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Gisela Grube, Herkuleskeule-Urgestein, wird heute 90 Jahre alt

Gisela Grube, Herkuleskeule-Urgestein, wird heute 90 Jahre alt

Ab einem bestimmten Alter verfällt der homo sapiens automatisch in eine Art immerwährenden Klagegesang. Gisela Grube stellt sich dem mit ungebrochener Lebenslust entgegen.

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Personifizierte Theater- und Kabarettgeschichte: Gisela Grube.

Quelle: W. Zimmermann

Dresden. Ab einem bestimmten Alter verfällt der homo sapiens automatisch in eine Art immerwährenden Klagegesang. Vor allem dann, wenn sein Leben im dritten Drittel von Hundert angekommen ist. Den Einen lassen dann immer öfter die Gehwerkzeuge (sprich: Beine) im Stich, der Andere hört kaum noch etwas und der Dritte schließlich hadert mit seinem Seh- oder gar dem Erinnerungsvermögen. Ein Mediziner würde all diese Veränderungen nun von der Biologie her erklären und sie unter der Rubrik Normalität abheften. Doch als vierte Kategorie existiert noch ein Grüppchen jener Menschen, die sich diesem Älterwerden mit ungebrochener Lebenslust entgegenstemmen. In diese Gruppe ist die Dresdner Kabarettistin Gisela Grube unbedingt einzuordnen. Und das, obwohl sie am heutigen Montag ihren bereits 90. Geburtstag begeht.

Auf neun Jahrzehnte Leben (davon weit mehr als die Hälfte auf der Theater- und Kabarettbühne) kann die am 19. Oktober 1925 im thüringischen Suhl geborene Gisela Grube nun zurückschauen. Das begann mit dem Gesang. Singen gehörte schon in ihrer Kindheit zu den besonderen Talenten der Tochter eines Gastwirts. So probierte sie sich zunächst als Mitglied der Suhler "Joelgemeinde" im dortigen Waldtheater aus. Dabei lernte sie auch den jungen Herbert Roth kennen, der sie hin und wieder mal nach Hause brachte. Beider Wege trennten sich aber wieder, denn Gisela Grube sprach mit dem "Gretchenmonolog" am nahen Meininger Theater vor - und wurde engagiert. Allerdings nicht wegen der besondern Qualität ihrer Sprache, sondern weil sie "ganz schön komisch" sei. Die Begründung aber war ihr letztendlich egal, denn beim Theater fühlte sie sich von Anfang an gut aufgehoben. Dann kam der Krieg, viele Theater machten erst einmal dicht und blieben auch noch nach Kriegsende 1945 für unbestimmte Zeit geschlossen. Das große Aufräumen im Lande hatte begonnen, der Besuch einer Theatervorstellung geriet zur Nebensache.

Gisela Grube aber wollte nicht aufgeben, sprach unter anderem bei der Konzert- und Gastspieldirektion vor, und begann durch das Land zu touren. Stationen in dieser Ära waren zum Beispiel das Theater Weißenfels, die Chiemseer Bauernbühne und das Stadttheater Erfurt. Diese Art von Odyssee endete in der Mitte der 1950-er Jahre im Kleist-Theater Frankfurt/Oder, wo sie aber nicht als Schauspielerin, sondern als Soubrette engagiert wurde. Sie griff zu und agierte seither vorwiegend in Operetten und Musicals. Es war nicht die schlechteste Lösung, denn nach den Leiden des Krieges wollten und mussten die Menschen das Lachen neu erlernen. Zufällig war zu der Zeit auch Rolf Herricht in Frankfurt unter Vertrag. Und auf die Art fanden sich auf der Bühne zwei komische Talente. Das Gerücht, die beiden seien auch fernab der Bühne ein Paar gewesen, verweist Gisela Grube in das Reich der Phantasie. "Denn der Rolf", erinnert sich Gisela Grube, "hatte doch immer nur die jungen Tänzerinnen im Fokus."

Sie selbst war vielfältig eingesetzt, da sie sich vor kaum einer Rolle scheute. Sie sang und spielte den Orlofsky in Johann Strauss' berühmter Operette "Die Fledermaus", war Herrichts Partnerin im Musical "Mädel aus der Lobau" und, und, und.

An das Kabarett verschwendete Gisela Grube damals keinen Gedanken. Das änderte sich, als 1962 der frischgebackene Direktor des ein Jahr zuvor gegründeten Dresdner Kabaretts Die Herkuleskeule, am Kleist-Theater auftauchte. Manfred Schubert sah die Grube spielen, erkannte ihren feinen Sinn für Komik und nahm sie sofort unter Vertrag. Obwohl sie damals noch nicht einmal wusste, was politisches Kabarett ist. Dennoch, es wurde ein Vertrag, der rund dreißig Jahre Bestand haben sollte. Diese Jahre wurden - so schätzt es Gisela Grube im Rückblick ein - die künstlerisch ergiebigsten und wohl auch die schönsten Jahre ihres Berufslebens. Sie erinnert sich heute noch gern an all ihre, längst verstorbenen Bühnenkollegen an der "Keule". An Jochen Hutschenreuther, Werner Knodel, Fritz Ehlert oder Hans Glauche. In die politische Wende schließlich ging sie mit einem ganz besonderen Programm, das im Dezember 1989 Premiere hatte, den Titel "Vorsicht Grube" trug und in dem sie eine Christin und ihr Bühnenpartner Manfred Breschke einen Marxisten spielte. Ein echtes Wagnis, denn wer wusste zu der Zeit schon, wie der gesellschaftliche Konflikt enden würde.

Dann hatte Gisela Grube das Pensionsalter erreicht. Ihr Chef Manfred Schubert desgleichen. Doch so sang- und klanglos aufzuhören, das wollten beide nicht. Wie jeder Spitzensportler wollten auch sie abtrainieren. Ergo suchten sie sich einen Pianisten und eine Art Manager und tourten als "Herkulesgäule" durch das nun vereinte gesamte Deutschland. Aber auch das ist mittlerweile Geschichte.

Ganz vorbei aber ist für Gisela Grube das Kabarett dennoch nicht. Seit Jahren kümmert sie sich um die "Dekanatlosen", eine Kabarettgruppe der katholischen Kirche. Dort vermittelt sie ihre Erfahrungen an andere kabarettbegeisterte Menschen. Nun wollen die Augen nicht mehr so, und trotzdem: Gisela Grube ist immer noch sehr an allem interessiert. Und ein treffsicheres Bonmot hat sie ebenfalls stets parat.

von Wolfgang Zimmermann

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