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Geplante Schließung des Kraszewski-Museum in Dresden löst Unverständnis aus

Geplante Schließung des Kraszewski-Museum in Dresden löst Unverständnis aus

Dresden. Wenig Grund zum Feiern hätte Schriftsteller Jósef Ignacy Kraszewski an seinem 200. Geburtstag in Dresden. Passend zum Jubiläum in diesem Jahr verkündete die Stadtverwaltung am Dienstag die geplante Schließung des gleichnamigen Dresdner Museums.

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Das Kraszewski-Museum Dresden steht vor dem Ende.

Quelle: Archiv

Völlig vor den Kopf gestoßen fühlte sich Wolfgang Howald, der Vorsitzende Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen (DPG), als er die Botschaft erhielt. „Für mich kommt diese Nachricht sehr überraschend“, so Howald, der sich mit seinem Verein für den Austausch beider Nationen einsetzt und im Museum an der Neustädter Nordstraße seinen Vereinsitz hat.

Zusammen mit den Museen der Stadt Dresden, dem Betreiber des Museums, und dem Verein Polonia-Dresden habe man wie von der Stadt gewünscht an einem Folgekonzept gearbeitet, nachdem im vergangenen Jahr alle polnischen Exponate an Polen zurückgegeben werden mussten. Auch die Zusage zu einem Gespräch mit der Stadt habe man laut Howald gehabt. Dies sei jedoch nie zustande gekommen. „Die Stadt hat überhaupt nicht geprüft, wie es weitergehen könnte“, ist er überzeugt. Pläne für eine Begegnungsstätte- und Tagungsstätte sind jetzt mehr als fraglich. Dabei biete das ehemalige Wohnhaus des polnischen Schriftstellers eine einmalige Authentizität und das passende Flair hierfür.

Auch die Stadtratsfraktionen der Grünen und der Linken reagierten mit Unverständnis. Konstatiert habe Grünen-Stadtrat Torsten Schulze nach eigenen Angaben den Plan der Stadt zur Kenntnis genommen. „Ich habe seit dem vergangenen Jahr immer wieder bei der Stadt nachgefragt, ob an Folgelösungen gearbeitet werde“, so Schulze gegenüber DNN-Online. Der Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) habe jedoch keine Initiative gezeigt. „Der Vorschlag ist ein Schlag ins Gesicht der deutsch-polnischen Beziehung und eine Bankrotterklärung der Tatenlosigkeit des Kulturbürgermeisters“, teilte er am Mittwoch mit. Zwar könne er die schwierige Situation mit dem leerstehenden Haus verstehen, trotzdem wünsche er sich eine Ausstellung über den direkten Nachbarn.

Die Linke kritisierte das geplante Ende des Museums ebenfalls. „Die Linke bedauert die baldige Schließung des Museum, denn zusätzliche 27.000 Euro, die für die Wechselausstellungen im Kraszewski-Museum notwendig sind, wären finanzierbar“, sagte Stadträtin Annekatrin Klepsch, die Mitglied im Kulturausschuss ist. Die endgültige Schließung ist jedoch noch nicht besiegelt. Zunächst müsse der Stadtrat hierüber entscheiden. Eine entsprechende Vorlage hat die Stadtverwaltung nach Schulzes Kenntnisstand allerdings noch nicht vorgelegt. „Hier kommt es auf die CDU-Fraktion an“, kündigte Wolfgand Howald an, der das Gespräch mit den Fraktionen suchen möchte.

Christia Müller, CDU-Stadträtin und Mitglied im Kulturausschuss, bemängelte an dem Museum die niedrigen Besucherzahlen. „Das Interesse der Bevölkerung ist nicht so groß", sagte sie und seitdem die Ausstellungsinhalte abgezogen wurden, fehle es an der Ausstellungsgrundlage. Dabei stellte sie klar, dass sie sich einem Folgekonzept nicht verwehren wolle. Nur fehle genau jenes, das unter Umständen auch Vergleichswerte aus anderen Städten enthalte.

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Die Ausstellung "Polen aus freier Wahl" ist bis zum 15. Juli im Kraszewski-Museum zu besichtigen.

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Auch die FDP-Fraktion tendiert für eine Schließung, wie FDP-Stadtrat Steffen Hintze auf Anfrage mitteilte:

„Eine Schließung des Kraszewski-Museums ist sehr bedauerlich, aber nach dem Abzug aller Exponate ist die Schließung des Museums eine logische Konsequenz, der wir ins Auge sehen müssen. Die kostspielige Weiterentwicklung des Hauses scheint uns in der aktuellen Haushaltslage kein gangbarer Weg zu sein.“ Bei der SPD-Fraktion war man sich am Mittwoch zu dem Thema noch nicht einig, die Bürgerfraktion zunächst nicht zu erreichen.

Im Dezember 2011 hatte das Land Polen fast alle in Dresden ausgestellten Exponate zurückgezogen. Grundlage dafür war ein polnisches Gesetz, nach dem polnische Kulturgüter, die älter als 50 Jahre sind, nur noch maximal fünf Jahre im Ausland ausgestellt werden dürfen. Die Stadt Dresden begründete den jetzt vorgelegten Plan mit den zu hohen Umbaukosten von rund 70.000 Euro.

Dominik Brüggemann

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