Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 13 ° Regen

Navigation:
Google+
Gefühle im galaktischen Glitzerraum: Mozarts "Hochzeit des Figaro" an den Landesbühnen Sachsen

Gefühle im galaktischen Glitzerraum: Mozarts "Hochzeit des Figaro" an den Landesbühnen Sachsen

Mozarts "Die Hochzeit des Figaro" (1786) gehört zu jenen Opern, die scheinbar immer und überall laufen - egal ob an den großen städtischen Opernhäusern oder den kleineren Theaterbühnen in der Provinz.

Voriger Artikel
Alles, was Rang und Namen hat: Erstes Dresdner Bandstand-Musikfestival in Hellerau war ein voller Erfolg
Nächster Artikel
Stadt Dresden „überdämmt“ und kopiert Relief an Dresdner Kita

"Die Hochzeit des Figaro" an den Landesbühnen Sachsen mit Peter Schmuhl (Don Curzio), Miriam Sabba (Susanna), Hagen Erkrath (Bartolo) und Paul G. Song (Figaro) v.l.

Quelle: Hagen König

Die Geschichte vom gräflichen Kammerdiener Figaro und der Zofe Susanna, auf die der Graf Almaviva ebenfalls ein Auge geworfen hat, dreht sich um Leidenschaft, Eifersucht und die Dünkel der Obrigkeiten. Regisseurin Anja Sündermann hat das - dank der zahlreichen Nebenstränge so verworrene - Stück kunterbunt und bilderreich für die Landesbühnen Sachsen inszeniert. Der "Figaro" spielt hier, statt im typischen Brautzimmer mit Bett, Spiegel und Stuhl, auf einer riesigen, sehr futuristisch anmutenden Metallwelle, über der sich immer wieder ein großes, rotes Ufo auf- und absenkt. Überall in dem von Olga von Wahl gestalteten Bühnenbild glitzert und blinkt es silbern. Am Rande steht der Graf als Herrscher im langen Mantel, der das technische Gebilde mit einer Fernbedienung steuert.

Südermann inszeniert inhaltlich eng an der Vorlage, die Mozart und sein Librettist Lorenzo Da Ponte einst schufen, hebt das Ganze aber optisch erfrischend vom traditionellen Rahmen der Oper ab. Ihre Figuren sind von Emotionen getrieben, sie lieben, kämpfen und verlaufen sich im Strudel der Gefühle. Figaros Braut Susanna ist hier nur eine von drei Bräuten und bekommt von Miriam Sabba wahrhaft kämpferische Züge verliehen. Anfangs noch im liebesroten Ufo-Ring des Grafen gefangen, ergibt sie sich ihm im Duett im dritten Akt kurzzeitig, ohne jedoch ganz von ihrem Figaro abzulassen. Sabba meistert diese Partie - Susanna hat den größten Gesangspart der Oper überhaupt - souverän und beherrscht alle Farben von zart bis energisch. Paul G. Song ist passend dazu ein lässiger Figaro. In weißem Hemd und schwarzer Hose kommt er unbeschwert jugendlich daher und kann mit seiner kraftvollen Stimme überzeugen.

Die zweite Braut im Bunde ist Marcellina, die ebenfalls ein Auge auf Figaro geworfen hat, sich später jedoch als dessen Mutter entpuppt. In hohen, silbernen Glitzerstiefeln und weißer Corsage gibt Silke Richter diese sonst eher am Rand inszenierte Figur hier als mondänes Vollweib. Die Szene, in der sich zeigt, dass Figaro der Sohn von Marcellina und Bartolo (Hagen Erkrath) ist, gelingt urkomisch. Die Gräfin ist schließlich die dritte Braut. Stephanie Krone singt diese Partie gefühlvoll, brillant und wunderbar berührend. Den Kampf der langjährigen Ehefrau um das Herz ihres Gatten nimmt man ihr gern ab. Kazuhisa Kurumada ist dagegen eher ein distanzierter Graf, der lediglich in Susannas Nähe mal schwach wird und hier auch leisere Töne anschlägt.

Doch selbst die Gräfin ist den Vorzügen des Fremden nicht ganz abgeneigt. Der aufgeweckte Page Cherubino hat es ihr angetan. Patrizia Häusermann gehört in dieser Hosenrolle ganz sicher zu den großen Stimmen des Abends. Cherubino ist auch hier der sorglose Fixpunkt in der Inszenierung, taucht immer wieder auf, springt selbst mit Stöckelschuhen noch über die Kulissen und lässt sich von keiner noch so strengen Regel einfangen. Als bunter Gegensatz zu den Bräuten zeigt sich auch seine spätere Eroberung Barbarina (Laura Dittmann), die kurzberockt die Männerblicke auf sich zieht.

Dazwischen wuselt scheinbar immer und überall ein Chor, der mit seltsamen Mänteln und schwarzen Kappen bekleidet, wie ein Spähertrupp des Grafen erscheint und immer zur Stelle ist, wenn der mal nicht an seinem blinkenden Steuerrad steht. Überhaupt gibt es in dieser mit vielen neckischen Ideen garnierten Inszenierung überall etwas zu gucken. Das sonst häufig im "Figaro" gezeigte Türengeklapper - zum Zimmer rein, zum Zimmer raus, ins Versteck und wieder zurück - wird hier durch einen aufgeweckten Gemeinschaftstrubel ersetzt, was Kurzweil und auch viel Komik erzeugt.

Um das Spiel ein wenig zu straffen, mussten auch einige Rezitative gekürzt werden. Der musikalische Leiter Jan Michael Horstmann hat dafür flüssige Anschlüsse geschaffen und führt die Elbland Philharmonie Sachsen und das Ensemble am Premierenabend werkgerecht durch die Oper. Musik und Bühne gehen dabei - trotz des ungewöhnlichen Bildaufbaus - erstaunlich gut Hand in Hand. Einziges Manko dieses quirligen Spiels: Der eine oder andere Handlungsfaden kann dem Zuschauer in den bunten Treiben schon mal verlorengehen. Den Gesamteindruck trübt das aber keineswegs, und so bleibt der Abend als ungewöhnlich lebhafte und pfiffige "Figaro"-Version in Erinnerung.

Wieder: 18.10., 17.11. und 29.11. in Radebeul, 24.10. in Hoyerswerda, 9.11. in Neustadt. www.dresden-theater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.10.2013

Nicole Czerwinka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr