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Gertrude Stein-Geschichte an den Landesbühnen Radebeul

Puppentheater Gertrude Stein-Geschichte an den Landesbühnen Radebeul

Gertrude Stein, die bekannte Autorin, schrieb auch für Kinder. Eine dieser Geschichten, „Die Welt ist rund“, ist nun als Puppentheater-Inszenierung in Radebeul zur Aufführung gekommen.

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Eine anspruchsvolle Inszenierung mit Friedricke Miller und Jonathan Strotbeck.

Quelle: Foto: Hagen König

Radebeul.. Die amerikanische Autorin Gertrude Stein (1874–1946) ist eine verblüffende Sprachmalerin, die mit Worten derart zu spielen vermag, dass daraus verrückte gedankliche Verquickungen und Verwicklungen entstehen. Bei der Türen nicht geschlossen, sondern geöffnet werden, es ohne Nach-Denken kein Verstehen gibt. Oder auch umgekehrt. Dass diese außergewöhnliche Frau ebenso Geschichten für Kinder geschrieben hat, ist vielleicht weniger bekannt. Obwohl jenes allseits vertraute, oft abgewandelte Zitat von „Rose ist eine Rose ist eine Rose“ geradewegs einer solchen entstammt, geschrieben 1938 in Paris.

Zur Premiere von „Die Welt ist rund“ (The World Is Round) in der fein gesponnenen, schlüssig erzählenden Übersetzung von Michael Mundhenk können kleine wie auch große Zuschauer in der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen in knapp einer Stunde allerlei Erstaunliches erleben. Die beiden Darsteller zaubern diverse „Mitspieler“ in den Raum und sorgen permanent für offene Verwandlungen in Sprache und Bewegung. Als Schauspiel und Figurentheater richtet sich die Aufführung erklärtermaßen an „Kinder und Philosophen ab 4“. Wiewohl sich jeder Theaterbesucher davon angesprochen fühlen kann, wenn er nur mit Fantasie und Aufmerksamkeit dabei ist; selbst die Allerkleinsten haben offenbar ihre Freude daran. Dabei wird immer wieder verblüffend mit Sprache jongliert. Aber Kinder kommen damit vielleicht auch besser zurecht als manch „korrekt denkender“ Erwachsener.

Zunächst bannen Friedericke Miller und Jonathan Strotbek mit auf Rollen kreisenden, unterschiedlichen Bühnenelementen das Publikum, schaffen eine bewegliche und zugleich „gebaute“ szenische Struktur (Ausstattung: Anja Furthmann). Die zunächst noch nichts verrät, aber doch Neugier weckt sowie in Form und Aktion bemerkenswert ist. Schon bald belebt sich die Bühne mit einer Fülle von Plüsch-Getier und diversen Puppen, die darin verstaut waren, sind die Zuschauer auch unmittelbar angesprochen, beteiligen sich mit Kommentaren am Spiel.

Eine wahrhaft abenteuerlich fabulierte Geschichte, die von Rose erzählt, einem Mädchen, das die Farbe Blau über alles liebt. Und sie hat gute Freunde wie den Cousin Willie, den Hund Love oder den Löwen Billie. Rose ist aufgeweckt, neugierig, eigensinnig, und wenn man irgendwie versteht „Die Welt ist bunt“, wo es vielleicht gerade heißt, „Die Welt ist rund“, liegt das natürlich auch an Gertrude Stein und ihren stets herausfordernden Sprachkapriolen. Die in der Bühnenfassung und Inszenierung von Odette Bereska, gesprochen und zuweilen auch liebenswert sperrig gesungen (Komposition: Hans-Peter Preu), das Publikum weder unter- noch überfordern.

Eine deutlich notwendige Balance, denn die Themen sind durchaus nicht leicht gewichtet. Das Geschehen entwickelt sich quasi in Gedankensprüngen, mit denen die Spieler gemeinsam mit Rose und ihrem kleinen blauen Stuhl den Berg für einen besseren Ausblick erklimmen, in tiefes, verschlingendes Wasser eintauchen, um Leben zu retten, oder auch sonstige Abenteuer bestreiten.

Als das Mädchen wie von ungefähr in die Rinde des Baumes auf dem Gipfel ihren Namen ritzt, und, weil sie nun mal dabei ist, auch gleich noch um den Stamm herum jene Metapher von „Rose“ rückwärts schreibt, wo der scheinbare Anfang auch das Ende und das vermeintliche Ende ebenso der Anfang ist, hat das für sie und das Publikum gewiss nicht zwingend etwas Rätselhaftes. Vielleicht liegt das ja auch in der Natur der Sprache, dass sie zuweilen durchaus ohne Punkt und Komma auskommen kann. Und unser Denken an sich und überhaupt endet ja wohl auch nicht mit einem Interpunktionszeichen, oder?

Wie auch immer. Man wird nicht dümmer, wenn man sich mit Gertrude Stein befasst. Und da spielt das Alter kaum eine Rolle. Zumal es sich von der Auflage, jeder, und ganz besonders ein Kind, habe sich stets und ständig an Regeln zu halten, bekanntlich gut und gern auch mal abweichen lässt. Da ist es erfreulich, dass die Landesbühnen Sachsen den 70. Todestag von Gertrude Stein in diesem Jahr nicht vergessen haben. Vor allem aber auch, dass sie ihr junges Publikum ernst nehmen. Mit allem, was nun mal dazu gehört. Wie eben ein hervorragender Text, eine gute Inszenierung, Ausstattung und so weiter.

Vor Jahrzehnten palaverte noch mancher Theaterwissenschaftler davon, Kinder seien die Zuschauer von morgen… So ein Quatsch aber auch. Sie sind nicht minder ein ganz gegenwärtiges, wichtiges Publikum wie die Erwachsenen, verdienen schlichtweg nur das Beste. Und dazu gehört Gertrude Stein!

nächste Aufführungen: 5. & 6.4.

Von Gabriele Gorgas

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