Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Google+
Gedenkkonzert mit dem Dresdner Kammerchor

Gedenkkonzert mit dem Dresdner Kammerchor

Der Dresdner Kammerchor unter Leitung Hans-Christoph Rademanns stellte das Gedenken an die Novemberprogrome vor 77 Jahren in den Mittelpunkt seines Konzertes zum 30. Chorjubiläum in der St. Michaeliskirche Bühlau.

Dresden. Werke Karl Amadeus Hartmanns, Francis Poulencs und Heinrich Schütz' verliehen den Begriffen des Friedens, der Freiheit und damit der Menschenwürde essenzielle Bedeutung - für unsere Gegenwart.

Hartmanns "Friede anno 48" greift einen Text von Andreas Gryphius zum Ende des Dreißigjährigen Krieges auf. Für die Kantate hatte man die Sopranistin Johanna Winkel sowie den Pianisten Philip Mayers verpflichtet. Das Werk beginnt mit beiden, die sich in den Strophen zunächst mit dem Chor abwechseln, nach und nach werden die Übergänge fließender. Der Text lenkte auf Kriegsleid, Gräuel und Tyrannei, gibt aber am Ende der Hoffnung auf Frieden Ausdruck: "-dass ich der handvoll Jahre | Froh werd eins vor meiner Bahre". Hartmann hat ihn in teilweise grellen Farben umgesetzt, eindringlich und vibratoreich vorgetragen von Johanna Winkel, die ebenso Ausdruck für das Entsetzen fand, wie sie mit Klarheit und Hoffnung berührte. Die Texte des Chores sind teilweise deklamatorisch vorzutragen, aber auch mit Wiederholungen und versetzten Stimmen ausgestaltet, besonders beeindruckend in der dritten Strophe "Liebe ist-", die mit den Männerstimmen beginnt. Der Kammerchor zeigte sich als Chronist, schuf eine dichte, düstere Atmosphäre. Und wenn der Mensch beispielsweise um Erlösung und Umkehr suchend "Liebe schreit", so wurde dies auch als Schrei erfahren.

Noch greller ist die Musik Poulencs zu Gedichten Paul Éluards, der aber schon im Text vom "hässlichsten Frühling" spricht. Nachdem "Figure humaine" den Krieg zunächst apokalyptisch darstellt, kulminiert das Werk in einem 21 Verse langen Bekenntnis zur Freiheit, die - Inbegriff der Menschlichkeit - auf alles zu schreiben ist, was das Menschsein ausmacht. Auch hier wurden Gräuel und Schmerz musikalisch spürbar, dennoch berührend, packend vorgetragen, mit einer die existenzielle Kraft beschreibenden Intensität.

Eingeschoben zwischen diese auch die Zuhörer fordernden Stücke und dennoch von nicht geringerer Stärke waren zwei Vertonungen Heinrich Schütz' nach Martin Luthers "Verleih uns Frieden" und Johann Walters "Gib unsern Fürsten" - auch damals schon der Wunsch, dass sich die regierenden (Fürsten) auf Frieden und Freiheit, auf die Menschenwürde besinnen mögen.

VON WOLFRAM QUELLMALZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr