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Gefeiert wie Popstars: Abschied von Shanghai - die Staatskapelle Dresden reist weiter nach Peking

Gefeiert wie Popstars: Abschied von Shanghai - die Staatskapelle Dresden reist weiter nach Peking

Während die meisten Leser dieser Zeitung noch ausschlafen dürfen, ist die Sächsische Staatskapelle schon auf dem Weg von Shanghai zur letzten Station ihrer Asien-Tournee, nach Peking.

Sieben Stunden Zeitverschiebung machen es möglich, hier vom gestrigen Konzert zu berichten, das ganz erstaunliche Eindrücke hinterließ.

Erstaunlich, weil dieser Abend ebenso wie der vorgestrige im Grand Theatre der 15-Millionen-Metropole stattfand und trotz identischen Ortes enorme Unterschiede bot. Das 1998 eingeweihte Haus am Platz des Volkes, wo einst eine Pferderennbahn für Unterhaltung der Kolonisatoren sorgte, fasst in seinem Hauptsaal 1800 Plätze, die zweimal nahezu ausverkauft waren. Die restlichen Karten, steht zu vermuten, blieben in den Händen der Schwarzhändler, die das Haus lautstark umschwärmten und das teure Gut (Spitzenplätze für umgerechnet gut 200 Euro) ans Publikum bringen wollten. Erstaunlich aber auch, weil das Orchester am Dienstag mit dem Wagner- und Bruckner-Programm noch gegen die recht trockene Akustik anzukämpfen hatte, sich einen Tag später aber schon darauf einzustellen wusste und neben den Wagner-Ouvertüren und -Vorspielen vor allem eine phänomenale 1. Brahms-Sinfonie spielte. Da waren sie wieder ganz und gar musikantisch, die Staatskapelle Dresden und ihr Chefdirigent Christian Thielemann; musikantisch in sächsisch-böhmischen Sinn. Spielfreude aus dem Geist der Musik, Spontanität gepaart mit hoher Handwerklichkeit.

Was sich sofort auf das Publikum übertrug. War das Tags zuvor noch hörbar unkonzentriert und überging sogar die Seelentiefe in "Isoldes Liebestod" mit diversen elektronischen und rachitischen Nebengeräuschen, um in den letzten Ton von Bruckners Siebter ein offenbar just für diesen Moment aufgespartes "Bravo" zu gellen, so wirkte es gestern wie mitgerissen. Lauschte "Tannhäuser" und "Tristan", feierte "Rienzi" und wirkte nach dem wahrhaft berückenden Brahms ziemlich beglückt. Eigentlich schade, dass schon weitergereist wird.

Das Bedauern war am Sonntag in Taipeh nicht anders. Das Konzert in Taiwans Hauptstadt bot mit einer Außenübertragung vorm Chiang Kai-Shek Kulturzentrum ein Novum. Nach Tagestemperaturen von 30 Grad ließ sich ein überaus junges Publikum auch vom abendlichen Nieselregen nicht abhalten, den Platz zu füllen, um Wagner und Brahms zu hören und Staatskapelle und Thielemann frenetisch zu feiern. Als der Chefdirigent mit den beiden 1. Konzertmeistern der Geigen und einem Orchestervorstand mit kurzen Ansprachen dankten, wurden sie gefeiert wie Popstars.

Thielemann zeigte sich über den bisherigen Verlauf der Tournee hoch zufrieden: "Hier wächst zusammen, was zusammengehört. Ich habe mich mit dem Orchester von Anfang an gut verstanden. Jedes Mal wird es natürlicher, wir lernen uns immer besser kennen. Es ist eine unglaublich positive Stimmung", sagte er.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.11.2012

Michael Ernst

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