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Gitarrengewitter in Großpösna: Rund 20.000 Fans feiern Placebo & Co. beim Highfield-Festival

Gitarrengewitter in Großpösna: Rund 20.000 Fans feiern Placebo & Co. beim Highfield-Festival

Großpösna. Lichtblitze flackern über die Magdeborner Halbinsel. Das Festival-Gelände am Störmthaler See bebt. Und ganz in weiß tritt Brian Molko ins Scheinwerferlicht.

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Placebo-Sänger Brian Molko beim Auftritt auf dem Highfield-Festival.

Quelle: Lydia Rech

Der Auftritt seiner Band Placebo beim Highfield am Samstagabend ist eines der Highlights des dreitägigen Musik-Events. Die Headliner haben ihr aktuelles Album „Battle for the sun“ im Gepäck, doch darauf müssen die rund 20.000 Musikbegeisterten erst einmal warten. „Guten Abend, meine Damen und Herren, wir sind Placebo“, sagt Molko und stimmt „Nancy Boy“ an – eines der ältesten Stücke der amerikanisch-schwedischen Erfolgsband aus dem Jahr 1997.

Der Rock-Reigen des zweiten Festival-Tags auf dem Highfield war bereits am Mittag eröffnet worden. Wer sich beim Auftritt von Duné noch nicht aus seinem Schlafsack geschält hatte, verpasste eine energiegeladene Performance der Indie-Combo aus Dänemark. Mit Expatriate, The 69 Eyes und den Broilers füllte sich das Gelände dann allmählich. Auf den Auftritt von Skindred mussten die Fans aber verzichten. Die Briten hatten ebenso wie Black Rebel Motorcycle Club wegen eines Todesfalls im Familienkreis kurzfristig abgesagt.

Dafür gibt es am frühen Abend eine Menge deutschen Pop-Rock auf die Ohren. „Guten morgen, ich bin wach“, ruft Revolverheld-Sänger Johannes Strate um 18 Uhr in die Menge. Die vier Hamburger stellen ihre neue Platte „In Farbe“ vor, haben ihre besten Momente aber, wenn Strate die älteren Songs auf der Akustikgitarre zupft. Bei „Mit dir chill’n“ oder „Ich werd die Welt verändern“ scheint die Zeit auf dem Highfield tatsächlich stillzustehen. Neben Reggae-Melodien und Techno-Einlagen haben Revolverheld auch einen Hip-Hop-Song im Gepäck. Zu „Was geht“ von Fanta 4 fordert Strate das Publikum zum „Bouncen“ auf – und tausende Arme wippen rhythmisch im Takt.

Madsen überraschen mit furioser Bühnenshow

Überhaupt scheint es der Tag der Coversongs auf dem Highfield zu sein. Madsen bedienen sich nach dem Auftritt der Rocker von Danko Jones sogar bei den legendären Pixies – dem Highfield-Headliner von 2005 – und interpretieren „Where is my mind?“ neu. Einmal mehr beweisen die Niedersachsen bei ihrem Konzert, dass sie nicht ohne Grund als ausgezeichnete Live-Band gelten. „Wer gewinnen will, muss auch mal verlieren“, brüllt Sänger Sebastian Madsen ins Mikrofon – er weiß, wovon er spricht. Die Handverletzung, die sich der 29-Jährige Anfang des Jahres bei einem schweren Unfall während eines Videodrehs zuzog, hat er offenbar gut weggesteckt. Die halbe Sommertour musste deshalb abgesagt werden.

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Green Stage: Wir sind Helden

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Der Auftritt von Madsen gehört zu den überraschenden Höhepunkten des Sonnabends. Zwar beschränkt sich „Sebi“, wie ihn seine Fans nennen, derzeit aufs Singen und verzichtet weitestgehend aufs Gitarrespielen. Die Songs „Panik“, „Die Perfektion“ oder „Du schreibst Geschichte“ wirken so aber noch intensiver – auch, weil Aushilfsgastgitarrist Jonas Pfetzing von der Band Juli einen souveränen Job macht. Zum Schluss greift der Madsen-Frontmann dann doch noch zur Gitarre. Das Intro von „Nachtbaden“ lässt sich Sebastian nicht nehmen – Madsen wissen, sich zu inszenieren und legen eine furiose Bühnenshow mit Feuerfontänen, Pyrotechnik und Konfetti hin.

Unheilig spalten die Musikfans auf dem Highfield

Die Effekte der Wendländer erinnern in ihrer Bombastik fast schon an Rammstein – bei denen sich der danach folgende Act eher musikalisch bedient. Unheilig spalten mit ihrem gruftig-schmalzigen Hardrock die Geister auf dem Highfield. Vor Pathos triefen die Texte, die Frontmann Der Graf ins Mikrofon brummt. „Deine Liebe ist mein Schild, deinen Namen trägt der Wind“, säuselt er in „Unter deiner Flagge“. Das Lied könnnte auch auf einem Schlagersender im Radio laufen – und keiner würde es merken. Dass Unheilig für das Highfield nicht gerade die glücklichste Wahl sind, merken dagegen viele der Festival-Besucher, einige quittieren den Auftritt deshalb mit Pfiffen und Buh-Rufen. Da macht der in den Charts weit vorn gelandete Song „Geboren um zu leben“ keine Ausnahme. Doch den zahlreich angereisten Unheilig-Fans ist das egal. Für den Mann im Frack gibt es nach jedem Song reichlich Applaus von den Zuschauern vor der Bühne.

Aber bei weitem nicht von allen. Viele warten da schon sehnsüchtig auf Placebo, die bereits nach einer halben Stunde ihren bekanntesten Titel „Every you every me“ spielen. Während auf der riesigen Leinwand ein Lichterfeuerwerk abbrennt, läuft Brian Molko zum Bühnenrand, als wolle er hören, ob die Fans textsicher sind. Sie singen jedes Wort, auch bei „Ashtray heart“ und „Infra-red“. Beeindruckend, wie Fiona Brice die Songs an Keyboard und E-Geige zu einem melancholisch-kraftvollen Klangteppich verknüpft. Und Stefan Olsdal immer wieder die Gitarre nach oben reißt, um die Fans anzupeitschen.

„Jetzt noch ein bisschen alte Schule“, sagt Molko in einer seiner wenigen Ansagen – auf deutsch – und stimmt kurz vor Schluss noch das Nirvana-Cover „All apologies“ an. Mit der tieftraurigen Ballade „Song to say goodbye“ und “The bitter end” nehmen Placebo schließlich Abschied von den tobenden Fans – nur um mit einer extralangen Hardrock-Version von „Taste in men“ auf die Bühne zurückzukehren. Auch wenn das von den Fans geforderte „Special K“ oder „This picture“ ungespielt bleiben - das Highfield-Festival haben sie fast anderthalb Stunden beben lassen.

Robert Nößler

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