Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Gedenkkonzerte in Dresden mit der Philharmonie, der Staatskapelle und dem Kammerchor der Frauenkirche

Gedenkkonzerte in Dresden mit der Philharmonie, der Staatskapelle und dem Kammerchor der Frauenkirche

Die Konzerte zum Dresdner Gedenktag fanden bisher immer einen Kanon des Erinnerns und des Innehaltens in der Musik - oft wählten Dirigenten Requiem-Kompositionen, die in der Stimmung diese Haltung direkt vermitteln.

Voriger Artikel
Martin Helmchen spielt in Dresden das "Monstrum": Prokofjews 2. Klavierkonzert
Nächster Artikel
"Ich knie nicht!" - "Verschwörung des Fiesko zu Genua" im Dresdner Schauspielhaus

Das Konzert der Sächsischen Staatskapelle in der Semperoper mit Barbara Frittoli, Yosep Kang, Rinat Shaham und René Pape. Am Pult: Myung-Whun Chung.

Quelle: Matthias Creutziger

Chefdirigent Michael Sanderling dirigierte im letzten Jahr eine beeindruckende Aufführung von Dmitri Schostakowitschs 8. Sinfonie, die, 1943 entstanden, die Gefühle und den Irrsinn dieser Zeit musikalisch bündelt. Ähnlich verhält es auch mit der in diesem Jahr vorgestellten 11. Sinfonie g-Moll "Das Jahr 1905", wenngleich auf den ersten Blick die Brücke zum Gedenktag in Dresden schwer herzustellen ist.

Es sind historische Ereignisse und deren Reflektion zu verknüpfen, die in intensiver innerer Beschäftigung ein komplexes Geflecht ergeben, in dem politische, künstlerisch-biografische und emotionale Ebenen schwer zu trennen sind. Wenn der sich nach vielen Repressalien im sowjetischen Kulturleben rehabilitierende Komponist Schostakowitsch 1957 mit dieser Sinfonie als bekennender Patriot vorstellte, dafür den Leninpreis erhielt und wir heute am 13. Februar im Konzert sitzen und sich dieses monumentale, zuweilen kinematographisch direkte sinfonische Gemälde der - erfolglosen - russischen Revolution 1905 über uns ergießt, kann der Weg des Erinnerns kein direkter sein, sondern er schließt einen intellektuellen Nachvollzug ein.

Was die Musik äußert, ist von extremer Natur - Begriffe wie Aufbegehren und Widerstand, Niederschlagung, Trauer und Hoffnung ziehen sich wie ein Band durch die Sinfonie. Populär wurde sie zudem, weil Schostakowitsch darin etliche Volks- und Revolutionslieder verarbeitete. Es ist etwas wie eine fortwährende, in keine Richtung direkt erklärbare Gänsehaut, die Michael Sanderling mit der Dresdner Philharmonie mit diesem sinfonischen Urstrom über sechzig Minuten erzeugte. Fahle Bilder des ersten, unerhörte Wucht im Schlachtengemälde des zweiten Satzes verbinden sich mit wunderbaren Soli von Trompeten, dem Englisch-Horn und der Bratschengruppe, die im 3. Satz still zu singen beginnt. Für viele Zuhörer war dies eine extreme, möglicherweise kontroverse, hoffentlich bereichernde Hörerfahrung, wozu Max Regers Transkription von Bachs "O Mensch, bewein dein Sünde groß" die äußerst passende Einleitung darstellte.

Am Sonnabend wurde das Konzert mit geändertem Programm wiederholt - statt Reger wurde Sergej Prokofjews 2. Klavierkonzert gegeben. Der Artist-in-Residence Martin Helmchen näherte sich diesem großen viersätzigen und abwechslungsreich-virtuosen Konzert mit großer Klarheit in der Darstellung, gab sich weniger bärbeißig-trocken denn vor allem in den Ecksätzen der großbögigen Phrasierung kundig und überraschte mit einem weichen, melodischen Zugang, der auch im Orchester aufgenommen wurde - eine gewissermaßen entschärfte, aber insgesamt sehr schlüssige Interpretation, die großen Wert auf Klangfarben und klare Charakteristik in den Satzkontrasten legte. Die Klangfarben entfalteten sich auch im zweiten Durchgang der Schostakowitsch-Sinfonie noch einmal intensiver als am Vortag, und nachdem am Freitag nach dem Konzert die angemessene Stille eintrat, durften Sanderling und die Philharmoniker am Sonnabend den Jubel des Publikums entgegennehmen - Klangverständnis und Leistungsfähigkeit des Orchesters in Sanderlings Schostakowitsch-Aufführungen sprechen für eine unbedingte Fortsetzung.

von Wolfram Quellmalz

Vergleicht man Gioachino Rossinis "Stabat mater" mit Werken Schütz', Homilius' oder Bachs, kann man den Vorwurf, es sei zu wenig Kirchenmusik, sondern vielmehr opernhaft, nachvollziehen. In der Tat schwelgt das Werk in lebendigen Achteln und dramatischen Farben. Rossini wollte den Maßstab der Kirchenmusik aber auch gar nicht auf sich beziehen, deshalb stellt das Werk im Schaffen des Italieners auch eine Ausnahme dar. Es hat über weite Strecken einen klagenden Charakter, erzählt aber nicht nur vom Leid, sondern ist auch vom diesseitigen Leben erfüllt.

