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Galerie Klinger zeigt Arbeiten von Rainer Zille und Stefan Plenkers

"Eine Malerfreundschaft" Galerie Klinger zeigt Arbeiten von Rainer Zille und Stefan Plenkers

Wäre das Leben anders verlaufen, hätte 2015 sicher nicht nur Stefan Plenkers, sondern ebenso Rainer Zille seinen 70. gefeiert. Stattdessen aber war in diesem Jahr auch der 10. Todestag des Letzteren - er verstarb im Oktober 2005 - zu begehen.

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Rainer Zille. Merkwürdige Verkabelung, 2003, Tusche.

Quelle: Galerie

Dresden. Das alles war Anlass für die Galerie Klinger, die "Malerfreundschaft" der beiden Künstler zu würdigen, deren Wurzeln bereits in der Studienzeit an der HfBK Dresden (1967-72) zu suchen sind. Plenkers und Zille fanden sich dort in einer Zeit, die zwischen geistiger Enge sowie "Weite und Vielfalt" pendelte. Zudem war vor Ort noch die Aura eines Dix, Kretzschmar oder Rudolph zu spüren. Hans Theo Richters Kunst wirkte nach, vermittelt über den jungen Gerhard Kettner, während jüngere Lehrer wie Kunze und Horlbeck den Blick für international Modernes zu öffnen suchten.

Plenkers und Zille wurden Teil eines geistigen und personellen Netzwerks, in dem eigenständige künstlerische Positionen entstehen konnten. Von Dresden, wo sie engere Verbindung etwa auch zu Veit Hofmann und Helge Leiberg hatten, spannen sie über Achim und besonders Manfred Böttcher Fäden nach Berlin, hin zum Kreis um Metzkes und hin zur sie alle beeinflussenden Kunst Ernst Schröders. Künstlerfreundschaften und Zirkel waren dazumal im Osten von unschätzbarem Wert. Und im Unterschied zu manchen anderen hatte die enge Verbindung von Plenkers und Zille über alle persönlichen und gesellschaftlichen Veränderungen hinaus Bestand. Das bezeugt nicht zuletzt Plenkers' in die Ausstellung integriertes Bildnis des Freundes 2005.

Die Schau bei Klinger berührt im Rahmen der räumlichen Möglichkeiten wesentliche Züge im Schaffen beider. So findet man - hier von der Hand Zilles - die für die 80er Jahre so typischen Eindrücke von "Hinter der Bühne" (1983, 1986). Ähnliche Konstellationen hatten beide im Zirkus, in Kneipen und natürlich Ateliers gefunden. Diese Milieus waren Basis für immer deutlicher sich abzeichnende Sinnbilder von empfundener Enge, Behinderung und Verlust - letzteres besonders als Reaktion auf die Ausreisewelle in den 80ern. Plenkers' in sich gebrochene, teils an Spiegelkabinette erinnernde, von schwarzen Konturen und Trennungen geprägte Räume sind gut bekannt. Weniger bekannt ist vielleicht die Gruppe locker-beeindruckender, farbiger Tuschearbeiten unter dem Titel "Chronica 87" in der Ausstellung.

Deutlich wird bei Klinger auch die zunehmende Lösung beider vom Gegenstand - besonders nach 1989. Assoziatives und Zeichenhaftes tritt in jeweils unterschiedlichen Ausformungen hervor. So zeigt die Schau einige von Zilles landschaftlichen Szenerien, die stark auf inneren Bildern und Befindlichkeiten beruhen, in die aber auch Anregungen aus der äußeren Welt, etwa durch alte Landmaschinen einflossen. Deren Räder fanden sich in Klein oder Groß auf Bildern wieder, durchaus auch zum Lebensrad mutiert. Häufig entdeckt man zudem Zelte, Boote, ebenso Sonne, Mond und Sterne - alles mehr oder weniger in Zeichen gewandelt. Mit solchen füllte Zille Skizzenbücher, so, wenn er sich mit anderen Kulturen beschäftigte. Plenkers wie Zille besuchten Georgien, Usbekistan und Kasachstan, Bulgarien und Finnland sowie die USA. Vielleicht erlebte Zille unterwegs manche jener Phasen, die in dem wunderbaren Bild "My golden Time" (Parnaß) von 2003 heraufbeschworen werden - Phasen voller Schaffensdrang und Lebenskraft, aber möglicherweise auch auf schwankendem Grund, den man angesichts eines Bootes ebenfalls herauslesen könnte. Wie auch im Fall des starken Bildes "Wenn ich dereinst-" (2001) handelt es sich um eine besonders gelungene Komposition, zumal sie das Formenvokabular der späten Jahre bündeln. "Wenn ich dereinst-" erscheint obendrein wie eine wehmütige Vorahnung, während eine unbetitelte, großzügige Collage (2003) mit viel Grau und Schwarz wohl die neue Realität, die erkannte Erkrankung, annimmt. Diese drei Arbeiten erscheinen im Nachhinein fast als eine Bilanz - voller positiver Gedanken das eine, aber auch voller Wehmut und Trauer die anderen.

Bei Stefan Plenkers hat die Hinwendung zur Zeichenhaftigkeit einen grundlegenden Wandel der Bildsprache herbeigeführt. Auslöser waren ab 1988 wiederholte Chinareisen (einmal auch als Mitglied einer offiziellen Regierungsdelegation, 2003 zur Regierungszeit Gerhard Schröders). Ganz aktuell ist der in der Galerie vorliegende Katalog einer Ausstellung in Shanghai, die im Juli/August stattfand. Die erste Chinareise hatte bei dem gelernten Schriftsetzer die kalligrafische Ader (wieder)belebt. Ein frühes Beispiel der von großzügigen neben- und übereinander liegenden Farbbahnen geprägten Malerei, die organisch mit auffallenden, nicht zwangsläufig schwarzen Zeichen oder zu Zeichen gewordenen Augen, Pfeilen beziehungsweise zeichnerisch-kalligrafischen Figurfragmenten verwoben ist, ist das bei Klinger angebotene, spielerisch angelegte Bild "Lunchin" (1991), das nichts anderes als den chinesischen Mond meint. Der weist auch auf eine humorige Ader des Künstlers, die sich ebenso im großformatigen und lebensfrohen "Kommentar" eines abwesenden Malers zum "Semperopernball 2011" niederschlägt.

Bis 10. Januar, Galerie Klinger, Schönborner Straße 12 in Radeberg OT Liegau-Augustusbad. Mi-Fr 14-18 Uhr, Sa 10-14 Uhr, Weihnachtszeit geöffnet zu den üblichen Zeiten am 23. und 30.12. www.galerieklinger.de

Lisa Werner-Art

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