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Gedichte von Franz Hodjak, versehen mit Lithografien von Hubertus Giebe

Gedichte von Franz Hodjak, versehen mit Lithografien von Hubertus Giebe

Franz Hodjak, geboren 1944 im siebenbürgisch-rumänischen Hermannstadt (Sibiu) und seit 1992 in Usingen (Taunus) lebend, hat bis dato nahezu dreißig Bücher veröffentlicht - Romane, Erzählungen, Dramen, Kinderbücher, Aphorismen und vor allem immer wieder Gedichte.

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Hubertus Giebe. Figurine II blau, Lithographie, 2001.

Quelle: Repro: Buch

Sein neuer Gedichtband unter dem Titel "Der Gedanke, mich selbst zu entführen, bot sich an" ist soeben im Dresdner Verlag SchumacherGebler erschienen. Wie der Titel bereits vermuten lässt, werden all jene, die Franz Hodjak mit der Alltagsgroteske verbinden und ihn aus seinen Romanen als listig agierenden Überlebenskünstler in Erinnerung haben, vertrautes Gelände betreten können. Hodjaks ist ein Philosoph und Homo politicus, seine Texte variieren das Motiv der verkehrten Welt, der zusammengekrachten Wertgerüste, der weggestohlenen Zukunft und der ausgeträumten Illusion. All dies wird man wiederfinden, wenngleich die Sichten in ständiger Wandlung begriffen sind. War die Freiheit unter der Diktatur nur ein abstrakter Begriff, der die Vorstellungskraft beflügelt und Illusionen erzeugt hatte, ist sie nun für Hodjak ein mehr denn je zu hinterfragender Begriff. Im Gedicht "Wale" heißt es: "Freiheit ist, wenn man sich befreit von all dem, was man für Freiheit hält." Hatte das Wünschen früher noch geholfen, so konstatiert Hodjak heute: "Auch die Münzen im Springbrunnen hat die Krise erreicht, bis auf weiteres erfüllen sie keine Wünsche." ("Selbstportrait im Herbst")

Im "nachbiblischen Babylon" Hodjaks wird die alttestamentarische Eva zum Vorbild stilisiert - "Sie zog dem Glauben die Erkenntnis vor, selbst um den Preis der Vertreibung." ("Gedicht mit Apfel"). Und vorsorglich informiert uns Hodjak: "Was am Kirchturm angebracht wird, ist ein Blitzableiter, keine Antenne zu Gott." ("Ballade vom Wasser")

Nahezu jedes zweite Gedicht des Bandes trägt eine Widmung, eine Hommage Hodjaks an Freunde, vorrangig Künstler, deren Weg er "seit dem Fall der Mauer" kreuzte und die aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Das Gedicht "Unaufdringliche Spuren" etwa ist dem Dresdner Künstler und Freund Hubertus Giebe gewidmet. Darin heißt es: "In weitem Bogen holt er von der Sonne das Rot, in dem Liebe und Einsamkeit eng beieinander liegen. Unaufdringliche Spuren einer leicht großzügigen Hand, welche die Welt auch von hinten zeigt. Zug um Zug kommt uns etwas entgegen, das wir bloß ahnen, aber brauchen zum Leben."

Hier treffen sich zwei Freunde im Geiste. Auch Giebes Klage über "die Abdankung der Qualitätsgefühle" hinterfragt den Freiheitsbegriff ("Der geschliffene Elfenbeinturm"). Der theoretische Kunst-Megadiskurs, sagt Giebe, schwanke zwischen Trivialisierung und Heiligsprechung, zwischen bizarr verstiegenen Theorien des Absoluten und scheinheiliger Naivität. Das wird viel zu selten ausgesprochen und von den Kunstkritikern und öffentlichen Geldgebern eher verdrängt als thematisiert. Giebe ist Maler und kann nicht mehr tun, als dem geistigen Absturz des Kunstmarktes seine in jeder Hinsicht durchdachten Arbeiten entgegen zu stellen. Hodjak empfindet in Giebes Arbeiten eine Nähe zum eigenen Werk. Das Werk beider Künstler ist nicht nur eine kritische Auseinandersetzung mit dem Heute, sondern immer auch Rückkopplung auf den realsozialistischen Index, auf die "mühsam verdeckten stalinistischen Schädelstätten und linken Traumata", wie Giebe es im Kontext seiner "Geschichtsbilder" formuliert. Eine Zusammenarbeit ist insofern nur folgerichtig. Erstmals trifft sich Franz Hodjak in einem Gedichtband mit einem bildenden Künstler. Hubertus Giebes Farblithographien stehen kongenial neben Hodjaks Gedichten und bereichern den Band.

Es ist ein Verdienst des Herausgebers und Gestalters Manfred Richter, aus den Gedichten und Lithographien dieser beiden Künstler ein Gesamtkunstwerk geformt zu haben. Das verwendete Papier, die gewählte Schrift, der delikate Einband - keiner wird dieses Buch wieder hergeben wollen.

Franz Hodjak: "Der Gedanke, mich selbst zu entführen, bot sich an", Gedichte (mit 14 Farblithographien von Hubertus Giebe), Verlag SchumacherGebler, Dresden 2013. 100 Seiten, 22,50 Euro, ISBN 978-3-941209-28-0.

Franz Hodjak Fränkische Schweiz

Niemand probt den Ernstfall.

Niemand will wissen, was geschieht,

wenn er eintritt.

Jetzt

sind die Kreidefelsen das Event.

Man sieht den Bungee-Springern zu

oder springt selbst hinaus

aus der Weltgeschichte, den Katastrophen.

Man wandert

der Sprache aus dem Weg.

Während, abends, im Hotelzimmer

das Licht ausgeht,

geht vielleicht der Fuchs auf Jagd,

das geschieht lautlos, jenseits

von Moral, die sich ändert.

Im Traum

verläßt die Seele den Körper.

Wenn du aufwachst, weißt du

nicht, wo sie war.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2013

Axel Helbig

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