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Galerie Ines Schulz zeigt Skulpturen des Berliner Bildhauers Hans Scheib

Galerie Ines Schulz zeigt Skulpturen des Berliner Bildhauers Hans Scheib

Hans Scheib betreibt ausschließlich figürliche Bildhauerei, Skulptur in farbigem Holz und Plastik in patinierter, auch bemalter Bronze. Ein Künstler, dessen Figuren heute unüblich viel und deutlich über ihre jeweils persönliche Befindlichkeit mitteilen - das ereignet sich ganz vorn auf der Bühne des Lebens, wo sich das Ich in entwaffnender Direktheit und dementsprechend verständlich seinem Gegenüber kundgibt.

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Hans Scheib. Nadine. Bronze.

Quelle: Galerie Ines Schulz

So ein Bildhauer ist heutzutage beinahe ein Ärgernis auf modern-postmoderner Zeitenkippe dessen, was sich allgemein immer noch Kunst nennt.

Schon Hans Scheibs Kombination expressionistischen Ausdruckswillens mit an der tatsächlichen visuellen Erfahrung orientierter Darstellungsweise macht ihn in der gegenwärtigen Kunstszene zu einem Sonderfall: Scheib kehrt allem abstrakten Formrepertoire - auch dem expressionistischen, das ihm ja eigentlich naheliegen könnte - ungerührt den Rücken. Er findet seine Form unentwegt neu und stellt sie in den Dienst des Ausdrucks seiner stets personal ausgeprägten Geschöpfe. Wie bei lebenden Menschen brauchen wir bloß ihre Körpersprache abzulesen und sofort verstehen wir sie. Geheimnisvoll oder deutungsbedürftig ist nichts hier. Alles liegt taufrisch in der obersten, also sichtbaren Schicht, wo seelischer Ausdruck in Körper und Antlitz erkennbar wird. Dort ist Leben und Welt: Man sehe nicht hinter die Phänomene, sie selbst sind die Botschaft - ein Goethe-Satz, der auch auf Hans Scheibs Kunst zutrifft.

Passendes Beispiel für diese unverstellte Ausdrucksintensität ist die weiß strahlende, schwarz-bunte Bronzestatue der Nadine. Sie steht zentral in die Ausstellung einkomponiert. Diese junge Frau ist derart sparsam bekleidet, dass sie nur in der eigenen Wohnung unterwegs sein kann. Das Baby hat sie an der linken Schulter, rechts erhoben einen Trinkbecher. Plötzlich bleibt sie stehen, was nur heißen kann, jemand ist gekommen. Geschichten ausdenken kann man sich immer - vermutlich handelt es sich um einen Liebhaber, mit dem sie Ärger hat. Nadine guckt nämlich gespannt, aber keineswegs lieb, eher denkt man an ein Katapult vor dem Abschuss.

Nadine, weißer als Schnee, und schwärzer als Ebenholz, verkörpert kein Schneewittchen. Sie ist ein Porträt. Hans Scheib sagt dazu: "Es ist eine Hommage an die moderne Frau, sexy Outfit, bewusst und spielerisch ihr Auftritt in der Gesellschaft, kein Verzicht auf Beruf, Karriere, Kinder und selbstbestimmte Sexualität."

Man fühlt es: von dieser energisch gestrafften Persönlichkeit würde jegliches "sexual harassment" in Lächerlichkeit abprallen. Diese Personalität legt sich als Aura wie ein Spannungsfeld um die großartige Figur. In Worten ist das gar nicht recht zu fassen. Doch sichtbar ist es.

ibis 27. April, Galerie Ines Schulz, Obergraben 21, geöffnet Mo-Fr 10-18.30, Sa 11-16 Uhr

www.galerie-ines-schulz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.04.2013

Heiner Protzmann

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