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Get Well Soon aus Mannheim spielten im Alten Schlachthof

Get Well Soon aus Mannheim spielten im Alten Schlachthof

Voreilig resümieren und dem anderen nach dem offiziell letzten Song sagen: "Die letzten 30 Sekunden waren ein Fehler." Ein Fehler? "Ja, weil die Band hier zum ersten Mal mit allem, was sie hatte, uns mit allem, was wir wollten, gekriegt hat.

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Unnahbar, zwischen Cohen und Bowie: Konstantin Gropper mit Get Well Soon.

Quelle: Dietrich Flechtner

Konzertabend zu zweit. " Weil in diesen 30 Sekunden alle im Publikum diesen brustdurchdringlichen Klang gespürt haben müssen, diesen Klang, der keinen Zweifel zulässt. Der fehlte zuvor.

Die Band, das waren Get Well Soon aus Mannheim. Jüngst zu einem Gastspiel im Alten Schlachthof. Nach den letzten offiziellen 30 Sekunden kam die Band um Multiinstrumentalist Konstantin Gropper übrigens noch zwei Mal für Zugaben auf die Bühne. Gaben den 30 Sekunden eine 20-Minuten-Verlängerung, die bleiben wird als Prägung des Abends. Daher das Eingeständnis der Voreiligkeit obigen Resümees. Denn Get Well Soon entließen selige Zuhörer.

Get Well Soon waren wie ein riesiger Schiffsrumpf, der sich durch orchestrale Popgewässer schob. Es funkelte und glitzerte und klang und raunte und silbern schimmerte es, und man wurde hin und her gewogen, und es brachen Stürme herein und Brisen zupften an Gedanken. Get-Well-Soon-Lieder sind verschränkte Songgebilde aus Gitarren, Trompete, Vibraphon, Geige, Becken, Synthesizer und getrieben von hartem Schlagwerk. Konstantin Gropper brachte vor allem das 2012er Album "The Scarlet Beast O'Seven Heads". Songs wie das popbarocke "Kids today". Oder "The World's worst Shrink", die feingliedrige Gitarrenmelancholie unter Wasser.

Und dazwischen die Stimme des unnahbaren 29-Jährigen, einer Mischung aus Cohens Seelenruhe und der Fuckness eines Bowie. Einer Stimmtiefe, die, je nach Gesinnung und Geschlecht, Meditation ermöglichte oder den Schoß wärmte. Oder beides. Gropper kam und spielte im schwarz-akkuraten Anzug und Krawatte auf weißem Hemd. Ein Studierter übrigens (Klavier, Cello, Schlagzeug und Gitarre).

Get Well Soon, das sind Popsongs, die auch gebaut sind, denen Akademisches anhaftet. Die Dresdner waren dafür eine offene Zuhörerschaft, ließen sich per se nicht abschrecken von Komplexität. Selbst wenn Get Well Soon und Schlachthof-Publikum bis kurz vor Konzertende emotional mehr trennte als die zwei Meter Absperrung vor dem Bühnenrand. Bis 30 Sekunden vor Schluss. Als die Klangwucht sich löste von der Bühne und hineinschwappte ins Publikum und jeden erwischte. Und ein Gropper, der endlich seinen schwarzen Anzug vergaß und das weiße Hemd. Dem die Haarsträhnen im Gesicht klebten.

Robert Kaak

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.09.2012

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