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Gil Shaham bei den Dresdner Musikfestspielen

Mit Charme und Brillanz Gil Shaham bei den Dresdner Musikfestspielen

Mit der Anziehungskraft des Violinisten und des Singapore Symphony Orchestra war die Frauenkirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch Omer Meir Wellber, mit dem Israel Philharmonic derzeit in Residenz der Festspiele, hatte sie angelockt.

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Der Violinist Gil Shaham im Zusammenspiel mit dem Dirigenten Lan Shui und dem Singapore Symphony Orchestra.

Quelle: Oliver Killig

Dresden. Mit der Anziehungskraft des Violinisten und des Singapore Symphony Orchestra war die Frauenkirche bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch Omer Meir Wellber, mit dem Israel Philharmonic derzeit in Residenz der Festspiele, hatte sie angelockt.

Singapur ist ein Vielsprachenstaat, was sich nicht zuletzt in der Zusammensetzung des Orchesters niedergeschlagen hat. Die Vielbestimmtheit führt aber auch zu einer Uneindeutigkeit, zur Verschmelzung asiatischer und westlicher Kultur. Genau dieses Zusammenfließen wollte der 1984 geborene Chen Zhangyi in seine Komposition einer ätherischen Sinfonie einfließen lassen. „Of an ethereal symphony“ beginnt mit einem Augenblick der Stille (für den Dirigent Lan Shui abwartete, dass Ruhe in die Frauenkirche einzog), aus dem zunächst die Streicher auftauchen und eine Grundierung schaffen. Harfe und Holzbläser stimmen mit Akkorden zunächst ein Erwachen an, bevor nach und nach sämtliche Instrumente des riesigen Orchesters hinzutreten. Gerade mit diesem Verschmelzen eingängiger Motive und Instrumentengruppen verlor das Werk jedoch an Profil – ein wenig Hollywood.

Klarer war Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll. Gil Shaham pflegt einen schlanken, grazilen Ton, bewegte sich leichtfüßig durch das Werk und erweckte Achtel und Sechzehntel
zu munterem Leben, konnte seiner Stimme aber auch Kraft und Wärme verleihen. Lan Shui sorgte für ein dichtes Beieinander von Solist und Orchester, konnte jedoch nicht verhindern, dass das Orchester einige Male etwas stark gegenüber dem Solisten auftrumpfte, ließ auch
manche Bläser kräftig betonen. Die Oboenüberleitung zum zweiten Satz
sollte aber vielleicht ein (allzu deutliches) Zeichen sein, jetzt zu applaudieren. Doch abgesehen von solchen
(akustischen) Feinheiten schwebte die Violine über allem, was vor allem das bereitet, was man sich bei Mendelssohns Violinkonzert wünscht: Genuss. Und
was passt nach Mendelssohn? Wohl kaum etwas besser als Bach. Die Frage ist
nur, welcher Satz aus welcher Sonate oder Partita. Gil Shaham entschied sich für die Gavotte en Rondeau aus BWV 1006.

Im zweiten Konzertteil fanden sich die Musiker zunächst – wie schon bei Mendelssohn – im Kirchenschiff für eine makellose Aufführung für Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ in der Orchesterfassung vereinigt. Mit noch mehr Brillanz konnte das Singapore Symphony Orchestra dann im abschließenden Werk aufwarten, Maurice Ravels „La Valse“. Nun wieder mit den Streichern im Schiff und den Bläsern im Altarraum, zogen sie Walzerschleifen, die zunehmend Unwucht bekamen und zerbröselten, aus dem Tanz einen fanalen Spuk machten – für diesen walzerseligen Abgesang wurde sie vom Publikum stürmisch gefeiert. Wie schon nach Mendelssohn schien die Zugabe zwingend: der Schlusswalzer aus Richard Strauss‘ Rosenkavalier-Suite.

Von Wolfram Quellmalz

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