Die Leitung Gedenkkonzertes der Staatskapelle hatte Gastdirigent Myung-Whun Chung inne. Als Solisten waren Mezzosopranistin Rinat Shaham, Tenor Yosep Kang und René Pape (Bass) aufgeboten. Den Sopranpart hatte kurzfristig Barbara Frittoli übernommen. Die Vorbereitung des Opernchores hatte einmal mehr Jörn Hinnerk Andresen oblegen.

Die Lebendigkeit und das Fehlen andächtiger, inniger Passagen wurden an Rossinis "Stabat mater" immer wieder kritisiert. Myung-Whun Chung wirkte dem ausgleichend mit dem rechten Maß entgegen, dirigierte mit meist sparsamer Geste und betonte Innigkeit und Pausen, ohne das Werk zu zerdehnen oder den Zusammenhalt zu verlieren. Besonders eindrucksvoll gelangen die beiden à capella komponierten Sätze, hier vor allem der fünfte ("O du Mutter, Brunn' der Liebe-"), in dem der Chor der Männer, der Chor der Frauen, der Bassist oder der gesamte Chor abwechselten oder gemeinsam singen. Das war ergreifend, berührend, großartig! Hervorragend in Verständlichkeit und Ausdruck, dazu das beeindruckende Gestaltungsvermögen René Papes, bescherten ein trefflicher Opernchor und der Solist dem Publikum einen Höhepunkt dieses Abends!

Auch Rinat Shaham fiel durch eine goldene Klangfärbung auf und vermochte Innigkeit und Klage Leben zu spenden. Dem standen Yosep Kang und Barbara Frittoli nur wenig nach, und wenn Kang die noch zum Adventskonzert bewiesene Geschmeidigkeit der Stimme etwas abging oder - vielleicht durch den kurzfristigen Einsatz - Barbara Frittoli noch etwas dominierend und mit viel Vibrato aus dem Solistenquartett herausstach, so waren dies nur kleine Abstufungen, welche die Ausgewogenheit der Aufführung nicht ins Wanken brachten.

Die Staatskapelle fand unter Chungs Leitung stets den rechten, feinen, italienischen Ton. Auch hier viel Klage, aber auch - Leben.

von Mareile Hanns

Es mögen schwere persönliche Schicksalsschläge gewesen sein, die Antonín Dvorák 1876 veranlassten, sich mit dem Stabat mater zu befassen. Dem Schmerz der Gottesmutter um das Leiden und Sterben ihres Sohnes, wie es Inhalt der Marienklage ist, verlieh Dvorák eine - eigentlich - berührende, musikalisch eher lyrische Gestalt, die am Ende in die klanggewaltige Bitte um die Seligkeiten des Paradieses mündet. So richtig aufwühlend und anrührend geriet die Aufführung in der Frauenkirche aber nicht.

Wie immer forderte Matthias Grünert von seinem Kammerchor höchsten und absoluten Einsatz, stimmliche und gestalterische Präsenz. Und der Chor gab auch tatsächlich sein Bestes. Für eine wirklich überzeugende Interpretation des Werkes hätte es einer größeren Tragfähigkeit (vermutlich einer stärkeren Chorbesetzung) und sorgfältigerer Artikulation bedurft. Ungeachtet dieser grundsätzlichen Einschränkungen sind die ausdrucksstarke Deutung des an einen Trauermarsch erinnernden "Eja mater" sowie die sanfte Innigkeit des 7. Satzes "Virgo virginum" hervorzuheben. Mit Leidenschaft und unablässigem Bemühen um Klangschönheit arbeitete sich der Chor durch Dvoráks Werk und rief am Ende auch noch verbliebene, stimmliche Reserven für die strahlende Schönheit der "Paradisi gloria" ab.

Leicht machte es auch das Orchester, die Jenaer Philharmonie, den Ausführenden nicht. Ordentlich und solide widmete man sich seinem Part - aber eben auch häufig zu laut, zu wenig flexibel und intonationssicher.

Bei der Qualität des Soloquartettes schlägt die Waage eindeutig auf die Seite der Herren aus. Martin Petzold und Klaus Mertens haben schon so viele oratorische Schlachten geschlagen, können sich ohne Wenn und Aber auf ihre stimmlichen und gestalterischen Fähigkeiten verlassen, dass auch dieser Dvorák bei ihnen in guten und zuverlässigen Händen war. Da konnte nichts schief gehen. Energisch nahm sich Anna Haase der Altpartie an - wäre ihre Stimme nur weniger scharf gewesen, hätte sie ein wärmeres Timbre aufweisen können. Die Sopranistin Susanna Martin war - bei allem spürbaren Engagement - mit ihrer eher kleinen, kaum durchschlagskräftige Stimme für Dvoráks Stabat mater einfach nicht geeignet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.02.2015

Alexander Keuk

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr