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Für die ganze Familie: Unheilig am Dresdner Elbufer

Großes Kino Für die ganze Familie: Unheilig am Dresdner Elbufer

Es soll ja das letzte Mal gewesen sein. Aber wer weiß? Vielleicht kommt der Graf ja doch wieder zurück? Eines Tages. Irgendwie erzeugt Erfolg auch Druck – und so kommt es, dass die Abschiedstournee von Unheilig noch einen weiteren Aufguss einiger Freilufttermine erhält. Auch in Dresden wurde dabei bedacht.

Ein Steg hinein ins Publikum. Da ließ sich der Graf nicht allzu lange bitten.

Quelle: Andreas Weihs

Dresden. Es soll ja das letzte Mal gewesen sein. Aber wer weiß? Vielleicht kommt der Graf ja doch wieder zurück? Eines Tages. Irgendwie erzeugt Erfolg auch Druck – und so kommt es, dass die Abschiedstournee von Unheilig noch einen weiteren Aufguss einiger Freilufttermine erhält. Auch in Dresden wurde dabei bedacht, auf dem mit rund 12 000 Fans restlos ausverkauften Filmnächte-Areal am Sonnabend.

Bevor der Headliner auf die Bühne geht, genießt der Graf die Aufwartung in Form von gleich drei musikalischen Vorgruppen: Be One, Staubkind und Schandmaul. Drei nicht mehr ganz unbeschriebene Blätter in der Szene, die es verstehen, das Publikum mitzureißen. Kein Mitleidsapplaus, sondern ehrliche Begeisterung. Und schon mal die Proben für später: alle Arme hoch und schwenken. Klappt!

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Tausende Fans verfolgten das Konzert von Unheilig am Elbufer

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Als die Dämmerung einsetzt, wummert die Schiffshupe und Bassläufe unterstützen das Grummeln bis zum ersten Höhepunkt der Gefühle, als der Graf – ganz schnieke mit weißem Hemd, Anzug und Krawatte – auf der Bühne einläuft. Die Fans jubeln. Der 46-Jährige weiß, wie er sein Publikum bekommt, er wedelt mit den Armen, tänzelt über die Bretter, die die Welt bedeuten, und singt mit sonorer Stimme. Dazu kommt eine gleißende Lichtorgel, die das wabernde Fan-Meer aus hochgehaltenen Armen überstrahlt.

Der Graf gibt nicht nur stimmlich, sondern auch körperlich Vollgas. Immer wieder misst er die Bühne mit ausladenden Schritten von rechts nach links aus und vergisst dabei auch nicht den Steg, der einige Meter ins tosende Publikum hinein reicht. Arme recken sich ihm entgegen, viele der Körper tragen auch T-Shirts mit dem Konterfei des Sängers. Und manchmal hält der inne und genießt still den Augenblick. Wohlwissend, dass es ihm (vielleicht) nur noch wenige Male vergönnt ist, diesen Anblick aufzunehmen. Unheilig ist auf Abschiedstournee, und glaubt man den Verlautbarungen, wird am 10.September in Köln endgültig der letzte Vorhang fallen. Für immer und ewig?

Obwohl das Konzert mehr an eine rauschende Party erinnert, halten sich schlagerhafte Pop-Hymnen und Balladeskes in ausgewogener Balance. Stimmlich meistert der Sänger beides, doch – wie man hier sieht und hört – ist er mehr der Unterhalter, die „Rampensau“, die alle vor ihm „haben will“, bis in die letzten Reihen des riesigen Areals. Dafür bedient er sich immer wieder althergebrachter und seit ewigen Zeiten im Pop-Business erprobter Mittel. „Wollen wir noch mal gemeinsam singen?“ Was soll man schon auf diese Frage antworten, mitten in der Fanmasse? Na klar! Und los geht’s… Schon lange hat sich der Sänger seines Jacketts entledigt, wirkt deswegen aber keineswegs weniger adrett und elegant, als er die Chöre seiner Jünger dirigiert und die Arme breitet, als wolle er fliegen.

Unheilig haben in den 16 Jahren ihres Bestehens eine düstere Aura um sich herum aufgebaut. Das liegt wohl weniger an der Musik als an den Texten. Die enthalten gern mal eine Prise Romantik, sind aber auch melancholisch, manchmal verklärt, gefühlvoll, mystisch, mit Metaphern, fast immer mit Pathos. Zusammen mit der Musik, die eben eher dem Pop und Schlager zuzuordnen ist, wirken auch gesungene Weisheiten wie „Morgenstund’ hat Gold im Mund… Das Glück ist mit den Tüchtigen … Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum…“ nicht mehr ganz so platt. Und sie lassen sich leicht mitsingen. So wie auch die Texte vieler anderer Hits. „Geboren um zu leben“, „Lichter der Stadt“, „Große Freiheit“, „So wie du warst“ – hier kommen sie noch einmal alle, unter freiem Himmel, der dieses Mal nicht weint. Trotz des Abschieds. Der Graf gibt sogar einen kleinen Blick in die Zukunft preis: „Mein Leben ist die Freiheit“ ist ein neues Stück, das auf dem geplanten kommenden Album von Unheilig erscheinen soll und hier schon einmal vorgehört werden kann. Inklusive Test zur Mitsing-Tauglichkeit.

Auf der großen Bühne am Elbufer wird klar: Unheilig sind schon lange kein Geheimtipp mehr für musikalische Minderheiten. Zu gemischt ist das Publikum, den „typischen“ Unheilig-Fan scheint es nicht (mehr) zu geben. Unheilig heute, allen voran der Graf, bieten Unterhaltung für die ganze Familie, machen Multifunktionsmusik, die zu (fast) allen Anlässen das Passende bietet, aber nirgendwo aneckt.

Von Andreas Weihs

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