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"Gezeiten” - Sabine Aurich-Rogge feiert das 20-jährige Bestehen ihrer Galerie Medinger Refugium

"Gezeiten” - Sabine Aurich-Rogge feiert das 20-jährige Bestehen ihrer Galerie Medinger Refugium

20 Jahre Galerie feiert Sabine Aurich-Rogge mit der aktuellen Ausstellung im Medinger Refugium. Ein genaues Datum gibt es dafür nicht, denn es handelt sich um ein summarisches Jubiläum, das aus der Tätigkeit an vier verschiedenen Standorten zustande gekommen ist.

1991 gründete die Bildhauertochter, studierte Kunstwissenschaftlerin und ehemalige Redakteurin des Sächsischen Tageblatts in München ihre erste Galerie und brachte Kunst aus Sachsen in die bayerische Residenz. Das ließ sich gut an, doch überraschend wendete sich ihre Lebenslinie wieder nach dem Osten, als es ihren Ehemann beruflich dahin zog und so wurde bereits 1995 das ehemalige Pfarrhaus in Medingen zum - wie sich herausstellen sollte - existenziell wichtigen Zufluchtsort.

Inhaltlich gab es gar keinen Bruch, Sabine Aurich-Rogge setzte mit dem Kreis der Künstler ihre Arbeit fort, den sie in München für sich gewonnen hatte, was einerseits nicht sehr schwer fiel, lebten doch die meisten von ihnen, mit Ausnahmen wie der Münchnerin Gabriele Lockstaedt und dem Berliner Fotografen Manfred Paul, in der näheren Umgebung. Andererseits aber auch einen Vertrauensbeweis bedeutete, denn statt der erhofften Chancen, im ergiebigeren westdeutschen Kunstmarkt Fuß zu fassen, boten sich plötzlich "nur" eher beschauliche Gelegenheiten ein gutes Stück außerhalb des Dresdner Stadtgebiets. Auch der Galeristin waren die Schwierigkeiten durchaus bewusst, ein wenngleich interessiertes Publikum regelmäßig so weit ins Ländliche zu locken, und so suchte und fand sie die Gelegenheit für eine Präsenz in der Landeshauptstadt, in einer formidablen Villa auf der Böhmertstraße, die freilich auf die Dauer ebenso wenig zu halten war wie der Versuch gelang, sich als "Untermieter" im Pianohaus nahe der Frauenkirche zu behaupten.

Neben dem Glücksumstand, dass das schöne Fachwerkhaus in Medingen noch immer zur Verfügung stand, erscheint jedoch die Konsequenz, mit der Aurich-Rogge auch in schwierigsten Zeiten ihr eigenes Konzept vertreten und vervollkommnet hat, als noch das bedeutsamere Anlagekapital. Dass die von ihr vertretenen Künstler im weitesten Sinne gegenständlich arbeiten, ist weniger auffällig als die kontrastreiche Vielfalt, die sie in einer anregenden Harmonie zu vereinen sucht. Im engeren Kreis, zu dem außer den bereits genannten Künstlern Karen Graf, Gerda Lepke, Christa Wahl, Steffen Fischer, Günter Hein, Holger Koch, Wolfgang Kühne gehören, dominiert die Malerei, aber die Glaskünstler Marion und Uwe Hempel, der Bildhauer Karl-Heinz Appelt setzen dagegen immer wieder kräftige skulpturale Akzente. Von Einzelausstellungen in versachlichender Atmosphäre hat sich das Refugium in den letzten Jahren verabschiedet. Was anfangs als schönes Beiwerk erschien, nämlich die Begegnung von Kunst und Alltag, wurde zum Eigentlichen, zum Prinzip der Vermittlung. (Mit) Kunst leben oder im White Cube präsentieren - was auf der Böhmertstraße zwischen Salonatmosphäre und Ausstellungsetage oder in den eher sachlichen Galerieräumen am Neumarkt als Alternative oder in der Schwebe erschien, hat sich nun auch aufgrund der Gegebenheiten geklärt. Die Ausstellungen finden in Räumen statt, die zum größeren Teil ständig bewohnt sind. Die bildende Kunst korrespondiert mit dem ständig vorhandenen Interieur ebenso wie mit temporär präsentierten "angewandten" Objekten - diesmal Lichtobjekte von Marion Hempel, Raku-Gefäße von Martin Mindermann und florale Arrangements von Annett Radeloff. Die Grenzen zwischen inszeniertem Milieu und Ausstellung werden fließend, und trotzdem erhält jeder Künstler genügend Raum, sich mit einer repräsentativen Auswahl von Arbeiten zu zeigen, freilich nicht retrospektiv, wie es der Ausstellungstitel "Gezeiten" vielleicht suggeriert.

