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Gekürzt, aber gut: "The Messiah" zum neuen Jahr in der Frauenkirche

Gekürzt, aber gut: "The Messiah" zum neuen Jahr in der Frauenkirche

In der Dresdner Frauenkirche begann das neue Jahr mit Händels "Messias" in der englischen Version. Ludwig Güttler hatte energisch den Rotstift angesetzt und das Original auf knapp zwei Stunden Aufführungsdauer zusammengestrichen, leichter verdaulich für das zumeist touristische Publikum in der voll besetzten Kirche.

Das ist aber auch schon der einzige wirkliche Kritikpunkt an einer sonst sehr gut gelungenen Wiedergabe.

Güttlers interpretatorischer Ansatz verzichtet völlig auf den so oft erlebten, dicken Repräsentationspathos und undurchdringliche Klangmassen. Gut so! Ausgewogen in den Proportionen, deklamatorisch beweglich und rhythmisch präzise - dies avancierte zur Grundlage für eine eher schlichte, dafür inhaltlich und gestalterisch in die Tiefen des Werkes vordringende Interpretation. Die mit fein austarierter Delikatesse aufspielenden Virtuosi Saxoniae - in kleiner Besetzung - waren ihm auf diesem Wege ideale Partner. Sie verströmten Bläserglanz und ließen einen geschmeidigen Streicherteppich entstehen, nannten eine klug akzentuierende Continuo-Gruppe ihr Eigen. Es gab keine Ausfälle auf den einzelnen Orchesterpositionen.

Den Hallenser Madrigalisten begegnete ich seit längerer Zeit einmal wieder. Sie stehen jetzt unter der Leitung von Tobias Löbner, haben sich verjüngt und hörbar an Qualität gewonnen, geadelt durch besonders leuchtkräftige Soprane. Die Kammerchorbesetzung erwies sich für die akustischen Verhältnisse des Raumes und für Güttlers Konzeption der Detailgenauigkeit und Nachvollziehbarkeit der Strukturen als genau richtig. In solchen Chornummern wie "And he shall purify" und "His yoke is easy" leisteten die Hallenser Madrigalisten auf der Grundlage einer sensiblen Klangkultur ganz Beachtliches.

Durchgehende Freude auch bei den Solisten. Mit seinem schlank geführten, hellen Tenor überzeugte Marcus Ullmann erwartungsgemäß, auch wenn er sich in der reich kolorierten Arie, die die Ankunft des Herrn verkündet, "Every valley", noch zurückhielt. Wie die leibhaftige mater dolorosa sang Annette Markert ihre Altarie "He was despised" mit intensivem Ausdruck. Die Sopranistin Barbara Christina Steude präsentierte sich in stimmlicher Hochform, glasklar, mühelos, wofür die gefürchtete "Rejoice"-Arie oder die an Innigkeit nicht zu überbietende Arie "I know that my redeemer liveth" als Beispiele genannt seien. Mit ebenso profund-kerniger wie flexibler Stimme und großer Händel-Erfahrung nahm sich Andreas Scheibner der Basspartie an. Wenn er mit Macht die große D-Dur-Arie "The trumpet shall sound" anstimmt, meint man wirklich, die Trompeten des Jüngsten Gerichts zu hören. Ein Höhepunkt der Aufführung!

M. Hanns

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.01.2012

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