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Gastspiel "Gardenia" aus Brüssel von Alain Platel und Frank Van Laecke in Hellerau

Gastspiel "Gardenia" aus Brüssel von Alain Platel und Frank Van Laecke in Hellerau

Sie stehen in ihren Allerweltsanzügen über den Raum verteilt, werden mit kuriosen weiblichen Namen und zotigen Bemerkungen vorgestellt. Und zelebrieren gemeinsam mit den um Beistand gebetenen Zuschauern eine Trauerminute für jenes verblichene Cabaret, das ihre kleine-große Welt, ihre Bühne und Heimstatt gewesen ist.

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Schillernde Diva: Vanessa Van Durme.

Quelle: Luk Monseart

Schließlich landen sie sämtlich als beaufsichtigte, zittrige Greise in der Sitzordnung wie für einen Tanzstundenball, beginnen sich zu Ravels "Bolero" quasi auf dem "Laufsteg" Schritt für Schritt sacht zu verändern. Und schon bald kommen unter den unauffälligen Anzügen "entzückende" blumige Kleider hervor, enthüllen sich Körper in verschiedenster Ausformung. Nun posieren die neun Darsteller komplett in weiblicher Präsenz, mit Augenaufschlag und Koketterie, wenden sich mit mehr oder weniger graziösen Offerten weiter dem Publikum zu.

Das neuerliche Gastspiel des belgischen Choreografen Alain Platel mit seinem "les ballets C de la B" aus Brüssel im Festspielhaus Hellerau - am Wochenende mit zwei Aufführungen der jüngsten Produktion "Gardenia" - überrascht in jeglicher Weise. So klar strukturiert, konsequent in durchkomponierter Erzählweise sowie mit feinsten Nuancierungen ist er bislang hierzulande kaum zu erfahren gewesen. Und offenbar hat da auch die Zusammenarbeit mit Frank van Laecke und den unglaublichen Akteuren wichtige Spuren hinterlassen. Ein Platel-Abend der eher ungewöhnlichen Art, der zum Beispiel auch erkennen lässt, wie intensiv sich dieser mit Pina Bausch auseinandergesetzt hat. Und dennoch ist gemeinsam mit wunderbaren Partnern da etwas ganz Eigenes, Kostbares entstanden.

Die transsexuelle Schauspielerin Vanessa Van Durme hat, inspiriert von dem Dokumentarfilm "Yo soy así" von Sonia Herman Dolz über die letzten Tage des berühmten Clubs "Bodega Bohemia" in Barcelona, dem Regieteam ein entsprechendes Theaterprojekt vorgeschlagen. Und sie brachte dafür schon leicht angejahrte, befreundete Transvestiten und Transsexuelle mit ins Spiel. Seit der Uraufführung von "Gardenia" 2010 tourt das Ensemble mit viel Erfolg durch die Lande.

Wenn zum Schluss auf der Bühne vom Festspielhaus Hellerau die schillernde Diva - Marlene Dietrich hatte das Lied einst in sehr schlichter Aufmachung vorgetragen - im Playback "Sag mir, wo die Blumen sind" gewissermaßen wie eine Botschaft verkündet, dann ist das auch ein Gleichnis auf die Vielgestaltigkeit, Besonderheit, Vergänglichkeit dieser Künstler. Ihr Können und ihre Fähigkeiten, auf solche Weise szenisch herausgestellt, zeigen sie auch in der selbstironischen Konfrontation, und das voller Würde und Menschlichkeit. Wo Alter und Geschlecht, Sein oder Schein, mit Bauch oder spindeldürr für die Zuschauer bald eine eher untergeordnete Rolle spielt. Wie jeder andere auch hoffen, lieben, verzweifeln sie. Und finden Freude an der Verwandlung, huldigen Ikonen wie zum Beispiel Liza Minnelli oder Marilyn Monroe, stoßen an Grenzen. Eine der berührendsten Szenen des Abends ist, wie der junge, männlich-kraftvolle Tänzer - ein Juwel der Gesellschaft - mit seinem Schicksal hadert. Den erhofften Trost findet er zwar, kann ihn aber nicht in Gänze auskosten. Und die gegensätzlichen Pole, die leidenschaftlichen, verletzlichen Konfrontationen lassen das wie auch immer geartete Paar aneinander verzweifeln. Es geht nicht mit und es geht nicht ohne. Eine Tanz-Metapher, wie man sie kennt von Platel. Aber kaum in solcher Intensität.

Die Aufführung besitzt speziell auch im Zusammenwirken mit Steven Prengels eine besondere musikalische Prägung. Bekannte Kompositionen sowie Lieder, live gesungen oder im Playback, sind so in das "Geschehen" eingewoben, dass sie sich mit Texten, eindringlichen Darbietungen zu einem erzählerischen Ganzen verbinden. Quasi den "Rahmen" gibt das legendäre Lied "Over the rainbow", und auch das berühmte spanische "Cucurrucucú Paloma" ist hier eine Offenbarung eigener Art. Wobei auch immer wieder die Bewegung, der Tanz eine Rolle spielt, zum Beispiel bei dem französischen Chanson. Gabriele Gorgas

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.02.2012

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