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Ganz junges Theater: "ich bin. ich bin. ich bin." am tjg

Ganz junges Theater: "ich bin. ich bin. ich bin." am tjg

Das ist eine durchweg gute Idee. Denn erklärtermaßen geht es in der Reihe tak-ticker der tjg. theaterakademie "vor allem ums Selbermachen: Theaterenthusiasten ab 16 Jahre spielen, schreiben, statten aus und bringen so ihre Themen auf die Studiobühne des tjg.

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Vier junge Darsteller und ihr Blick aufs Leben in "ich bin. ich bin. ich bin."

Quelle: tjg

theater junge generation." Es kommt aber noch viel besser - bei der Idee ist es nicht geblieben! Am Sonntag hat sich mit allem, was dazu gehört, ein junges Produktionsteam vorgestellt, dem es spürbar nicht um vordergründige Trends oder darum geht, in die zu großen Fußstapfen anderer zu treten.

Mit deutlicher Intensität und verknappter Spielweise haben vier junge Darstellerinnen sowie die nur wenige Jahre ältere Studentin Valeska Fuchs, die für Regie und Bühne verantwortlich zeichnet, eine dichte Aufführung von etwa 45 Minuten herausgebracht, und die hat es in sich. Zumal auch das Stück "ich bin. ich bin. ich bin." von der erst 21-jährigen Studentin stammt, die bereits mit 13 Jahren an der TheaterFABRIK Gera startete, derzeit Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig studiert und nun offenbar ihr Erstlingswerk für die Bühne vorgelegt hat.

Erfreulicherweise ist das kein geschwätziges Palaver, auch kein verfehlter Versuch, unbedingt originell sein zu wollen. Eher verblüfft das szenische Geschehen vor allem dadurch, wie es der Autorin/Regisseurin gelingt, das Quartett der Spielerinnen auf das Thema einzuschwören. So, dass die vier auch auf engstem Raum, im unmittelbaren Blickkontakt mit dem um die Spielfläche platzierten Zuschauern auftreten, als wären sie ungestört. Jede für sich allein, mit gleichen oder ähnlichen Zweifeln, Irritationen, Unsicherheiten. Und dennoch mit unterschiedlichen Sichtweisen, Erfahrungen. Weil ja keine so ist wie die andere.

Schlussendlich liegen sie ineinander verquickt im grünen Quadrat inmitten der mit dunklem, erdigem Sand aufgefüllten Bühnenfläche. Wo auch vier alte Schreibmaschinen und eine Schaukel platziert sind und das Schreiben ohne Papier oder die sichtbaren Spuren am Boden wie auf den Körpern ein permanentes Fragen ohne Antworten assoziiert. Letztlich verlöscht das Licht, und die Sängerin, der Musiker führen hinüber in eine Welt mit geschlossenen Augen, eine Art Traum von Werden und Vergehen. Ganz ohne Gewalt, ohne Aufruhr. Und aus dieser Dunkelheit kehrt man zurück oder eben auch nicht.

Das erinnert an die berührenden Geschichten von Sylvia Plath, mit ihrer so eigenen Schwere und Leichtigkeit zugleich. An Momente, wo es um Sinn, Sinnlosigkeit, um Kommen, Gehen, Leben, Tod geht. Fast parallel zu dieser Aufführung hat sich im Festspielhaus Hellerau beim Festival Politik im Freien Theater mit einem vergleichbaren Thema ebenso das Gastspiel von Gob Squad aus Belgien befasst. Eine "Live-Show mit echten Kindern", die ihrer Zukunft spielerisch und erschreckend ins Angesicht schauen. Das skurrile Szenario rasanten Älterwerdens, die trostlose Aussicht auf erloschene Träume, ein tristes Dasein, allein und verlassen in der Menge.

Gegensätzlicher kann Theater kaum sein. Und offenbar ist es weder Kindern noch Jugendlichen egal, was auf sie zukommt. Und wie ihnen andere diese Zukunft vorleben. So oder so suchen sie nach Antworten auf ihre Fragen. Da ermutigt es allemal, jene aus Belgien wie auch aus Dresden/Leipzig zu erleben, die einfach sagen "ich bin. ich bin. ich bin." Und Theater, das ist einem in diesen Tagen gerade massiv ins Bewusstsein gerutscht, scheint doch ein brauchbarer Weg zu sein, um über sich selbst nachzudenken. Wie eben auch Valeska Fuchs und die Darstellerinnen Henrike Dusella, Lena Höhlich, Maria Lemke und Mia Seyffer in dieser Premiere der "tjg. theaterakademie".

Gabriele Gorgas

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.11.2011

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