Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Gayle Tufts teilte im Wechselbad Dresden ihre Erfahrungen mit den Wechseljahren mit dem Publikum

Gayle Tufts teilte im Wechselbad Dresden ihre Erfahrungen mit den Wechseljahren mit dem Publikum

"Regelblutung". Was für ein Wort. Wie geschaffen für den Titel eines neuen Films von Quentin Tarantino. "Letzte Regelblutung", mit Uma Thurman. Oder "Inglourious Bleeders".

Voriger Artikel
Brechts "Leben des Galilei" von Armin Petras am Staatsschauspiel Dresden
Nächster Artikel
Carsten Gille zeigt seine Arbeiten in der Galerie der Sächsischen Landesärztekammer in Dresden

Gayle Tufts: lachend durch die Wechseljahre.

Quelle: PR

An sich geht es aber im neuen Programm "Some like it heiß", das die Amerikanerin Gayle Tufts im Dresdner Wechselbad vorstellte, um Schwitzattacken, Östrogenmangel, Launen und "Hot Flashbacks", also Hitzewellen, kurz um die Wechseljahre, die so etwas wie eine zweite "Pubertät mit Vernunft" sind. An sich hat sie ja jede Frau, selbst Sissi dürfte nicht nur die Schicksals-, sondern auch die "Wechseljahre einer Kaiserin" erlebt haben. Trotzdem wird über sie eigentlich nur unter Androhung von Gewalt gesprochen, ansonsten sind sie aber der Konversationskiller par excellence. Im Englischen nennt man die Wechseljahre, die zwischen 45 und 55 ihre "Prime Time" haben, "Change of Life". Nun sind Veränderungen nicht nur schlecht, sie können durchaus auch okay sein.

Es war der dritte Anlauf Tuffs nach Dresden. Zwei Mal hatte die Kultstatus genießende Berlinerin krankheitsbedingt absagen müssen, und siehe da, auch dieser Auftritt wäre fast ins Wasser gefallen. "Meine Stimme ist am Arsch. Wir müssen improvisieren", ließ Tufts zu Beginn wissen, legte dann aber los, wie man das von ihr erwartet, wenn auch mit gelegentlich krächzender, kippender Stimme in den Gesangseinlagen. Ein Lied - ganz der Tradition von Hanns Eisler verpflichtet - handelte von fleißigen Eierstockarbeiterinnen, die eines Tages einfach in den Ruhestand geschickt werden. Schluss, aus, vorbei, fast so schäbig wie bei Schlecker. Und natürlich war auch die "Nationalhymne der Wechselweiber" zu hören, "Fever" von Eddie Cooley und John Davenport aus dem Jahr 1956, außerdem Varianten davon in deutscher und französischer Sprache, als da wäre "39 de Fièvre" von Caterina Valente.

Ganz eine One-Woman-Show war es nicht, am Klavier saß Marian Lux, den Tufts gleich als "jungen Schwulen aus dem Osten" outete. In bewährter Manier verwurstet die Entertainerin, die Wert darauf legt, keine Kabarettistin zu sein, all die schrägen kleinen Eigenheiten, die ihr als Amerikanerin an Deutschen so auffallen - und nimmt auf nicht minder amüsante, freche und sympathische Art auch die Amis selbst auf die Schippe. Es gibt aber auch einen Tränendrüsendrücker. Es ist eben nicht alles Comedy, so ist das Leben nicht. So liest Tufts einen Text vor, in dem sie berührend wie lustig schildert, wie sie mit Bruder und Schwester am Strand steht, wie die Geschwister versuchen, die Asche ihrer Mutter wunschgemäß im Ozean zu verstreuen. Aber der Gegenwind. Der Bruder sieht bald aus wie ein Schornsteinfeger.

Alles wird im deutsch-amerikanischen Gemisch "Denglish" erzählt, dem Markenzeichen der mit einem Bremer verheirateten Tufts. Wer des Englischen mächtig ist, hat seinen Spaß an Sätzen wie "I can feel the Spannung" oder sieht darin fein nuancierte Kunstwerke. Der Abend ist zudem erfreulicherweise keine Therapiestunde für Schicksalsgenossinnen in punkto Menopause, lässt auch jeden verzickten Feminismus außen vor.

Auch Männer haben Probleme mit dem Älterwerden, manche haben sogar ebenfalls Wechseljahre, tauschen ihre Frauen gegen jüngere Gespielinnen, die altersmäßig ihre Töchter sein können, wechseln vom Kombi zum Sportwagen, stemmen plötzlich wieder Gewichte. Sport hat übrigens auch Tufts betrieben. Der Erfolg. 20 Kilo weniger. Wuchtbrumme ade, welcome fluffiges Leichtgewicht. Das immerhin ein Change, mit dem die Deutsch als sexy Sprache empfindende Tufts gut leben kann.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.03.2013

Christian Ruf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr