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Galeriedirektor Bernhard Maaz verabschiedet sich endgültig nach München

Galeriedirektor Bernhard Maaz verabschiedet sich endgültig nach München

Gestern hat sich Bernhard Maaz, seit 1. Januar 2010 Direktor der Galerie Alte Meister und des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung "Hieronymus Boschs Erbe" vom heimischen Kunstpublikum verabschiedet.

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Bernhard Maaz auf der Verabschiedungsfeier für ihn vor einer Woche im Dresdner Schloss. Er wechselt zu nach München.

Quelle: Sebastian Kahnert

Bei der vormittäglichen Pressekonferenz hatte er den Journalisten noch mit dem als Bonmot tauglichen "Auch er ist da, und ich bin weg" den jüngsten, von ihm herausgegebenen, taufrischen Buchtitel - "Meisterwerke. Die Gemäldegalerie Alte Meister Dresden" - ans Herz legen können. Am 1. April wird Maaz in München erwartet. Dort hat er mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen nicht nur das Museumsquartier mit Alter und Neuer Pinakothek, Pinakothek der Moderne und Museum Brandthorst unter seinen Fittichen, sondern auch zahlreiche weitere Sammlungen in der Bayernmetropole sowie darüber hinaus.

Und es erwarten ihn - das scheint sein "Schicksal" zu sein - wie schon in Berlin, wo er die Sanierung der Alten Nationalgalerie leitete, und in Dresden, wo der erst Anfang der 1990er Jahre nach einer Generalsanierung wieder eröffnete Semperbau derzeit erneut eine Generalüberholung erfahren muss, auch in München anspruchsvolle Aufgaben dieser Art. Maaz scheint dies alles mit Elan zu bewältigen. Im Gespräch, das die Autorin dieses Beitrags gestern noch mit ihm führen konnte, verrät er zudem, dass er "eigentlich mal Architektur studieren wollte". Was die Sanierung des Semperbaus - die "schwierigste aller Baustellen" für ihn - betrifft, so hofft er auf "mehr Nachhaltigkeit" und unterstreicht dies mit den Worten: "Ich würde der Gemäldegalerie wünschen, dass das Sinnvolle und Mögliche realisiert wird."

Gleichwohl sind es ebenso Ausstellungsereignisse, die mit seiner Dresdner Zeit verbunden sind. Kurz vor seinen Direktoraten hier lag - schon in Zusammenarbeit mit Dresden - die Einrichtung der Carl Gustav Carus gewidmeten Schau für Berlin. Hier vor Ort erinnert man sich nicht zuletzt an die im Kupferstich-Kabinett realisierten Ausstellungen zu Max Uhlig und Gerhard Altenbourg ("Terra incognita"), die ihm ganz persönliche Anliegen waren. Aber auch Adrian Zingg, dem Vorläufer der Romantik, galt eine diesen Künstler erstmals umfassend beleuchtende Präsentation. Highlights der vergangenen fünf Jahre in der Gemäldegalerie Alte Meister waren zudem die von Andreas Henning kuratierte Schau zum 500. Jubiläum der Sixtinischen Madonna, der wiederum die in Zusammenarbeit mit den Vatikanischen Museen entstandene Präsentation "Himmlischer Glanz" vorausging, die außer der Madonna di Foligno die sensationelle Stuppacher Madonna Grünewalds nach Dresden brachte. Maaz spricht von "fünf dichten Jahren", die "gefühlt deutlich mehr" gewesen seien. In beiden Sammlungen habe er "zwei wunderbare Teams, ein Umfeld des geistigen Austauschs" gehabt. Am Herzen liegt ihm mit Blick auf die Alten Meister zu verdeutlichen, dass "diese Kunst aktuelle Menschheitsfragen anspricht".

Auf die viel diskutierte und wohl für die Zukunft wieder aufgegebene Zusammenführung der Direktorate von Kupferstich-Kabinett und Gemäldegalerie Alte Meister angesprochen, sieht er in der Rückschau darin einen "großen Gewinn" für sich. Letztlich habe dies den künstlerischen Zusammenhang von der Vorzeichnung über das Gemälde bis zur Druckgrafik unterstrichen. Plausibel sei dieses Doppeldirektorat aber auch unter dem Gesichtspunkt der Epochenzusammenhänge. "Wo immer man die Dinge crossover betrachtet, kann es ein großer Gewinn sein", meint Maaz. Gleichwohl bedarf es dazu entsprechender Persönlichkeiten. Wohl nicht zufällig verwies er in diesem Zusammenhang auf seine dreißigjährige Museumserfahrung.

Wer noch einmal diese gut fünf Jahre aufblättert, darf die vielen schriftlichen Äußerungen des Wissenschaftlers Maaz nicht übersehen, die auch in dieser Zeitung ihren Niederschlag fanden. Immerhin entstand in der Folge der Serie über Meisterwerke der Galerie Alte Meister die Idee zum oben erwähnten Band gleichen Titels. Eine seiner auch vom Umfang her eindrucksvollsten Publikationen ist gewiss das 2014 erschienene Werk "Gemäldegalerie Alte Meister Dresden. Eine Geschichte der Malerei". Dass Maaz gern schreibt, hat sich herumgesprochen, aber auch sein Tag hat ja nur 24 Stunden. Man nennt es wohl kluges Zeitmanagement, was dafür - außer Leidenschaft - Voraussetzung ist.

Das wird ihn auch in München begleiten müssen, wo ihn - von den Bauaufgaben war schon die Rede - viele schöne Herausforderungen erwarten: "Noch mehr Bau, noch mehr Kunst, ein erheblich größeres Netzwerk." Vorfreude gilt dem "wunderbaren Team" und "einer abermals schönen Stadt, hinter der sich die allerschönsten Berge Deutschlands erheben". Und: Italien ist ganz nah. Zur neuen Verantwortung kann man dem 1961 in Jena Geborenen, der in Leipzig Kunstgeschichte und Archäologie studierte und zu den Skulpturen des Klassizisten Friedrich Tieck promovierte, nur alles Glück der Welt wünschen!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.03.2015

Lisa Werner-Art

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