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Gemütliche Reise: Herman van Veen begeisterte seine Fans in der Jungen Garde in Dresden

Gemütliche Reise: Herman van Veen begeisterte seine Fans in der Jungen Garde in Dresden

Mit Regencapes und Regenschirmen harrten die Besucher in der Jungen Garde aus, doch trotz ungemütlichen und kalten Wetters konnte man in viele beseelte und lächelnde Gesichter blicken.

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Herman van Veen berührte sein treues Publikum in Dresden.

Quelle: Dietrich Flechtner

Das Glück hatte dabei einen ganz bestimmten Namen: Herman van Veen. Vergnügt wie eh und je sprang der Niederländer auch mit 68 Jahren munter über die Bühne, zauberte oder begeisterte mit einer Steppeinlage. Nur einer fehlte, wie den langjährigen Herman-Fans sofort auffiel. Nirgendwo war der gleichaltrige Pianist Erik van der Wurff zu sehen, mit dem van Veen seit 50 Jahren rastlos auf den Bühnen der Welt unterwegs ist. "Erik ist im Krankenhaus. Wir hoffen, dass er in zwei Wochen wieder mit dabei ist", klärte van Veen die Fans auf.

Und irgendwie passte diese Nachricht auch zum musikalischen Programm, das überwiegend aus Liedern seiner aktuellen CD "Für einen Kuss von Dir" bestand. Schließlich singt Herman van Veen nicht nur von der heilen Welt ohne Probleme, sondern mit viel Gefühl auch von den menschlichen Tragödien und Abgründen, von Krankheit und Tod. Um seine Geschichten zu erzählen, geht er zuweilen ungewöhnliche Wege. So übernimmt er das aus der Kirche bekannte Kyrie eleison (Herr, erbarme dich) und kreiert sein ganz eigenes Gebet. Darin berichtet er von Großmüttern in der Abstellkammer, vom Lehrer ohne Chance zu unterrichten oder von in Kellern gefangenen Kindern. Aktuelle Themen also, die in den Songs zwar nur angedeutet werden, bei denen aber trotzdem jeder genau weiß, was gemeint ist.

Emotional sind van Veens Konzerte jedoch nicht nur wegen der Themenauswahl eine Achterbahnfahrt. Auch die sensible Art und Weise, wie er elegant von einer euphorischen und freudestrahlenden Situation hin zu Trauer und Melancholie wechselt, gehören zu seinen Markenzeichen. So erzählt er von wunderschön blühenden Blumen, die hübsch anzusehen sind, um die Idylle gleich im nächsten Moment wieder vergehen zu lassen und ihr Verwelken als Metapher für Tod und Krankheit zu nutzen. Auch die Geschichte von Gudrun, seiner ersten Freundin, gehört in diese Kategorie.

In Dresden kam diese Mischung an. Von der ergrauten Großmutter über die Teenagerin im Punkeroutfit mit buntem Haar bis hin zur Familie mit zwei Kindern waren in Publikum alle Altersgruppen vertreten. Und die gingen auch nicht nach Hause, als es nach der Pause immer stärker regnete. Im Gegenteil. Wie Herman van Veen selbst anmerkte, wurde es mit Einsetzen der Dämmerung zusehends gemütlicher.

Natürlich ließen ihn die Fans nicht ohne Zugabe von der Bühne. Einen Song, in dem er über die Freundschaft singt, die man nicht vergisst, widmete er seinem kürzlich verstorbenen Freund Georges Moustaki. Den Höhepunkt und Abschluss des Abends bildete die Herman-Hymne schlechthin: "Ich hab' ein zärtliches Gefühl", mit der er vor 40 Jahren in Deutschland bekannt wurde. Obwohl Herman van Veen eigentlich keine alten Lieder spielt, konnten ihn seine Dresdner Fans überreden, den Klassiker doch noch anzustimmen. Und das blieb nicht ohne Wirkung. Während es zuvor der Regen war, der die Augen der Besucher feucht werden ließ, kam das Wasser nun von anderer Stelle: Manchem fiel es schwer, die eine oder andere Träne zu unterdrücken.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.05.2013

Stephan Hönigschmid

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