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Galerie Holger John zeigt zeitgenössische Positionen aus Syrien

"Hier ist Damaskus" Galerie Holger John zeigt zeitgenössische Positionen aus Syrien

Dresdens Kunstszene darf stolz sein auf diesen Galeristen, der selbst Künstler ist und vielleicht genau deswegen voller Ideen steckt, den Finger immer wieder in die sprichwörtliche Wunde legt, sich etwas traut, anderen Mut macht: Holger John.

Bilder, die wehtun. Jaber Al Azmeh zeigt die geschundene Kreatur, die sich immer wieder erhebt: "Rising once again".

Quelle: Galerie Holger John

Dresden. Dresdens Kunstszene darf stolz sein auf diesen Galeristen, der selbst Künstler ist und vielleicht genau deswegen voller Ideen steckt, den Finger immer wieder in die sprichwörtliche Wunde legt, sich etwas traut, anderen Mut macht. Holger John startete vor gut zwei Jahren als Galerist und initiierte seitdem einige durchaus spektakuläre Ausstellungen im sogenannten Barockviertel von Dresden. Erinnert sei nur an "Entartete Kunst" just zum 13. Februar 2014.

Diesen Spagat aus Kunstbetrieb und aktuellem Zeitbezug setzt er fort. Im Oktober avancierte seine Galerie zum "Refugium der Kunst von morgen", stellte "Kinderzeichnungen aus der Flüchtlings-Zeltstadt Dresden" aus und lud Kinder aus aller Welt ein, in seinen Räumen zu zeichnen und zu malen. In logischer Konsequenz sind jetzt zeitgenössische Positionen aus Syrien zu sehen. Unter dem Titel "Overshadowed / Überschattet" stellen fünf Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten aus.

Es sind Bilder, die weh tun. Etwa die Fotografien von Jaber Al Azmeh, der mit einer Auswahl von Pressefotos präsent ist, auf denen Menschen ihre getöteten Angehörigen tragen. Diese Opfer allerdings hat der Künstler gleichsam aus den Bildern getilgt; wo ihre Körper waren, sind weiße Stellen. Eine eindringliche Metapher auf die Lücken, die von allgegenwärtigen Attentaten gerissen werden.

Gewalt spiegelt sich auch in großformatigen Leinwänden von Khaled Barakeh, der Wunden zeigt, die einem Freund während der Folter zugefügt worden sind. Ergreifender können auch Worte die Grausamkeiten nicht schildern. Metaphorisch wirkt ein hölzerner Stuhl, den der in Frankfurt/Main lebende Barakeh aus einer Totenbahre geschaffen hat und dessen Bestandteile sich schon wieder aufzulösen scheinen. Kein Thron ist von Dauer.

Das Politische in der Kunst von Khaled Barakeh ist kein Zufall: "Zu allen Zeiten haben sich Künstler mit dem beschäftigt, was sie umgibt." Er selbst habe sich nie als syrischer Künstler gesehen, aber seit dem Beginn der Unruhen verfolge ihn seine Herkunft: "Ich bin heute syrischer als je zuvor." Das spüre er hier in Dresden wieder in besonderer Weise. Also hat er schon von der hiesigen Situation erfahren? "Wer hat das nicht? Wer hat nicht von diesen Demonstrationen jeden Montag gehört!" Gemeinsam mit seinen Mitstreitern wolle er eine andere Sicht auf syrische Kunst zeigen und gern auch den direkten Kontakt zu syrischen Flüchtlingen in Dresden suchen. Auch das sei kultureller Austausch!

Auf Kommunikation setzt auch Sulafa Hijazi, eine enorm vielseitige Künstlerin und Filmproduzentin, die heute in Berlin zu Hause ist. In ihrer Arbeit verbindet sie Tradition und Gegenwart: Geknüpfte Teppiche etwa, die eine undurchdringliche Mauer darstellen und Angst einflößen. "Ich kämpfe dafür, meine Gefühle und Ideen ohne Grenzen und Zensur auszudrücken. In Syrien herrscht nicht nur politische, sondern auch religiöse und soziale Unterdrückung. Je mehr die Menschen kommunizieren, umso eher sind Konflikte zu überwinden. Das will mit meiner Kunst ausdrücken", sagt Sulafa Hijazi, deren Familie derzeit in zahlreichen Ländern über die Welt verteilt ist.

Auf konkrete Vorgänge in Syrien bezieht sich auch Manaf Halbouni, der in arabischen Schriftzügen "Hier ist Damaskus" und "Widerstand" an die Wänden gebracht hat. Schriftzüge allerdings, die überdimensional in Beton gegossen und mit Stacheldraht umwickelt sind. Der in Damaskus und Dresden ausgebildete Künstler bezieht sich damit auf wichtige Revolutionsslogans. "So ein einziges Wort sagt oft viel mehr aus als ganze Geschichten." Umso mehr betont er aber, dass die fünf hier vereinten Künstler - darunter auch die in der Ukraine geborene und in Syrien aufgewachsene Alina Amer mit ihrer ersten Ausstellungsbeteiligung - in allererster Linie Künstler seien und so auch wahrgenommen werden wollen. "Das ist keine Propaganda. Aber wenn alles im Umbruch ist, spiegelt sich das in unserer Kunst wider." Diese Frage, wo er hingehöre, ziehe sich durch alle seine Arbeiten.

Holger John hat bereits Anfragen aus Berlin und Oslo erhalten, wo Galerien diese Schau gerne übernehmen wollen.

bis 13.Dezember. Galerie Holger John, Rähnitzgasse 17, Mi-So 14-19 Uhr www.galerie-holgerjohn.com

VON MICHAEL ERNST

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