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Galerie am Damm zeigt Malerei von Volker Lenkeit

Die Versuchung des heiligen Simon Galerie am Damm zeigt Malerei von Volker Lenkeit

Volker Lenkeit (geb. 1959) ist einer der Eigenwilligen unter Dresdens Künstlern. Und er ist einer der Vielseitigen. Malerei, Zeichnung, Grafik, Objekte aus Acrylglas, aber auch plastische Arbeiten, oft aus Fundmaterialien sowie Performances gehören zu seinem Schaffensspektrum.

Volker Lenkeit. Die Leda, MT, 2012 (Ausschnitt).

Quelle: Galerie am Damm

Dresden. Volker Lenkeit (geb. 1959) ist einer der Eigenwilligen unter Dresdens Künstlern. Und er ist einer der Vielseitigen. Malerei, Zeichnung, Grafik, Objekte aus Acrylglas, aber auch plastische Arbeiten, oft aus Fundmaterialien sowie Performances gehören zu seinem Schaffensspektrum, das inhaltlich auf den Menschen zentriert ist. Widmete sich seine Diplomarbeit (1982-1987 Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden) dem Tanz, dem Menschen in Bewegung, so nahm er in den folgenden Jahren, nicht zuletzt auch nach 1989, verschiedene Erscheinungen zum Anlass, um sich mit alltäglichen "Maskierungen" auseinander zu setzen.

Ende der 1990er Jahre etwa regten ihn Phantombilder, aber auch Fotografien ihm unbekannter Menschen zur Bearbeitung an, später - im Jahr 2009 - waren es Wahlplakate mit den üblicherweise digital "geschönten" Politikergesichtern. In all dem entdeckte er Gemeinsamkeiten, die in Serien wie "Die unter uns", "Bilder deiner Wahl" oder "Auge, Mund, Hand" ihren Ausdruck fanden. Letztere griff ganz unvermittelt das Thema der Maskierung auf, angeregt von Aufnahmen mit Gesichtsmasken tragenden Kriminellen, ebenso ausgerüsteten Sicherheitskräften oder - ganz harmlos - von Karnevalsmasken. Hinter allen diesen Bildfindungen stand letztlich die Frage: Was bleibt unter diesen Vorzeichen vom Charakteristischen eines Menschen, seiner Persönlichkeit, wahrnehmbar?

Volker Lenkeit folgt - teils nicht ohne Ironie - bei seinen Themenfindungen und -bearbeitungen einem konzeptuellen Ansatz. Die in ihrem Erscheinungsbild - möglicherweise entgegen aller Erwartung - keineswegs minimalistischen, sondern recht sinnlichen Werke fordern die Assoziationskraft des Betrachters heraus. Von all dem findet der Besucher auch in Lenkeits aktueller Ausstellung in der Galerie am Damm etwas. Einem Bildtitel von 2013 folgend, steht sie unter dem Motto "Die Versuchung des heiligen Simon". Die Schau weist zudem auf eine weitere Vorliebe des Künstlers, der nicht nur, wie oben erwähnt, mit Fundmaterialien arbeitet, sondern seine "Funde" auch in der Kunst- und Geistesgeschichte macht - oft indem er in alten Büchern "schmökert". In einem malerischen Duktus, der eine Art Pixelstruktur suggeriert (man könnte darin auch eine Affinität zum Pointillismus sehen) und eine von Gelb-, Blau- und Rottönen dominierte Farbigkeit bevorzugt, streift Lenkeit durch die Historie, beginnend mit dem schon erwähnten, biblischen Heiligen Simon, der sich zweier Putten erwehren muss. Zu dritt schweben sie in einem Tapeten ähnlichen Himmel hinan, in dem zahlreiche goldene Hühner gackern.

Weiter zeigt sich der Künstler mit dem Titel "Dreh mich" von Dürers "Tanzendem Bauernpaar" inspiriert, dem er in den Jahren 2014/15 eine ganze Serie gewidmet hat. Von Dürer wiederum spannt sich der Bogen über Maler wie Runge und Friedrich zu Denkern wie Schopenhauer und Nietzsche sowie zum Musikgiganten Wagner. Man begegnet den Dichtern Apollinaire und Rimbaud im Porträt, erinnernd an alte Fotografien. Andere Porträtierte firmieren unter Titeln wie "Der Friedrich" (Nietzsche), "Dem Meister" (Wagner), "Mit Pudel" (Schopenhauer). Thematisiert werden auch die Bedrängnisse und "Kämpfe" im Atelier, mit sich selbst, mit der Materie und den großen "Vorbildern", die diese - etwa Runge und Friedrich - selbst auch gut kannten, wie Lenkeit in zwei der gezeigten Werke thematisiert. Und manchmal - vielleicht nach dem einen oder anderen Wein - erscheinen möglicherweise nicht nur die Genannten, sondern auch "Die Leda" (2012), diese antike Legende, der die Maler seit Jahrhunderten verfallen waren. Vielleicht ist es sie oder eine andere, der Lenkeit den Satz nicht auf den Leib, sondern auf die zeichnerisch angelegte, von historischen Quellen inspirierte Mischtechnik schrieb: "Die Kunst, die Hüllen fallen zu lassen, ist ihr eigen". Die Rückansicht dieser weiblichen Figur in "Häutung" (2012) erscheint als wahre visuelle "Versuchung", die allerdings trotz der umgebenden Blütenranken ein wenig Angst macht! Man fragt sich, was nach der Häutung bleibt: ein Ungeheuer oder ein schönes Wesen? Spielerisch gibt sich schließlich eine "Versuchung zum Anfassen": das Bildobjekt "Dreh mich Blau" (2014). Den Titel darf man getrost als Aufforderung verstehen.

von Lisa Werner-Art

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