Um Spuren der Zeiten geht es aber doch, zumal bei Ulrike Bergemann, jüngste Entdeckung unter den mittlerweile etwa 30 Künstlern, die mit der Galerie regelmäßig verbunden sind. Ihren ländlichen Ansichten, karge, verwitterte, durch nichts aufgehübschte Anwesen, scheinen für Porträts ihrer Bewohner zu stehen, als wäre es immer so gewesen und könnte nie anders sein. Das ist schlicht auf den Punkt gebracht und dabei voller Poesie, zumal bei einem Bild wie "Dunkles Haus vor klarem Himmel". Weniger überzeugen mich einige doch etwas ins Dekorative tendierende Blumenkompositionen. In ihrer Art der Abstraktion ähnlich, aber mit einen Anflug oder Anschein von Naivität, die sie auch noch mit verschmitztem Humor vorträgt, ist dagegen Karen Graf lange vertraut - wie sie etwa auf eine bescheiden behängte Wäscheleine im Gartenhintergrund blickt oder auch auf einen Weinberg im Winter. Beides bringt irgendwie Wärme in die Stube, Günter Hein dagegen eher etwas grüblerisch Versunkenes, wie er sich Schicht auf Schicht an Mythologien zu nähern scheint; sein "Kauernder Mann" erinnert an Hiob, die Figuren einer Komposition mit Engel blicken den Betrachter unverwandt fordernd an.

Nicht viel Platz braucht Manfred Paul für ein Kontrastprogramm: Italienische Landschaften mit der zarten Grafik filigraner Details in Schwarzweiß hängen neben farbigen Arbeiten, die ein wenig Monotypien ähneln, aufgenommen mit unscharf gestelltem Objektiv, so dass die Flüchtigkeit verwaschener Konturen der Unschärfe etwas von vagen und doch gleichnishaften Erinnerungen heraufbeschwört (Im Restaurant, Hochzeitspaar). Was Pauls Arbeiten eint, ist das Unspektakuläre, Alltägliche der Motive, die der Fotograf bevorzugt, die stille, intensive Aufmerksamkeit, die er ihnen widmet.

Steffen Fischer fasziniert unter dem Dach mit Flamencotänzerinnen, die seinem eigenen Bewegungsdrang offenbar entgegenkommen. So entstanden großformatige, sehr spontan wirkende Zeichnungen, die eigentümlich kontrastieren zu Gabriele Lockstaedts surrealistischen Bildern, rätselhaft zwischen artifiziellen Details (Sabine Aurich-Rogge haben es offenbar besonders die Blumenmotive angetan) und großen zeichenhaften Formen. Dazwischen vermittelt Fantasie und lässt die Traum-Schiffe von Uwe Hempel manövrieren, mit ihren Segeln aus geflochtenem gewelltem Glas, den eigenwillig kantigen Rümpfen aus Stahl. Neugierig beäugt von einem jungen Hirsch, der eine brennende Kerze zwischen den Geweihstangen trägt. Holger Koch feiert mit ihm und anderen seiner skurril liebenswerten Fabelwesen "Das erste Jahr", ist aber auch längst ein alter Bekannter an diesem Ort, den man auch bei Kursen und Gesprächsabenden, als Ausstellungshaus am besten nach Voranmeldung erleben kann.

bis 4. Februar 2013, Besichtigung nach Vereinbarung, auch am Wochenende (Tel. 035205/ 75 36 31, 0172/ 774 05 64, info@galerie-refugium.de)

www.galerie-refugium.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.01.2013

Tomas Petzold

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