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Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden über die Zukunft der Museen

Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden über die Zukunft der Museen

Eine Keynote bezeichnet einen herausragend präsentierten Vortrag eines prominenten Redners. Wenn das stimmt, was Wikipedia erklärt, dann muss man zweierlei konstatieren: Hartwig Fischer ist ein prominenter Redner, zumindest eine wichtige Erscheinung - und er hat einen herausragenden Vortrag präsentiert.

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Hartwig Fischer

Quelle: Matthias Hiekel

Seine Eröffnungsrede auf der gestern von der FAZ in Berlin veranstalteten Konferenz "Museum reloaded?" jedenfalls hatte es in sich.

Die Themen für die Konferenz bergen für den Museumsbetrieb einigen Sprengstoff - oder weniger salopp ausgedrückt: viel Gesprächsbedarf. Welche neuen Herausforderungen müssen sich Museen im 21. Jahrhundert stellen? Wie können die Museen ihrer Aufgabe, Kunstgeschichte jenseits von ökonomischen Interessen zu definieren, unter dem Druck öffentlicher Mittel, aber auch unter der steigenden Einflussnahme privater Sammler nachkommen? Wie steht es um die Verantwortung der öffentlichen Hand, Museen finanziell auszustatten, dass neben Betrieb und Ausstellungspflege auch die Sammlungspflege möglich ist?

Wer eingangs in der Keynote eine unmittelbare Antwort auf all diese Fragen erwartet hat, der irrt, der kennt Hartwig Fischer nicht besonders gut. Der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden versteht es exzellent, sein Publikum einzufangen, mit deutlichen und zugleich fast poetischen Sätzen wie "Kunstwerke im Museum sind Überlebende, sie sind wehrlos, sie haben ihre Welt verloren. Das Museum gewährt ihnen Gastfreundschaft, gibt ihnen Zeit, es trägt die Zeugnisse vieler Epochen durch Fährnisse und Katastrophen. Und es verwandelt sie."

Wer in den letzten Wochen die Rekordergebnisse bei Christie's verfolgt hat, konnte schon angesichts der Rekordsumme von 142 Millionen Dollar für ein Triptychon des irischen Malers Francis Bacon erschrecken. Schnell stehen dann Fragen im Raum: Welche Zukunft haben noch die öffentlichen Einrichtungen, wenn private Sammler nur in ihre Portokasse greifen und somit unter Umständen auch Weichen für die museale Zukunft stellen?

Fischer sorgt sich darüber nicht. Ihn treibt anderes um. "Das Museum hat einen langen Atem. Das Museum ist nicht nur Teil de Globalisierung, es ist Akteur der Globalisierung", und das seit Jahrhunderten. Fischer stellt eher die Frage, was den Werken geschehe, "die in Kulturen entstanden, die kein Museum kannten, den Werken, die nicht ins Museum wollten, den Werken, die unter der Macht und dem, Zwang des Kolonialismus enteignete und in das Museum eingebracht wurden?"

Diese Fragen versteht Fischer ganz offensichtlich auch als Haltung. Die weltweit wichtigsten Museen, so er, stünden in wirtschaftlichen Zentren, in den Städten der potenten Länder,. Sie seien Teil der Ungleichheit im Prozess der Globalisierung: "Wir sprechen von der kosmopolitanen Welt, vom Dialog. Und wir sprechen von Geld und von Macht, von Marken, Tourismus, Zahlen, Ausbeutung, Konkurrenz, Zerstörung. Die Kunst ist Teil der globalen Bewegungsdynamisierung geworden, sie reist durch die Welt, und wir reisen zu ihr."

Fischer fragt sich nicht wirklich, welches größere Museum früher oder später den teuren Francis Bacon erhalten wird, er ahnt nur eins: Es wird es kein europäisches Museum sein. Wie aber können sich dann europäische Museen behaupten? Da wird Fischer fordernd. "Die europäischen Museen werden auf öffentliche Finanzierung nicht verzichten können, auch in den sogenannten Zeiten knapper werdender öffentlicher Mittel. Aber sie werden zunehmend auch Spenden von Privaten, Sponsoren und Unterstützung durch öffentliche und private Stiftungen einwerben und die eigenen Einnahmen steigern", sagt er. Und macht gleichzeitig deutlich: "Dafür sind sie oft noch nicht ausgestattet, es fehlt an Erfahrung, Manpower, Methoden."

Konferenzen wie diese sind eine wichtige Möglichkeit, Vertreter von Museen, Sammlungen, Stiftungen und Wirtschaft zusammenzubringen. Die aus der Politik waren leider nicht dabei. Wären sie es gewesen, dann hätten sie von Hartwig Fischer auch gehört, dass Museen in Deutschland chronisch unterfinanziert seien: "Viele der Mitarbeiter, die in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden arbeiten, beuten sich aus Leidenschaft für die Kunst selbstlos aus. Das aber darf kein Dauerzustand sein. Das wird gefährlich - für die Menschen und für das Museum." So deutlich fallen manchmal Sätze. Nur gehört werden müssen sie noch, von den Verantwortlichen - in Dresden, in Deutschland und anderswo.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.11.2013

Amely Clemens

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