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Georg Zeppenfeld: „Das ist so über mich hereingebrochen“

Bayreuth Georg Zeppenfeld: „Das ist so über mich hereingebrochen“

Der große Star der Bayreuther Festspiele heißt in diesem Jahr nicht Klaus Florian Vogt, sondern Georg Zeppenfeld. Der gebürtige Westfale, der seit 2001 an der Dresdner Semperoper ist, wird für seine Interpretation des Gurnemanz im „Parsifal“ von der Fachwelt gefeiert - und darüber ist der 49-Jährige erleichtert.


Quelle: Festspiele Bayreuth

Dresden. Der große Star der Bayreuther Festspiele heißt in diesem Jahr nicht Klaus Florian Vogt, sondern Georg Zeppenfeld. Der gebürtige Westfale, der seit 2001 an der Dresdner Semperoper ist, wird für seine Interpretation des Gurnemanz im „Parsifal“ von der Fachwelt gefeiert - und darüber ist der 49-Jährige erleichtert, wie er im Interview der Deutschen Presse-Agentur sagt. Darin verrät er auch, welcher Dirigent ihn an der kurzen Leine hält.

Gurnemanz im „Parsifal“, Hunding in der „Walküre“, König Marke im „Tristan“ - Sie machen unglaublich viel dieses Jahr bei den Bayreuther Festspielen.

Ja, das ist so über mich hereingebrochen. Natürlich ist das auch eine körperliche Herausforderung. Man muss auf einem gewissen Level bleiben, die Spannung halten, und es gibt sicherlich zwischendurch auch Tage, an denen man richtig müde ist. Aber ich bin ja nun auch kein Anfänger mehr und kann das einschätzen. Bisher habe ich da noch keine Probleme. Am schwierigsten war es gegen Ende der Proben, als die Orchesterproben so dicht aufeinander saßen. Aber das ging alles. Der Hunding, der nachträglich dazu gekommen ist, ist ja auch keine so umfängliche Partie. „Tristan“ und „Parsifal“ kommen zwar öfter hintereinander, aber in der Reihenfolge geht es auch eher als umgekehrt. Der Gurnemanz im „Parsifal“ ist ja die entschieden größere Partie. Danach braucht man schon mal einen Tag wirklich Pause.

Sie sind ja nicht das erste Mal in Bayreuth, dieses Jahr aber spricht jeder über Sie und Ihre Leistung. Überrascht Sie das?

Der Gurnemanz ist natürlich eine der zentralen Bass-Partien des Repertoires für einen seriösen Bassisten, und es bringt einem natürlich eine besondere Präsenz in der Öffentlichkeit, wenn man das hier an diesem Ort singen darf. Insofern habe ich schon damit gerechnet, dass ich besonders kritisch beäugt werde. Und wenn es dann gut ausgeht und ein großer Erfolg wird, dann freut man sich und ist auch entsprechend erleichtert.

Sie arbeiten in Bayreuth derzeit mit drei verschiedenen Dirigenten - Hartmut Haenchen dirgiert „Parsifal“, Marek Janowski den „Ring“ und Christian Thielemann den „Tristan“. Haben Sie einen Favoriten?

Von einem Favoriten würde ich da gar nicht sprechen, aber es gibt bei Dirigenten natürlich große Unterschiede. Es gibt Dirigenten, die sehr stark führen, und wenn das jemand ist wie zum Beispiel Herr Thielemann, dann habe ich gelernt, mich auch führen zu lassen, weil die Qualität seiner Ergebnisse das einfach rechtfertigt. Man lernt so wahnsinnig viel. Ich singe den Marke schon länger, aber Thielemann hat mir in der Arbeit, die ich letztes Jahr noch als sehr mühsam empfunden habe, weil es eine sehr kurze Leine war, an der man während der Proben geführt wurde, sehr viel beigebracht. Es hat schon ein bisschen Selbstbeherrschung gekostet, sich dem zu unterwerfen, aber das Ergebnis war so gut, dass ich im Endeffekt sagen muss, dass ich dankbar für dieses Erlebnis bin und sehr viel mehr verstanden habe über diese Figur. Es war also gerechtfertigt, die eigenen Ambitionen zurückzustellen und einfach mal zu folgen. Auf der anderen Seite ist es aber auch schön, mehr Freiheiten zu erleben, wie es zu Beginn dieser „Parsifal“-Produktion mit Andris Nelsons war - wenn man sich wortlos oder mit wenigen Blicken verständigt und auch zu einem guten Ergebnis kommt. Die Arbeit fühlt sich dann ganz anders an. Jede Art, zu arbeiten, hat ihre Vor- und Nachteile. Ich bin froh über die Mischung.

Wie schwer war es, sich im „Parsifal“ so kurzfristig von Andris Nelsons auf Hartmut Haenchen umzustellen? Geht das so einfach?

Es geht, aber es geht nicht einfach. Die Frage ist, ob man einen Dirigenten verstehen kann, und das war mit Herrn Haenchen relativ unkompliziert möglich - glaube ich. Ich hoffe, seine Meinung ist da nicht grundlegend anders als meine. Am Anfang musste ich wahnsinnig viel auf ihn schauen, aber inzwischen habe ich mir Stellen zurechtgelegt, an denen ich hinsehe, und kann schon viel mehr spielen. Seine Auffassung ist eine ganz andere als die von Andris Nelsons. Er geht eher kognitiv gesteuert an die Musik heran; Andris` Zugriff ist intuitiver, er kommt aus dem Bauch.

Sind Sie manchmal traurig, dass Ihnen als Bass die großen Titelrollen in Wagners Opern verwehrt bleiben?

Eigentlich nicht. Jede Aufgabe stellt ihre Ansprüche. Auch wenn eine Figur vielleicht nicht ständig im Zentrum der Handlung steht - wie meine erste Bayreuther Rolle, der Heinrich im „Lohengrin“ - ist es Aufgabe des Darstellenden, der Figur immer einen Sinn zu geben. Für mich ist es in dem Moment die Hauptfigur. Langweilige Opernpartien gibt es, glaube ich, ganz wenige.

Ist Bayreuth für Sie etwas Besonderes?

Ja. Erstmal ist es von den Festspielstätten, die bedeutend sind und an denen ich gerne singe, diejenige, die am nächsten an Dresden gelegen ist. Wenn man hier mal zwei probenfreie Tage hat, ist man zackzack in Dresden. Und wenn man gerne Wagner singt - und ich singe gerne Wagner - ist das hier einfach der authentische Ort.

Der aus dem westfälischen Attendorn stammende Sänger war nach seinem ersten Staatsexamen von 2001 bis 2005 festes Ensemblemitglied an der Semperoper Dresden. Hier war er unter anderem in Partien wie Figaro und Bartolo („Le nozze di Figaro“), König Filippo II. („Don Carlo“) oder Banco („Macbeth“) zu hören. Heute gastiert er an den großen Opernhäusern Europas. Im Jahr 2002 sang er erstmals bei den Salzburger Festspielen, 2012 gastierte er dort als Sarastro („Die Zauberflöte“) unter Nikolaus Harnoncourt. In der Spielzeit 2015/16 gab er in Dresden sein Rollendebüt als Baculus in der Neuinszenierung „Der Wildschütz“. Der 49-jährige lebt mit seiner Familie heute in Dresden.

Von Britta Schultejans, dpa

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