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Gisbert zu Knyphausen unspektakulär grandios im Beatpol

Gisbert zu Knyphausen unspektakulär grandios im Beatpol

Es sind seine Konzerte immer so anständig. Alle sind da anständig. Der Typ mit der Gitarre, der singt, die, die um ihn rumstehen und mit ihm die Musik machen, und die, die davor stehen und auch dabei sind.

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Gisbert zu Knyphausen im Beatpol.

Quelle: Dietrich Flechtner

Wie im Beatpol. So furchtbar ehrlich wohltuend anständig. So ohne Gehabe, ohne Plustern: Gisbert zu Knyphausen ist sowieso ein ewiges Unspektakel - aber das sind schwarze Löcher ja erstmal auch. Und sein Publikum feiert ihn nicht mehr, als ihm zusteht, und dankt eher noch dem Himmel, ihn mit der Gabe gesegnet zu haben, gleichermaßen durch den Dreck hindurch alles Gold und Silber aus den Nischen und Ritzen des Lebens zu kratzen und daraus Lieder zu machen oder eben mal einen Ozean voll Melancholie leerzusingen.

Er wolle einfach einen schönen Abend haben, das war alles, mit dem er den ausverkauften Beatpol begrüßte, den Abend mit sich und seiner Kid Kopphausen Band Felix Weigt (Bass), Alexander Jezdinsky (Schlagzeug), Marcus Schneider (Gitarre). Und es ging quer durchs Knyphausen-Universum. Natürlich vom ersten Album "Gisbert zu Knyphausen" (2008), vom zweiten Album "Hurra! Hurra! So nicht." (2010), vom Kid Kopphausen-Album "I" (2012) und neue Lieder. Oder der Coverklassiker "Ramblin' Man" von Hank Williams - ein schön blue mood-schlieriger Blues, wie er in Gisberts Songs immer irgendwie mitschwingt.

Und "Staub und Gold" von seinem Freund Nils Koppruch. Ein Name, ohne den der Gisbert zu Knyphausen von heute nicht zu denken ist: Koppruch starb im Oktober 2012. Nach 46 Jahren Leben. Knyphausen hatte mit Koppruch die Band Kid Kopphausen gegründet und ein Album veröffentlicht. Gisbert im Beatpol mit "Meine Schwester", "Wenn ich Dich gefunden hab" oder "Das Leichteste der Welt". Und vielleicht war es immer der Moment Stille zwischen Liedende und Applaus, dieses Einvernehmen zwischen Gisbert, Band und Publikum, der Koppruch gewidmet war. Das Ringen um Fassung ist noch nicht zu Ende.

Liedhaft so durcheinander ging es, dass Gisbert selber halb gewissenhaft, halb informativ meinte, er hoffe, man käme mit. Ein Novum etwa sein Song-Beitrag zur neuen Kinderlieder-Platte vom Hamburger Kollegen Wolfgang Müller. Ein unvollkommener Hip Hop über das ewige Sollenmüssen der Kinder, damit die Weltkonstruktion der Erwachsenen auch schön heile bleibt, während das Wollendürfen sich allmählich kerkert und wieder ein Krieg gesichert ist.

Mit "Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten" eins der Lieder des Abends, denen Gisbert und Band eine Ende mit Wucht verliehen. Wucht, keine Ekstase, hätte sich auch komisch gemacht, war ja irgendwie Familie und Wohnzimmer. Die Kid Kopphausen Band reduziert aufs Wesen der Songs.

Grandios bei "Sommertag", ebenso das umwerfende "Flugangst" oder "Der Blick in deinen Augen": "Meine Lebensziele sind einfach: Ich würd gern geben, was ich zu geben vermag. Ich will lachen an den richtigen Stellen und drauf scheißen, wenn das hier jemand nicht mag. Und ich gebe zu, ich bin ziemlich kriegsgeil - ich will dabei sein, wenn das alles explodiert, und dann tot sein oder aufstehn aus der Asche und Trümmern und zusehn, dass der Laden wieder funktioniert."

Und na klar, als Zugabensong "Spieglein, Spieglein". Ein Lied über das eigene Angekotztsein, wenn man ausgekotzt wurde und Finsternis ist. Sehr rührig schließlich bei der zweiten Zugabenrunde der Liedwunsch einer Zuhörerin: "Kleine Ballade" vom ersten Knyphausen-Album. Dieses wunderbar Regener'sche Lied. Knyphausen kurz unsicher, nannte es nach kurzer Abstimmung mit den Bandkollegen ein Experiment. Wusste wohl nicht, dass Scheitern gar nicht möglich war. Und wieder ein Chor mit "Einfach so, einfach so, einfach so..." und ein einzelnes "Dankeschön!". Was braucht's noch.

Er sah entspannt aus, froh, ausgeruht. Nach zwei Stunden Konzert. Wahrscheinlich hatte er einen schönen Abend. Wie alle. Und nach einem Gisbert-zu-Knyphausen-Konzert ist ja auch alles überhaupt ein bisschen besser.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.01.2015

Robert Kaak

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