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Gastbeitrag: Raffael und die Madonnenbilder

Gastbeitrag: Raffael und die Madonnenbilder

"Die Sixtinische Madonna - Raffaels Kultbild wird 500!": Die DNN - Partner der großen Jubiläumsausstellung vom 26. Mai bis 26. August 2012 in der Gemäldegalerie Alte Meister, Semperbau am Zwinger - begleiten dieses Ereignis mit einer Serie, die von der Geschichte des Bildes, seiner Präsentation, seinem Ruhm bis hin zu seiner Vermarktung erzählt.

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Raffael, Mutter mit Kind, 1512, Ashmolean Museum, Oxford. Repro: © Ashmolean Museum, Oxford.

Heute beleuchtet Sandra Schmidt, Ausstellungsassistentin der Gemäldegalerie, einiges zu Mariendarstellungen in der bildenden Kunst.

Madonnenbilder nehmen im Œuvre Raffaels einen wichtigen Stellenwert ein. Er setzte sich in Altarbildern und Zeichnungen mit diesem Bildtypus auseinander und malte zahlreiche Versionen des Mutter-Kind-Themas. Maria mit dem Jesuskind gehört zu den am häufigsten dargestellten Motiven in der Kunst um 1500. Die Verehrung Mariens entwickelte sich seit dem späten Mittelalter. Bereits im Jahre 431 erkannte das Konzil von Ephesos Maria als die Gottesgebärerin und damit als verehrungswürdig an. Es war die erste Synode, auf der Maria Gegenstand einer eingehenden Erörterung wurde. Kurze Zeit nach dem Konzil wurde unter Papst Sixtus III. die größte der über 40 Marienkirchen in Rom, Santa Maria Maggiore, errichtet.

Die Marienfrömmigkeit erfuhr eine große Popularität, weil Maria als Mittlerin zwischen den Gläubigen und Gott angesehen wurde. So wurde dem Marienbild innerhalb des Kirchenraumes ein bevorzugter zentraler Platz eingeräumt. Vom 5. Jahrhundert an ist auch die Kleidung kennzeichnend für Maria. Sie trägt fortan ein einfaches, schlichtes, in den Farben rot und blau gehaltenes Gewand mit einem großen Schleier, der wie ein Mantel Brust und Schultern umhüllt und oftmals das Haar bedeckt. Die frühen Darstellungen zeigen die frontal thronende oder stehende, oftmals statuarisch und streng wirkende Gottesmutter, die das Kind auf dem Arm hält und den Betrachter ernst anschaut. Im Laufe der Entwicklung und vor allem ab dem 15. und 16. Jahrhundert wurden immer mehr die Gefühlswerte betont, die Erstarrung der thronenden Maria wich zunehmend der Betonung der Beziehung zu ihrem Kind und ihrer mütterlichen Seite.

Kleinformatige Darstellungen der Maria mit dem Kind wurden sehr beliebt für die private Andacht und schmückten Hausaltäre und sogar die Schlafzimmer reicher Mäzene. Sie dienten der Meditation und zeugten vom gesellschaftlichen Status ihrer Besitzer. Man kann sogar von einem konkurrenzbetonten, lukrativen Markt sprechen, der sich gebildet hatte, da die Nachfrage an Andachtsbildern insgesamt sehr groß war.

Raffael malte ab 1502 eine ganze Reihe von unterschiedlichen Madonnendarstellungen für illustre Auftraggeber. Auch wenn sich das eigentliche Thema wiederholte, bewies er in den unterschiedlichen Ausführungen kreativen Einfallsreichtum und immer wieder neuartige Interpretationen des Sujets. Raffael versuchte stets, die besonderen Beziehungen der Figuren herauszustellen, hier vor allem zwischen Mutter und Kind. Dies gelang ihm einerseits durch eine naturalistische Darstellung, die er in der Haltung, den Bewegungen und in den Gesten der Personen andeutete, aber auch durch die Komposition der Bilder. Der Kunsthistoriograf Giorgio Vasari kam deshalb in seiner Vita über Raffael zu dem Urteil, dass Künstler wie dieser mit solchem Talent "nicht einfach nur Menschen sind, sondern - wenn es erlaubt ist, dies so zu sagen - sterbliche Götter". Papst Julius II. hatte Raffael 1508 nach Rom geholt und ihn mit der Ausmalung der Stanzen, der päpstlichen Gemächer im Vatikan, beauftragt. Und obwohl er mit Arbeit für den Papst überhäuft war, erteilten ihm auch private Förderer weiterhin Aufträge.

