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Galerie im Gang an der TU zeigt Werke von Helga Knobloch und Hans Christoph

Galerie im Gang an der TU zeigt Werke von Helga Knobloch und Hans Christoph

Das Lebenswerk des Malers Hans Christoph ist früh schon gewürdigt, zumal nach der Formalismus-Diskussion der 1950er Jahre längst bekannt und seit der Wende als ein originärer Beitrag zum Nonkonformismus in der Dresdner Kunstszene anerkannt.

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Helga Knobloch: Bahnhofsbild, Federzeichnung aquarelliert, 1948, Detail.Repro: TU

Quelle: TU

Erst ab dem Jahre 2002 ist dagegen die schöpferische Eigenleistung seiner Lebensgefährtin Helga Knobloch durch Ausstellungen bei "Rahmen und Bild", der Galerie Döbele und der galerie am blauen wunder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt - dies allerdings mit Furor.

Die von der Kustodie der TU betreute Galerie im Gang im von-Gerber-Bau zeigt nun ein fast pikant zu nennendes Konvolut beider Künstler. Die Schau präsentiert ausgewählte, zum Teil bisher kaum bekannte Stücke von exzeptioneller Qualität, deren Übernahme in den universitären Kunstbesitz beabsichtigt ist und in dieser Sammlung der Dresdner Moderne eine Fehlstelle schlösse.

Die "Bahnhofsbilder" Helga Knoblochs entstanden 1947/48, als Joseph Hegenbarth sie und weitere seiner Studentinnen aus der Kälte der Kunstakademie - den damaligen Winter vergisst keiner, der ihn erlebte - in den Neustädter Bahnhof delegierte, wo es neben auskömmlichen Temperaturen eine Auslese milieutypischer Zeitgenossinnen gab, deren Darstellung durch die junge Künstlerin die Nachkriegszeit regelrecht nachschmecken lässt. Entstanden ist keine Elevensuite, sondern ein bis vor kurzem noch unbekannter Werkblock von erstaunlichem Umfang und meisterlicher Qualität, der für Nachkriegs-Dresden singulär ist, indem er das Sein in dieser Zeit gültig reflektiert.

Gleichgültig, ob es dabei um namenlose Personen, eine Tänzerin oder die Chansonette Dora Dorette geht, schuf Helga Knobloch durch zurückhaltend-souveränes Federgerüst, sichere Komposition und differenziertes Kolorit Aquarelle von einer Stimmigkeit, die bei aller Milieurelevanz Noblesse behält. Eine Ausnahme bildet dabei das ernste große Porträt einer Frau von Kirchbach, die zweifelsohne nicht zum Bahnhofs-Stamm gehörte.

Nach diesem brillanten Start mag es Wunder nehmen, dass Knobloch die freie Kunst fahren lässt und sich am Brühl für die Fachrichtung Werbung entscheidet. Das war wohl lebenspraktisch gedacht und erwies sich als folgenreich: Hier unterrichtete der nach von Mart Stam berufene Hans Christoph, ihr späterer Arbeits- und Lebenspartner. 1952 schloss sie ihr Studium mit Auszeichnung ab und arbeitete freiberuflich u.a. als Mode- und Kinderbuchgestalterin, bis 1955 die Werk- und Lebensgemeinschaft mit ihrem Lehrer begann. Erst nach Jahrzehnten erfolgreicher Ausstellungs- und Messeprojekte folgte ihr informelles künstlerisches Spätwerk, das nicht Gegenstand dieser Präsentation ist, aber sicherlich bei aller Eigenständigkeit auch das Vorbild des Gefährten nicht verleugnet.

Helga Knobloch hütet heute das künstlerische Œuvre Hans Christophs, so weit es nicht bei der Bombardierung Dresdens vernichtet wurde. Die ausgestellte Werksuite ihres Lebensgefährten ist daraus gewählt und macht bewusst nicht mit den Dripping-Bildern der Spätphase bekannt, die heutzutage die allgemeine Vorstellung von Christophs Kunst prägen.

Zu sehen sind kostbare Aquarelle und Gouachen aus den 1950er bis 70er Jahren, die von freier Gegenständlichkeit bis zur Abstraktion reichen und den Weg von erlebt-erlittener klassischer Moderne bis zum Tachismus illustrieren. Steht für Letzteren die "Komposition mit schwarzer Figuration" (Gouache, 1964) oder, zurückhaltender, "Mit Geistern" (Tempera und Collage, 1977), so sind Blätter wie "Tauben mit Blumen- vase" und "Segelschiffe im Hafen", beides Aquarelle o.J., reine Feste für die Sinne, die aber den Kulturstrategen Dresdens seinerzeit eher dornig die Tomaten auf den Augen perforiert haben müssen: 1955 verlor Hans Christoph sein Lehramt an der Kunsthochschule wegen ständiger Formalismus-Vorwürfe. Damit schließt sich gewissermaßen für uns als Aussteller ein Kreis zum guten Ende hin. Die Formalismus-Hetze von 1955 setzte nämlich ein, als Wilhelm Lachnit mit einer Künstlergruppe und damaligen Architekturstudenten im Auftrag der Technischen Hochschule das neu erbaute Studentenheim Reichsstraße (heute Fritz-Löffler-Straße) mit einer Folge von kleinen Wandbildern und Supraporten schmückte, deren formale "Anstößigkeit" heute kein Mensch mehr begreift, ebenso wenig wie bei Christophs Werken aus jener Zeit, die das gleiche Verdikt mit der gleichen Konsequenz traf.

Nun dürfen wir sie mit Freude und Staunen in Besitz nehmen - auch so kann Aufarbeitung von Geschichte geschehen...

bis 28.1. Galerie im Gang, Juristische Fakultät, von-Gerber-Bau, Bergstraße 53, Tel. 0351/46 33 64 05

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.01.2015

Jürgen Schieferdecker

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