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Geiger John Holloway: "Es ist der Musiker, der zählt, nicht das Instrument!"

Geiger John Holloway: "Es ist der Musiker, der zählt, nicht das Instrument!"

November sind die "Konzerte in der Schlosskapelle" ab 14 Uhr mit einem Bildungstag im Großen Saal der Hochschule für Musik Dresden zu Gast. Ergänzt von Vorträgen, steht die Gesamtaufführung der "Mysterien-" bzw.

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Der Geiger John Holloway

Quelle: Mirko Joerg

Am 19. "Rosenkranzsonaten" von Heinrich Ignaz Franz von Biber im Mittelpunkt. Mit dem Solisten John Holloway, Barockgeiger und Professor an der Dresdner Musikhochschule, sprachen die DNN im Vorfeld über das außergewöhnliche Projekt.

Frage: Obwohl die "Mysteriensonaten" Bibers nicht unbekannt sind und in Teilen auch in Dresden relativ oft erklingen, ist ihre Gesamtaufführung an einem Tag äußerst selten und war auch hier so noch nie zu erleben. Warum wird der Zyklus fast nie komplett gespielt?

John Holloway: Der gesamte Zyklus hat eine reine Spielzeit von etwa zwei Stunden, ist aber im Konzert nicht einfach zu realisieren. Aus musikalischen und praktischen Gründen spiele ich die Sonaten mit Zwischenmusik und teile die Aufführung in drei Abschnitte. Diese praktischen Gründe haben mit den "Scordaturen", das heißt, mit dem Umstimmen der Violine zu tun. Normalerweise ist eine Violine in Quinten gestimmt, Biber verlangt für die insgesamt 16 Sonaten jedoch 15 unterschiedliche Stimmungen, die zum Teil wirklich extrem sind und die Saiten unter sehr unnormale Spannungen bringen. Ich kann daher nicht mit einem Instrument spielen, sondern benötige für die Aufführung gleich vier Instrumente. Außerdem verlangt die Interpretation ein außergewöhnlich hohes Maß an Konzentration.

Abgesehen von diesen technischen Schwierigkeiten und virtuosen Ansprüchen, gelten die Mysteriensonaten auch als Werk von großer emotionaler Tiefe. Was bedeutet das für Sie als Interpret? Was können die Zuhörer an Eindrücken aus einem solchen Konzert mitnehmen?

Seit meiner ersten Begegnung mit den Sonaten in den 1980er Jahren haben sie mich immer wieder sehr intensiv berührt. Gerade die pure Einfachheit und Bibers charakteristische melodische Figuren sprechen die Menschen sehr direkt an. Konzertbesucher haben mir oft bestätigt, dass man beim intensiven Zuhören eine Zeitlang in eine andere Welt abtauchen kann. Ich hoffe, diese Wirkung gelingt uns auch am 19. November.

Sie haben sich für diese Aufführung nicht nur einen neutralen Aufführungsort gewünscht, sondern auch die Einbindung in einen Bildungstag mit ergänzenden Vorträgen angeregt. Warum keine Kirche als Konzertort? Warum nicht nur Musik, sondern auch Textbeiträge?

Es gibt ja seit wenigen Jahren den wundervollen Großen Saal in der Hochschule. Bislang habe ich ihn allerdings "nur" als Dirigent bzw. als Zuhörer erlebt, wollte aber schon immer selbst da spielen. Gerade für so ein Konzert wie unseres bietet der Saal hervorragende akustische Möglichkeiten. Die "Mysteriensonaten" haben zwar einen geistlichen Hintergrund und wurden für eine sogenannte Rosenkranzbrüderschaft geschrieben. Deren Mitglieder haben sich aber oft in säkularen Räumen versammelt, nicht unbedingt in Kirchen, und zu ihren Treffen gehörten vor allem auch Gespräche und Reden - Bildung eben. Wir probieren mit unserem Bildungstag, eine Version für das 21. Jahrhundert zu inszenieren.

Sie treten am 19. November in jener Rolle auf, in der man Sie in der internationalen Musikwelt kennt und schätzt: Als Virtuose auf der Barockgeige. In Dresden unterrichten Sie dagegen seit zwölf Jahren als Professor für moderne Violine. Was verbindet diese beiden Seiten Ihrer Arbeit? Was trennt sie?

Die Barockgeiger meiner Generation kommen alle von der modernen Geige. Ich selbst habe erst mit 24 Jahren mein erstes barockes Instrument gespielt. D.h., ich habe einen ganz konventionellen Hintergrund - mit fünf Jahren angefangen, Studium, internationale Wettbewerbe und dann der Sprung in die reicher Londoner Musikszene der frühen 1970er Jahre. Dies alles kommt mir jetzt für meinen Unterricht auf der modernen Geige sehr zugute. Seit meiner ersten Begegnung mit der Barockvioline in 1973 habe ich mich aber als Spieler immer wohler auf Darmsaiten gefühlt. Ich hatte das große Glück, den "Early Music Boom" in London mitzugestalten und konnte auf historischen Instrumenten Repertoire von Spät-Renaissance bis Brahms aufführen. Für mich ist es selbstverständlich, dass sich jeder Musiker über unterschiedliche Stil-Arten informieren soll, schon allein aus dem praktischen Grund, dass immer mehr Orchester und Dirigenten dies erwarten. Natürlich ist es am Ende der Musiker, der zählt, nicht das Instrument - aber was man von dem passenden Instrument lernen kann, ist unersetzlich.

19. November, 14, 17 und 20 Uhr, Dresdner Musikhochschule: Biber: Die Mysteriensonaten - Bildungstag mit Konzerten und Vorträgen. John Holloway (Barockvioline), Marieke Spaans (Orgel und Cembalo); Prof. Dr. Michael Heinemann, Prof. Ludger Rémy, P. Clemens Maaß S.J. (Referenten)

Karten: DresdenTicket, Louisenstr. 11, Tel. 0351/8627390

www. dresdner-hofmusik.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.11.2011

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