Die in der Jubiläumsausstellung präsentierte Zeichnung aus dem Ashmolean Museum in Oxford entstand um 1512, also im unmittelbaren Umfeld der Sixtinischen Madonna, und zeigt eine auf einem einfachen Stuhl sitzende Mutter, die liebevoll mit beiden Armen ihr Kind umfasst. Raffael thematisiert auf hinreißende und einfühlsame Weise die mütterliche Zuwendung, die dem Betrachter durch die Körpersprache der beiden Figuren verdeutlicht wird. Auch wenn die Protagonisten kein Heiligenschein auszeichnet und ihre Kleidung eher alltäglich erscheint, ist die Nähe zu den Madonnenbildern offensichtlich. Man weiß, dass Kinder aller Altersstufen zur Bildwelt Raffaels gehörten, dass er sich immer wieder zeichnerisch mit diesem Motiv beschäftigte und dann für seine Jesuskinder, Johannesknaben oder Engel auf diese Studien zurückgriff. Es ist leider nicht bekannt, ob es sich dabei um die Kinder von Bekannten oder Freunden gehandelt hat. Häufig wurden die Darstellungen der Madonna mit dem Kind um den Johannesknaben erweitert, der mit seinem Attribut, dem Kreuzesstab, ausgerüstet und in sein Fellgewand gehüllt als Spielgefährte Christi in Erscheinung trat. In der ebenfalls in der Jubiläumsausstellung gezeigten Garvagh Madonna (um 1510) aus der National Gallery in London platziert Raffael die Gottesmutter auf einem Podest im Zentrum des Bildes. Ihr rechter Arm stützt das Jesuskind, mit ihrer Linken umfasst sie fürsorglich den Johannesknaben. Die äußeren Umrisslinien der Figuren bilden ein Dreieck. Jesus reicht Johannes eine Nelke als Zeichen der Passion. Beide erscheinen auch hier als hübsche Kleinkinder, die anmutig verspielt und menschlich dargestellt sind. Liebevoll und bestimmt hält Maria das Jesuskind in der Madonna di Foligno (1511/12, Pinacoteca Vaticana) auf ihrem Schoß fest, das sich wegdreht, aus dem Griff der Mutter zu winden scheint und mit beiden Händen nach dem Schleier der Madonna greift. Der Legende nach erschien die Madonna vor einer Sonnenscheibe mit dem Christuskind am Weihnachtstag dem Kaiser Augustus auf dem Kapitol in Rom. Raffael thematisiert die Verkündigung der Menschwerdung Christi. Die Madonna schwebt auf Wolken und bleibt somit entrückt. Sie verharrt in ihrer erhabenen himmlischen Sphäre und hat gleichzeitig doch mütterliche Züge. In der Sixtinischen Madonna (1512/13) trägt Maria das Kind aus dem Himmel zur Erde. Das gesamte Gemälde ist eine Vision. Sie schreitet aufrecht auf Wolken, ihr Schleier bauscht sich leicht. Ihr Blick und derjenige des Jesuskindes ist ernst. Es scheint sich darin das Wissen um die Passion zu spiegeln, die Christus erwarten wird. Auffallend ist die Ähnlichkeit der Physiognomien der beiden verspielten Engelchen an der unteren Brüstung und des Christuskindes auf dem Arm der Mutter.

Die höchste Auszeichnung, die einem Madonnenbild auch in der Renaissance zuteil werden konnte war es jedoch, ein Wunder zu wirken. So steht in einem 1608 publizierten Traktat über die Madonnenbilder Bolognas, dass das Bild des Francesco Francia, das in einer Hofdurchfahrt an einer Mauer über einer Öffnung angebracht war und die Madonna mit dem Kind zeigte, im Jahr 1508 ein Wunder vollbracht habe, in dem es einen Schmied vor Schaden bewahrte, der beim Beschlagen eines Pferdes genau in diese offene Kellerluke geschleudert wurde. Diesem sei nichts geschehen. Über ein Wunder im Zusammenhang mit einer Madonnendarstellung Raffaels gibt es keine Kenntnisse.

Fernsehtipp: Mittwoch, 21.15-21.45 Uhr im MDR, Die Spur der Schätze: Die schönste Frau der Welt. Ein Film von Adina Rieckmann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.05.2012

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