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Gershwin-Klassiker „Porgy and Bess“ in der Semperoper

„Summertime“ Gershwin-Klassiker „Porgy and Bess“ in der Semperoper

Sind wirklich schon wieder sieben Jahre vergangen? So lang ist es her, dass zur Spielzeitpause der Semperoper das Harlem Theatre aus New York hier gastierte. Nun gibt es den Gershwin-Klassiker „Porgy and Bess“ wieder in der Semperoper-Sommerzeit zu sehen.

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Harlem Theatre aus New York gastiert vom 14. bis zum 31. Juli in der Semperoper Dresden.

Quelle: © ph. Luciano Romano / Teatro di San Carlo 2012

Dresden. Sind wirklich schon wieder sieben Jahre vergangen? So lang ist es her, dass zur Spielzeitpause der Semperoper das Harlem Theatre aus New York hier gastierte. „Porgy and Bess“ muss sich gerechnet haben, sonst würde BB Promotion die Produktion der Oper von George Gershwin gewiss nicht schon wieder durch die deutschen Musiktheater von bis ziehen lassen.

Den Auftakt gibt es in Dresden die gesamte zweite Juli-Hälfte lang. Auf je ein paar Tage München und Köln folgen zwölf Tage Hamburg und zum Schluss eine knappe Woche in Frankfurt am Main. Die Semperoper wird gewiss nicht nur zum „Warmbespielen“ gebucht, sondern kaum minder als architektonische Perle. 15 Vorstellungen sind angesetzt, das ist ein mehr als hartes Pensum für die Tournee-Truppe vom East River. Hauptsache, es rechnet sich.

Musikalisch lohnt es sich allemal. Ohrwürmer wie „Summertime“, „I Loves You, Porgy“ oder „I Got Plenty O‘ Nuttin” sind längst zu Jazz-Standards avanciert und erfreuen sich weltweit auch außerhalb dieser Oper größter Beliebtheit. Erst kürzlich führten die Schauspielerin Martina Gedeck und der Pianist Sebastian Knauer zu den Musikfestspielen einen Gershwin-Abend im Hygiene-Museum auf, in dem sie die Vita des 1937 mit nur 38 Jahren an einem Hirntumor viel zu früh verstorbenen Genies musikalisch reflektierten. Den Welterfolg seiner 1935 am Broadway uraufgeführten Oper, zu der sein Bruder Ira Gershwin die Liedtexte schrieb, konnte er schon nicht mehr miterleben. Denn erst nach einer zweiten New Yorker Aufführungsserie ab 1942 sowie nach der europäischen Erstaufführung ein Jahr darauf in Kopenhagen setzte sich „Porgy and Bess“ verdientermaßen durch. Gegen den Widerstand der deutschen Nazis, die im faschistisch besetzten Dänemark sämtliche Aufführungen dieser „Negeroper mit Urwaldgeschrei“ mittels einer angedrohten Sprengung des Opernhauses verhindern wollten.

Erst in der Nachkriegszeit wurde Gershwins „American Dream“ peu à peu zur gelebten Realität. Selbstverständlich ist er freilich noch heute nicht. Denn was dieser „Unterschicht“ in der einst durch Sklavenhandel und heute durch exzessive Gewalt berüchtigten Südstaaten-Metropole Charleston damals widerfuhr, ist noch immer nicht überwunden. Konflikte zwischen Kriminellen und der Polizei sind an der Tages(un)ordnung.

Damit scheint die Handlung geradezu heutig: Bess wird von ihrem Liebhaber verlassen, nachdem der einen Kontrahenten beim Würfelspiel umgebracht hat. Porgy, ein Krüppel, nimmt sich der Frau an und gerät zwischen alle nur denkbaren Fronten. Ist da ein Happyend denkbar? Wohl eher nicht.

Musikalisch aber brilliert Gershwins „Porgy and Bess“ mit flirrendem Jazz-Sound, stimmgewaltigem Gospel und geradezu spätromantischem Opernklang. Der Komponist soll Ideen für Hunderte Melodien im Kopf gehabt, heißt es von ihm. George Gershwin erträumte sich ein Amerika mit menschlichem Antlitz. Er lebte den amerikanischen Traum und durfte die Freiheit des Landes als Sohn eingewanderter Juden am eigenen Leib spüren. Mit raschen Broadway- und Hollywood-Erfolgen, mit weltweiter Anerkennung – und dem Nazi-Diktum als „entarteter“ Künstler.

Mit Blick auf seine romantische Ader wurde George Gershwin gern als „Blaue Blume von New York“ bezeichnet. Die Wurzeln dafür lagen in seinen familiären Erfahrungen mit Flucht und Vertreibung, mit Judentum und Ausgegrenztheit. Dennoch flossen ideenreich Ströme von Melodien aus ihm – als wäre sein tragisch früher Tod schon ein Ansporn dafür gewesen.

Das diesjährige Sommergastspiel von „Porgy and Bess“ kommt einmal mehr in der weltweit gefeierten Inszenierung des Harlem Theatre mit fast 50 Sänger-Darstellern – weisungsgemäß ausschließlich von Schwarzen, um authentisch zu wirken – und einem bestens mit dieser Genrevielfalt vertrauten Orchester in die Semperoper.

Der Veranstalter verspricht „eine Atmosphäre voller Esprit“. „Summertime, and the livin´is easy ...“ – „Sommerzeit, und das Leben ist leicht, ist unbeschwert und sorgenfrei ...“ –, wer wünschte sich das nicht? Dieser Song zählt zu den wunderbarsten in der Musikgeschichte und spricht die Menschen in aller Welt seit gut einem halben Jahrhundert an. Das Meisterwerk um Sehnsucht und Verführbarkeit, um Liebesanspruch und Leid ist mehrfach verfilmt worden, wird aber nur relativ selten auf der Bühne gespielt. Nun aber wieder in Dresden. Es sind tatsächlich schon sieben Jahre vergangen.

„Porgy and Bess“, vom 14. bis zum 31. Juli an der Semperoper

Von Michael Ernst

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