt Dresden. Zudem hilft uns eine regelmäßige private Zuwendung, einigermaßen planungssicher arbeiten zu können. Insgesamt sind unsere finanziellen Verhältnisse jedoch nicht komfortabel, weswegen sich manche interessante Projektidee leider erübrigt.

Vor einigen Jahren haben Sie das Ensemble, das als Körnerscher Sing-Verein gegründet worden ist, in Vocal Concert Dresden umbenannt. Warum?

Im Zuge unserer Vivaldi-Einspielung bei der Deutschen Grammophon wurde uns empfohlen, einen weniger schwierigen und hintergrundträchtigen Namen zu wählen. Zudem waren wir der ständigen Nachfragen und des darauf meist folgenden Buchstabierens des Namens etwas müde. Auch wenn sich der alte Name in Dresden schon etabliert hatte, war es mit Blick auf unsere ausgeweiteten Aktivitäten die richtige Entscheidung.

Dresdens Kulturleben ist reich und breit aufgestellt. Hat Chormusik darin einen guten Stand?

Dresden versteht sich neben vielen anderen Attributen auch als "Chorstadt", was ich für ein wenig übertrieben halte. Die Existenz vieler Chöre ist ein Ausdruck eines großen bürgerlichen Kulturlebens. Den Stand, den die Chöre in der öffentlichen Wahrnehmung haben, halte ich dagegen für ausbaufähig. Die Chance der Chöre sehe ich im Chorgesang selbst: Neben der Musik ist die Sprache als unmittelbares Ausdrucksmedium doch bestens geeignet, Menschen "anzusprechen".

Vocal Concert Dresden begeht das Jubiläum nicht mit dem einen großen Festkonzert. Worauf darf das Publikum gespannt sein und welche Idee steckt dahinter?

Wir werden unser Jubiläum mit vier Konzerten begehen, die höchst unterschiedlich sind. Wir beginnen in der Loschwitzer Kirche mit einem Psalm von Naumann und einer Neuentdeckung von Ferdinando Paër, dem Nachfolger Naumanns als Dresdner Hofkapellmeister. In großem Kontrast dazu folgen revolutionäre Poeme von Schostakowitsch beim Festival in Gohrisch, umrahmt von Gesängen seines Freundes Benjamin Britten. Das neue Werk des polnischen Komponisten Krzysztof Meyer, das wir dort uraufführen, wird mit Spannung erwartet. Mit einer Vesper fügen wir uns im Oktober in die große Tradition der liturgischen Dienste in der Kreuzkirche ein. Dort wird es neben Motetten von Schütz und Ives eine weitere Uraufführung und eine Erinnerung an Rainer Kunad geben. Am Reformationstag bestimmen die Alten Meister im Dom zu Meißen unser Programm. Mit einer Messe von Mattheus Le Maistre steht ein Werk aus der Frühzeit der Dresdner Hofkapelle im Mittelpunkt des Konzertes, dass wir gemeinsam mit der Cappella Sagittariana gestalten werden.

Und was kommt danach?

Das Brahms-Requiem zusammen mit dem Kreuzchor und zu Weihnachten die "Nine Lessons and Carols", die keiner Werbung mehr bedürfen. Ende Januar ein Motettenkonzert zum 300. Geburtstag des Kreuzkantors Gottfried August Homilius - und dann vielleicht mal eine kleine Atempause-

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.09.2013

Kerstin Leiße

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