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Geschichten zwischen Waterkant und Südsee: Anna Depenbusch in Dresden

Geschichten zwischen Waterkant und Südsee: Anna Depenbusch in Dresden

Ziemlich zu Beginn des Spielfilms "Crimson Tide" gibt es eine Szene, wie ein mit nuklearen Interkontinentalraketen bewaffnetes Atom-U-Boot der US-Navy aus dem Hafen ausläuft.

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Anna Depenbusch auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch

Quelle: Andreas Weihs

Noch ist das Teil nicht abgetaucht, der von Gene Hackman gespielte Kapitän Frank Ramsey betrachtet, genüsslich eine letzte Zigarre rauchend, den unglaublich schönen Sonnenuntergang. Der neu an Bord gekommene Erste Offizier, Korvettenkapitän Ron Hunter (Denzel Washington), gesellt sich hinzu - und guckt auch. Beide Männer tun, was echte Männer tun: schweigen. Betrachten einfach See und Sonne. Dann lobt Ramsey Hunter dafür, einfach die Aussicht genossen und den Moment nicht zerquatscht zu haben. Hackman musste nicht wie Anna Depenbusch in einem ihrer Lieder bitten: "Sei doch einfach nur mal still".

Ja, die Hamburger Deern Depenbusch, die als große deutschen Hoffnung in den Genres Chanson und Pop gilt, war wieder in der Stadt, hatte das Schiff hinter der Konzertbühne auf dem Weißen Hirsch vertäut, um samt "Schiffsmannschaft" bei einem nicht ganz zweistündigen Landgang aufzuspielen. Es gibt Momente, das Leben kann eben unbarmherzig sein, da erweist sich, dass Dresden doch einen eklatanten Standortnachteil hat. Küste ist hier nicht. Ein Leuchtturm allein in Moritzburg reicht auch nicht annähernd, um das Gefühl von Wind in den Wanten zu vermitteln. Der Auftritt von Depenbusch machte das schmerzlich klar.

Mit im Seesack hatten Depenbusch und ihre Bordkapelle das neue Album "Sommer aus Papier". Eigens dafür, was wäre das Leben ohne Herausforderungen, hat die Sängerin und Musikerin mal eben so ein neues Instrument gelernt - und zwar Ukulele. "Sommer auf Papier" bewegt sich - soviel an Fazit vorab - bemerkenswert leicht zwischen Pop und Chanson, Shantie und Schlager, Walzer und weltläufigem Folk; beschwört Südseezauber und entspanntes karibisches Lebensgefühl. Die Mannschaft an Deck der Konzertmuschel versteht ihr Handwerk, besonders Anne de Wolff sorgt mit beseelter Geige, aber auch mittels Cello oder Akkordeon für viel Atmosphäre.

Die Texte über Sonne, Meer und Sehnsucht sowie die Liebe in all ihren bitteren wie süßen Momenten erinnern an liebevoll wie flott formulierte Urlaubspostkarten. Sind meist heiter ("Wir tauschen Grau gegen Hellblau, verschieben Sorgen einfach auf morgen"), gelegentlich wie das rhythmisch prärienachtbetonte "Hey Cowboy" ironisch ("bestimmt ist es anstrengend, immer Cowboy zu sein"), oft pointiert zugespitzt und in der Regel von viel feinem Humor durchwoben.

Bei so manchem Lied, das zunächst vordergründig ganz harmlos und traditionell daherkommt, erweist sich allerdings auch, dass Depenbusch ein Faible für Doppelbödigkeit hat. Was ihre Betrachtungen über den Alltag zudem auszeichnet, sind die ungewöhnlichen Wendungen und ein - ja, ein bisschen auch dies - gewisse Boshaftigkeit. "Ich finde es toll, Geschichten zu erzählen, die ein Geheimnis haben, die offen bleiben", lässt die Künstlerin die beträchtliche Fanschar wissen. Der Gesang ist oft ein Säuseln, die Geschichten kommen ohne Zwang aus, und mit moralistischen Maßstäben braucht man nicht zu kommen. Depenbusch beobachtet - und über das, was sie frank, frei und frech schildert, maßt sie sich kein Urteil an. Soll sich jeder doch sein eigenes bilden. Als Zugabe gibt's u.a. "Benjamin", ein Lied über eine Nachbarschaftsliebe, die vorbei ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.07.2013

Christian Ruf

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