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Gastspieliges Annähern an Jean-Paul Sartre im projekttheater

Gastspieliges Annähern an Jean-Paul Sartre im projekttheater

Tote können nicht töten. Lieben und hassen können sie auch nicht. Aber wenn sie dicht bei dicht aufeinanderhocken, haben sie sich rasch satt. So haben sie sich die Hölle jedenfalls nicht vorgestellt!

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Laura Röllmann und Max Merker

Quelle: Martin Zenker

Dresden. Jean-Paul Sartre schrieb 1944 seine Versuchsanordnung "Geschlossene Gesellschaft". Damals wusste die halbe Welt schon nicht mehr, ob sie noch auf dem Vulkan tanzt oder schon in den Höllenschlund gestürzt ist. Heute, gut sieben verflixte Jahrzehnte danach, ist die Menschheit einen Schritt weiter. Fragt sich nur, in welche Richtung?

Die Theatergruppe Bühnamit tut schon aus aktuellen Gründen gut daran, diesen explosiven Bühnenklassiker mal wieder in Szene zu setzen. Zur Premiere im projekttheater erwies sie ihrem assoziativen Namen alle Ehre, es steckt tatsächlich bühnenreifes Dynamit in diesem Stück und - partiell - in dessen Umsetzung durch Annika Werner und Moritz Greifzu.

Das Regie-Duo vertraute dem Text und den Spielern, wobei der Text nach wie vor hält, was er einstens versprach. Die Akteure versprachen sich hier und da, hielten aber den Anspruch durchaus hoch. Den Aberwitz Sartres fingen sie mitunter recht witzig ein, suchten aber auch unabhängig davon nach einem gültigen Zugang zum Stück, das allzu oft auf das Zitat "Die Hölle, das sind die anderen" reduziert wird. Nein, in der vermeintlichen Hölle schwitzen eben gleich drei Personen, Abwesende genannt, und sie machen sich gegenseitig das posthume Dasein zur Hölle. In gelangweilt posierter Überlegenheit herrscht Susann Winter als Dienerin über die neu einquartierten Untoten. Die, zwei Frauen und ein Mann, stecken in weißer Unterwäsche und Bademänteln, während die teuflische "Gastgeberin" ganz sexy in Schwarz gekleidet ist. Sie kennt das Prozedere, das für die eben gestorbenen Menschen natürlich eine ganz neue, eine einmalige und existenzialistische Erfahrung sein muss.

Joseph Garcin ist "geflohen wie ein Löwe", ist eine Flasche und versagt auch nach seinem Erschießungstod, während er auf höllische Folterknechte wartet und sein "Leben ordnen" will. Max Merker spielt diesen unrühmlichen Part ziemlich zerrissen. Dass Garcin im "Jenseits" mit der lesbischen Inès, die ihre Geliebte und deren Gatten auf dem Gewissen hat, sowie mit der Kindsmörderin Estelle in einem fenster-, also aussichtslosen Zimmer zusammengesperrt ist, wirkt perfide. Alle drei machen sich den Tod noch zur Hölle. Sogar Flucht- und Mordversuche werden - vergeblich - gestartet.

Laura Röllmann spielt die Inès höchst intensiv, buhlt um Estelle, die sich ihrerseits an Garcin hängen will, was Vivien Woltersdorf im Spagat als suchende Zicke mimt. Letztlich sind alle voneinander enttäuscht und hassen einander. Aber Tote kann man nicht töten.

Aufführungen: 14., 15., 26. November, Theaterhaus Rudi, www.bühnamit.de

VON MICHAEL ERNST

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