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Gala zur 25. Tanzwoche Dresden beeindruckte das Publikum

Zu Gast im Theater der Landesbühnen Sachsen in Radebeul Gala zur 25. Tanzwoche Dresden beeindruckte das Publikum

Die von Boris Gruhl bestens vorbereitete, gemeinsam mit Eileen Mägel launig moderierte Gala zur 25. Tanzwoche Dresden hat wahrhaft nichts vermissen lassen, brachte im gastfreundlichen Theater der Landesbühnen Sachsen durchweg Auserwähltes auf die Bühne.

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Auch die go plastic company mit Cindy Hammer und Susan Schubert präsentierte sich auf der Gala zur 25. Tanzwoche Dresden in den Landesbühnen im Radebeul.

Quelle: Josef Zschornak

Dresden. Lange Theaterabende müssen nicht zwangsläufig auch langweilig sein. Schon gar nicht, wenn sie so vielseitig angelegt sind, dass einem letztlich sicher der Schädel brummt, man aber dennoch zu schätzen weiß, gerade diese Aufführung nicht verpasst zu haben. Die von Boris Gruhl bestens vorbereitete, gemeinsam mit Eileen Mägel launig moderierte Gala zur 25. Tanzwoche Dresden hat wahrhaft nichts vermissen lassen, brachte im gastfreundlichen Theater der Landesbühnen Sachsen durchweg Auserwähltes auf die Bühne. Das übervolle Programm mit Tänzern von diversen Theatern, Ausbildungsstätten sowie freien Gruppen, auch über die sächsischen Landesgrenzen hinaus, war so kurzweilig aufgestellt, dass es bald unmöglich scheint, sich dabei für nichts und niemanden erwärmen zu können.

Publikumslieblinge der Gala dürften wohl jene tollen Männer gewesen sein, die das Gauthier Dance Theaterhaus Stuttgart nach Radebeul entsandte. Hervorragende Tänzer in eigenwilligen Choreografien von Eric Gauthier, Alejandro Cerrudo und Nadav Zelner. Egal, was sie anhatten oder auch nicht, ob sie mit dem Verwirrspiel klassischer Positionen im „Ballet 101“ (Tanz: Maurus Gauthier), dem heiklen „Blick durchs Fenster“ bei „PacoPepePluto“ (Tanz: David Rodriguez, Maurus Gauthier, Alessio Marchini) oder in „Alte Zachen“ mit Luke Prunty und Alessio Marchini die Zuschauer eroberten – es gelang ihnen mit Witz, Charme, Verstand, und die Arbeiten leben geradezu von der Präsenz dieser Tänzer.

In welcher Reihenfolge jeder den Abend für sich gewichtet hat, fällt gewiss verschieden aus. Da war es allein schon eine Freude, Melissa Hamilton und Denis Veginy vom Semperoper Ballett im Pas de deux aus dem zweiten Akt jener „Dornröschen“-Choreografie nach Petipa zu erleben, die zur Premiere vor einigen Jahren wohl eher öde wirkte. Wie zauberhaft-leicht und mit welcher Anmut nun Melissa Hamilton einen Part daraus vorstellte, ist eine Offenbarung und lässt daran glauben, dass in dieser Kunst vieles möglich scheint, wenn es denn hervorragend getanzt wird.

Das zeigte auch Katherina Markowskaja, die den Dresdnern noch bestens vertraut und nun in München engagiert ist, gemeinsam mit Maxim Chashchegorov. Beide waren quasi als Überraschungsgäste der Gala im Pas de deux aus „Transcended“ von Terence Kohler zu erleben. Ebenso dabei an diesem Abend Iolanda Filipa Almeida und Joel Smal von der Dresden Frankfurt Dance Company, die gekonnt artifiziell in der Antritts-Choreografie von Jacopo Godani auftraten. Wie er das Körperliche fast schon „zerlegt“, sich damit künstlerisch von vielen anderen Choreografen unterscheidet, irritiert erheblich. Und es ist so, als warte man auf das, was noch kommen wird. Wenn es denn kommt, hoffentlich, bald.

Die quasi gastgebende Tanzcompany der Landesbühnen Sachsen hatte sich mit der Choreografie von Petra Zupancic aus „Obsession“ und dem Ausblick auf die bevorstehende Premiere „Silent Movies“ in der Choreografie von Carlos Matos spürbar gut empfehlen können. Und in ihren jeweiligen Eigenarten stellten sich auch Tänzer vom Ballett der Musikalischen Komödie Leipzig, vom Ballett Theater Chemnitz und Plauen-Zwickau sowie ebenso vom Staatstheater Cottbus vor. Letztere waren in der bemerkenswerten Choreografie von Nils Christe „Purcell Pieces“ zu erleben.

Es gibt wohl nichts an diesem Abend, über das man sich wirklich ärgern musste. Selbst die sonst reichlich verqueren Arbeiten von Paul Julius (Leipzig) konnten sich in der Art des schnörkellosen Auftritts von Davina Kramer-Perju noch sehen lassen. Und der Beitrag „siebenunddreißigfünf“ (Ronny Hoffmann) vom Tanzsolowettbewerb der euro-scene Leipzig ist nun mal so, wie er ist, auch mit dem hierzulande bestens vertrauten Geiger Hansi Noack.

Für einen abschließenden Höhepunkt der Gala sorgten schließlich elf junge Tänzer der Staatlichen Ballettschule Berlin. In der geheimnisvoll mit Licht und Dunkel, Entschwinden und Auftauchen spielenden Choreografie von Marco Goecke waren sie mit spürbarer Präsenz dabei. Da muss man sich um künftige tänzerische Qualitäten wenig sorgen, wenn es ein solches Nachwuchspotenzial gibt. Und das hat übrigens auch inmitten der so unterschiedlichen Beiträge zur Gala Felix Berning von der Palucca Hochschule für Tanz mit seiner eigenen Arbeit „human“ assoziieren können. Wie berührend es doch ist, wenn weniger mehr sein kann.

Was schon halbwegs bekannt war und nun auch an diesem Abend mehrfach auf der Bühne betont wurde, ist quasi ein bevorstehender personeller Wechsel in der Verantwortlichkeit für die jeweilige Gala zu den nächsten Tanzwochen. Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch hatte da erfreulicherweise schon mal 25 weitere Jahre im Blick, was vorerst wohl noch eine rhetorische Vision bleibt. Doch immerhin wollen die Landesbühnen Sachsen erklärtermaßen auch weiterhin ein verlässlicher Partner für die Tanzwoche sein. Und das ist, wie man zu sagen pflegt, schon mal die halbe Miete.

Dieser namentlich noch nicht benannte Wechsel in der Verantwortlichkeit für Konzept und Leitung der Gala ist garantiert kein leichtes Erbe, wenn man nun speziell den Maßstab von 2016 anlegt. Da muss man schon umtriebig, hartnäckig und auch ein wenig verrückt sein, um solches mit Lust und Liebe auf die Beine stellen zu können. Möglich aber ist alles. Der Tanz in seiner unglaublichen Vielfalt braucht solche Podien, und das Publikum liebt sie.

Von Gabriele Gorgas

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