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Gegengewicht zum allzu Kontrollierten - Yefim Bronfman spielte in der Dresdner Semperoper

Gegengewicht zum allzu Kontrollierten - Yefim Bronfman spielte in der Dresdner Semperoper

Man hätte es dem Pianisten Yefim Bronfman nicht verübeln können, wenn er nach dem dritten Telefongeklingel im Parkett der Semperoper den Deckel zugeklappt hätte und gegangen wäre.

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Einmal ist keinmal, heißt es allgemein. Der über allen spieltechnischen Schwierigkeiten stehende Musiker ließ sich nichts anmerken, doch man wurde den Eindruck nicht mehr los, dass er im ersten Teil des Programms das eigene Interesse am tiefen Ausloten der Stücke fast aufgab. Dabei war dieses Programm schon in seiner Anlage eine Zeitreise durch die Geschichte der Klaviersonate und als solches überaus spannend zusammengestellt.

Das behutsame Hintropfen des Themas von Haydns Sonate C-Dur (Hob. XVI:50), die immer größere Verdichtung der Stimmen, sprachen am Beginn von einer gewitzten Sicht auf den ersten Meister des Genres. Klarheit beherrschte die drei Sätze ebenso, wie eine gelöst verspielte Leichtigkeit. Und es gab nichts von Rokoko, das Haydn gern angedichtet wird. Über Brahms' Sonate Nr. 3 f-Moll op. 5 dann hing fast durchgängig eine Zurückhaltung, die dem dichten, nachdenklichen Werk nicht entsprechen wollte. Alle dynamische Bewegung, jeder Anschlag wirkte in der Genauigkeit kalkuliert, selbst die große Dimension der gesamten Anlag dieser Sonate bekam einen wie geplant wirkenden Rahmen, der spontane Regungen oder eine den Zuhörer ergreifende Energie ausschloss. Erst im Intermezzo gestattete sich Bronfman einen wirklich intimen Moment, einen Blick ins Innere des Stückes, um diesen ebenso plötzlich wieder zurückzunehmen. So blieb vom ersten Teil des Konzerts zunächst ein allenfalls überwältigender Eindruck des Könnens, aber kein inhaltlich überzeugender.

Mit der Sonate Nr. 8 B-Dur op. 84 von Prokofjew änderte sich dieses Bild nach der Pause beträchtlich. Endlich fand Yefim Bronfman zu einer Freiheit des Ausdrucks, die über den präzisen Vortrag hinausreichte. Aus dem vermeintlich Lyrischen des Kopfsatzes entsprang eine offengelegte Dramatik, die schroff und polternd auftreten durfte. Hinter der gefälschten Vergnügtheit des langsamen Satzes - die Sonate wurde während der ersten Kriegsjahre komponiert - gähnte hörbar die Leere einer unfassbaren Hoffnungslosigkeit. Die Motorik des Vivace hielt Bronfman unterschwellig. Aller Trotz ballte sich darüber, auch das wieder nur scheinbar eine Auflösung verheißende Finale blieb brachial und wild. Musikalisch überragend und mit donnerndem Applaus quittiert, war dieser zweite Teil das Gegengewicht zum allzu kontrollierten Spiel vor der Pause. Nicht weniger überzeugten die drei Zugaben.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.05.2013

Hartmut Schütz

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