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Gerit Kling überzeugt in der Dresdner Comödie mit „Oben bleiben“

Solostück mit Substanz Gerit Kling überzeugt in der Dresdner Comödie mit „Oben bleiben“

„Oben bleiben“ nennt sich die „Solokomödie“ von Carsten Golbeck, und mit der Schauspielerin Gerit Kling in der Rolle der Vera Landis ist das gemeinsam-vergebliche Warten auf Tom, ihren Bühnen- und Lebenspartner, in der aus Spargründen eingeschränkten Theatergarderobe in der Comödie Dresden zu erleben.

Gerit Kling im Solostück „Oben bleiben“ von Carsten Golbeck in der Comödie Dresden

Quelle: Bo Lahola

Dresden. Wer sich mit konkreten Erwartungen auf einen doch irgendwie prominenten Gastdarsteller im Theater schon mal im Voraus einstellt, kann dabei durchaus auch enttäuscht werden. Da ist es dann wohl besser, man weiß nicht so ganz genau, wer und was schließlich zu erwarten ist, und lässt sich im besten Falle davon überraschen. Was am Wochenende justament in der Comödie Dresden geschehen ist. Das wahrhaft Gute daran ist, dass bei diesem Premierenabend quasi die „Mischung“ stimmt, also der Text ausreichend Substanz hat, das Ganze gut gespielt und zudem auch noch schlüssig inszeniert ist.

„Oben bleiben“, so nennt sich die „Solokomödie“ von Carsten Golbeck, und mit der Schauspielerin Gerit Kling in der Rolle der Vera Landis ist das gemeinsam-vergebliche Warten auf Tom, ihren Bühnen- und Lebenspartner, in der aus Spargründen eingeschränkten Theatergarderobe auch ganz gut auszuhalten. Was immer sie darzustellen hat, sie macht es mit Geschick, spielt gewitzt die Naive wie auch die Aufmüpfige, lässt ab und an Assoziationen bekannter TV-Sternchen erahnen, spricht über ihr Liebes- und sonstiges Leben, verschwindet im Hintergrund, wenn sie mal ausflippen muss, schluckt stetig und erklärtermaßen harmlose Pillen, um den Antrieb für ihren ununterbrochenen Redefluss etwas einzudämmen. Und sie schafft es sogar, auch dann noch glaubwürdig zu sein, wenn es für sie wirklich und wahrhaftig ernst wird. Da gibt es dann auch gleich hörbares Mitgefühl aus den Zuschauerreihen; das Publikum mag sie offenbar. Die eine wie auch die andere. Und lässt sich sogar dafür vereinnahmen, zuweilen in die Vorstellung mit einbezogen zu werden.

Kurz gesagt, diese Gerit Kling hat’s drauf, ist sowohl attraktiv als auch verwandlungsfähig, und wenn sie schließlich, befreit vom aufgetürmten Kopfputz wie auch von ihrer fachgerechten „Kriegsbemalung“, zum anhaltenden Schlussapplaus immer wieder von der Anspannung gelöst dem Publikum entgegen eilt, dann versteht man überhaupt nicht, warum diese Frau für irgendwen oder irgendwas zu alt sein sollte. So ist es auch ihr verdammt gutes Recht, sich zu positionieren im mehr oder weniger ausgefeilten Wortspiel des Autors, der dem Affen speziell Zucker gibt, wenn es beispielsweise um gar zu seichte TV-Unterhaltung geht. Oder um Allzumenschliches und was sonst noch so alles auf die Texter-Schippe passt.

Vera Landis holt weit aus, vergisst auch die Männer nicht und überhaupt die Ungerechtigkeiten dieser Welt, vor allem jene ihr besonders naheliegende wie Karriere oder Ehe. Wobei da auch schon mal die längst bekannte Wahrheit eingeflochten ist, Männer würden mit den Jahren immer reifer, Frauen aber, und das erhält bei ihr die fast selbstzerstörerisch-aggressive, dem Publikum frontal offerierte und leicht variierte Note: „alt!“

Dass ein solches Solostück von etwa anderthalb Stunden (dazu eine zum Ende hin verschobene Pause) bestens inszeniert sein muss, um alle miteinander in Stimmung zu halten, ist überhaupt keine Frage. Und ganz offensichtlich sind die Regisseurin Katja Wolff und die Schauspielerin Gerit Kling dabei ein gutes Gespann, natürlich mit dem Autor Carsten Golbeck als Drittem im Bunde. Und nicht zu vergessen an dieser Stelle auch das Bühnenbild von Jan Freese, das markant für die im Stück benannten Sparzwänge steht und zudem auch Überraschungen bereit hält.

Nach dieser Premiere muss man sich nicht wundern, wenn „optische Reize“ auf dem Nachhauseweg zuweilen wie spezielle Kommentare zu Themen aus dem Stück anmuten. Zum Beispiel die mentos-Werbung „Zugreifen und frisch bleiben“ im Leuchtkasten an der Straßenbahn-Haltestelle oder auch das Schild vom Altenpflegeheim mit dem Versprechen: Wohnpark „Elsa Fenske“. Wie ebenso das monumentale Sprayer-Bild am Kulturkraftwerk: „Die Farben der Freiheit“. Da kommt Freude auf. Und es keimt die Hoffnung.

„Oben bleiben“, Solokomödie von Carsten Golbeck mit Gerit Kling, wieder in der Comödie Dresden vom 13. bis 17. September, Beginn jeweils 19.30 Uhr, am 18. 9., Beginn 15 Uhr, Tickets: 0351 866 410

Von Gabriele Gorgas

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