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Geblendet von Blau? - Installation "Saskia Lourdes" von Susan Donath

Geblendet von Blau? - Installation "Saskia Lourdes" von Susan Donath

Zu den zahlreichen Aktivitäten der "Freien Akademie Kunst + Bau" e.V. gehört nunmehr bereits im dritten Jahrgang die Einladung an einen ausgewählten Künstler, den Skulpturenpark in der Gostritzer Straße 10 mit einer temporären ortsspezifischen Arbeit zu bereichern.

Nach Tobias Stengel 2012 und Michael Freudenberg 2013 wurde für diesen Sommer eine Bildhauerin der mittleren Generation ausgewählt.

Susan Donath,gebürtig 1979 in Thüringen, hat ihren Weg nach einer Steinmetzlehre in Halle nach Dresden an die HfBK gelenkt, wo sie bei Eberhard Bosslet und Christian Sery studierte. Ihr Schaffen ist geprägt von einer spezifischen Auffassung des Arbeitsbegriffs. Das bedeutet, dass sie oftmals zur Umsetzung ihrer künstlerischen Ideen sehr aufwendige Handarbeiten absolviert, wie zum Beispiel bei der Herstellung eines blütenbesetzten Kranzes in Autowagenradgröße. Kleinstperlen hat die Künstlerin durch Fädeltechnik in Blütenform gebracht - ein Monate dauernder Prozess. Nicht in allen Werken wird dieser Zug zum physisch aufwendigen Ausformen einer künstlerischen Idee sichtbar; erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Citylight-Poster-Aktion von 2011, bei der sie sich mit einem fotografischen Selbstporträt und den textlichen Komponenten "Künstlerin - ledig - alleinerziehend - ALG II-Empfängerin" in den öffentlichen Diskurs einbrachte. In diesem Fall hatte ihr Kunstwerk nicht viel mit Handarbeit zu tun, da war es eher ein energetischer Kraftakt, den die Realisierung dieser Idee in vielerlei Hinsicht erforderte. Dieses also ebenfalls aufwendige Kunstwerk spiegelte ihr Selbstbild im Abgleich mit gegenwärtigen Bedingungen unseres heutigen gesellschaftlichen Seins. Die Objektivierung subjektiver Situationen, Haltungen oder Obsessionen - das ist eine zeitgemäße Form künstlerischer Abstraktion.

Die neueste Arbeit der Künstlerin mit dem Titel "Saskia Lourdes" ist eine dreiteilige Installation, die von der Farbe Blau geprägt wird. Ausgangspunkt ist die Heilige von Lourdes, stets mit blauer Schärpe dargestellt, und ihre wundersame Begegnung mit der jungen Bürgerin Bernadette von Soubirous in der Grotte zu Massabielle. Das war im Jahr 1858, und damit begann der bisher stetig andauernde Aufstieg des bis dahin unbekannten Ortes an der französisch-spanischen Grenze. Heute ist Lourdes nach Paris der zweitwichtigste Besuchermagnet in Frankreich, geschätzte 6 Millionen Besucher werden jährlich verzeichnet. Die Tourismusbranche freut das, die katholische Kirche ebenso. Erhofft wird von den Pilgern eine Wunderheilung durch das inzwischen geweihte Wasser, bislang wurden ca. 1600 von diesen Mysterien seitens der Kirche offiziell anerkannt.

Doch Susan Donath interessieren weniger die Fakten der Oberfläche. Sie nutzt ein Detail aus dem Devotionalienangebot, nämlich die blaue Schärpe der Madonnenerscheinung, um ihr Bildprogramm zu entwickeln. Dieses besteht aus einer Sammlung von ca. 100 kleinformatigen bildnerischen Darstellungen - meist in Postkartengröße - von Situation und Geschehnissen in Lourdes, die sie über Jahre sammelte und nun an die Wand des letzten erhaltenen Bildhauerschauers auf dem Areal nagelte. Die Signifikanz des Blaus entwickelt die Künstlerin in die weiteren Teile ihrer Installation. Im Versammlungsraum finden wir ein christliches, von blauen Nacktschnecken besiedeltes Holzkreuz. Das Kreuz macht diesen Raum zum weltlichen Gemeinderaum und scheint eine entspannte Situation zu signalisieren, doch die Schnecken lassen uns erschaudern - und die Trias von Kreuz, Nacktheit und Tier bündelt sich zu einer gedanklichen Last, die sich spürbar in unseren Gedanken- und Gefühlsvorgängen niederschlägt. Das "cruci fixus" mit den silikonblauen Schnecken entstand bereits vor der Installation "Saskia Lourdes" und fügt sich auf stringente Weise in Denk- und Empfindungsprozesse der Künstlerin ein. Außerdem wird durch die Einbeziehung früherer eigener Arbeiten in neue Konstellationen eine Arbeitsmethode von Susan Donath deutlich, nämlich das stetige künstlerische Registrieren persönlicher Auseinandersetzungen und der Veränderungen eigenen Ansichten.

Den dritten Teil der Installation bestimmt ganz klar die Farbe blau. Eine überdimensionierte Schärpe aus blauem, weich fallenden Stoff, die fließt, und sich an den Baum schmiegt anstelle eines benennbaren Gottes. Dieses Element des Kunstwerks zeigt Opulenz in der Farbe und Strenge im Zusammenhang mit der Form. Insofern ist Susan Donath nicht geblendet vom Blau der Religion, sie stellt vielmehr sich und dem Betrachter Fragen. Wie gern würden wir uns dem religiösen oder auch einem weltlichen Glauben hingeben, wenn wir denn könnten?

Susan Donath, "Saskia Lourdes" im Skulpturenpark Gostritzer Straße 10-12; bis 13. Juli 2014, am 13. Juli um 17 Uhr Gespräch mit der Künstlerin und dem Theologen Michael Wächter

Eintritt frei

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.06.2014

Claudia Reichardt

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