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Gedenken des Kreuzchores mit schwieriger Dramaturgie

Gedenken des Kreuzchores mit schwieriger Dramaturgie

Dem Gedenken an die Zerstörung Dresdens am 13. Februar 1945 mit musikalischen Inhalten zu entsprechen, ist und bleibt in der Werkwahl eine anspruchsvolle Aufgabe.

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Sofia Gubaidulina

Denn Musik, die ausdrücklich auf eine solche Katastrophe des Krieges mit dem tausendfachen Tod von Einwohnern einer Stadt Bezug nimmt, gibt es nur als Ausnahme. Der Dresdner Kreuzchor kann mit Rudolf Mauersbergers Motette "Wie liegt die Stadt so wüst" auf ein Stück zurückgreifen, das den unmittelbaren Eindruck der Kriegsereignisse bis heute trägt.

Das Gedenkkonzert des Kreuzchores in der Kreuzkirche wurde auch in diesem Jahr von dieser Mauersbergers Motette eröffnet, in der Kreuzkantor Roderich Kreile die emotionale Aussage in den beiden letzten Versen zusammenzog und ansonsten in einer fast nüchtern zu nennenden, jede romantisierende oder sentimentale Deutung des Textes in der Musik vermied. Darin manifestiert sich in gewisser Weise auch der zeitliche Abstand im Unterschied zu Mauersbergers eigener Einspielung, in der das persönliche Erleben noch hörbar enthalten ist.

Eine zeitgenössische Komposition in das Programm zu integrieren, kann als ambitioniert verstanden werden, ist aber ohne Frage eine begrüßenswerte Idee. Ob jedoch Sofia Gubaidulinas "Sonnengesang" (1997) nach dem Text des Franz von Assisi in der richtigen Relation zum Anlass des Konzerts stand, muss hinterfragt werden. Denn die für Violoncello (Emil Rovner), Schlagwerk (Dresdner Schlagwerktrio), Celesta (Peter Kopp) und Chor geschriebene Komposition entstand zum 70. Geburtstag des Cellisten Mstislav Rostropowitsch und hat darin eine eindeutige Bestimmung. Musikalisch ist das Werk völlig auf das Solocello zentriert, das mit seinen Klangfarben und Kadenzen alle Aufmerksamkeit anzieht. Eindrucksvoll im Spiel der Musiker, erwies sich der Chorpart für den Kreuzchor als recht kompliziert, werden doch immer wieder Einsätze einzelner Stimmen verlangt, ohne eine Orientierung an den Instrumenten zu haben. Das führte besonders im letzten Abschnitt, der inhaltlich durchaus als Apotheose des Cellisten gesehen werden kann, zu Schwierigkeiten bei der Intonation, die eigentlich Sicherheit nötig gehabt hätte. Trotz seines ernsten, religiösen Charakters wirkte das Werk hier unglücklich platziert.

Mit dem Requiem c-Moll von Luigi Cherubini war die Wahl auf ein Stück gefallen, das nicht durch Bekanntheit vom Inhalt ablenkte und das in sei- ner Würde unabhängig von musikalischen Vorlieben dem Anlass gerecht wurde. Zumal die Komposition für Chor und Orchester ohne solistische Teile eine besondere Konzentration auf den Text ermöglichte. Gemeinsam mit der Staatskapelle Weimar gelang es dem Kreuzchor unter Roderich Kreiles Leitung, eine ruhige, meditative Atmosphäre aufzubauen, obgleich Cherubinis an emotionalen Höhepunkten rares Requiem seinen Charakter als zweckgebundene katholische Kirchenkomposition nicht verleugnen konnte. Auch das monarchistisch restaurative Umfeld, in der es 1816 als Auftrag des französischen Königs entstand, spielt dabei sicher eine Rolle. Für den Kreuzchor ging der Umfang des Konzerts, das ohne wesentliche Unterbrechung nur von ihm bestritten war, nicht spurlos am Klang der Stimmen vorüber. Und in der Summe war diese Gedenkkonzert von zu vielen anderen Inhalten untersetzt, um seine Wirkung ganz entfalten zu können.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.02.2012

Hartmut Schütz

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