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Für den Kreuzchor um die ganze Welt

Für den Kreuzchor um die ganze Welt

Für Louise Willey gibt es selbst im Advent kein Zögern: "Selbstverständlich fahre ich nach Dresden!" Seit Jahren müssen Eltern und Geschwister Weihnachten auf die Australierin verzichten: Die pensionierte Beamtin zieht es zum Jahreswechsel stets nach Dresden.

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Louise Willey auf den Bänken der Kreuzkirche: Bei einer Europareise verliebte sich die Australierin in Dresden.

Quelle: dpa

Dresden/Canberra. Da sind die Schönheit der Stadt und der Winter - in der Heimat liegt das Fest in der warmen Jahreshälfte. Der entscheidende Grund aber sind gut 100 Jungen mit engelsgleichen Stimmen - der Dresdner Kreuzchor.

"Mir ist das musikalische Erlebnis wichtiger als das traute Heim", sagt Willey. "Weihnachtsoratorium, Weihnachtsliedersingen, Christvesper und -mette, alles höre ich mir an." Auch im Sommer kommt die kleine zierliche Dame regelmäßig an die Elbe, gerade war sie mit den Kruzianern auf Dampferfahrt. Willey, zwei Monate auf Tour in Großbritannien, Thüringen, Sachsen-Anhalt und im Ruhrgebiet, ist ausgemachter Kruzianer-Fan. Ihr Herz schlägt ebenso für die Kreuzkirche als Heimstatt des weltberühmten Knabenchors. Sie übernimmt Kirchendienste und hat Geld für die Sanierung gespendet. Entdeckt hat die ehemalige Verwaltungschefin eines Ministeriums die Stadt auf einem ihrer jährlichen Trips durch Europa. "Ich reise gern", sagt die 55-Jährige. Ein Besuch in Dresden ist ein Muss - vor allem wegen des Kreuzchors. Die Stadt lag erstmals zur Jahrtausendwende auf ihrer Route. "Ich hab einen Tagesausflug von Berlin gemacht", erzählt sie. "Als ich am Fluss entlang ging und das Altstadtpanorama sah, habe ich mich mehr oder weniger verliebt." Auch die Kreuzkirche fand sie gleich wunderschön, wegen des massiven und schmucklosen Kreuzes an der Decke. "Es ist eine einfache Schönheit." Als sie dann noch eine Kreuzchor-Vesper besuchte, war es um sie geschehen. "Die Jungs sehen niedlich aus, ihre Stimmen sind wunderschön und sie arbeiten sehr hart", spricht sie beeindruckt und stolz wie eine Mutter.

Seit dieser Entdeckung kommt sie jedes Jahr. "Ich habe großes Glück, dass ich so gern reise und es mir auch leisten kann", sagt sie. "Es ist ein teurer Spaß, aber es lohnt sich auf alle Fälle." 31 Jahre war die studierte Volkswirtin im Staatsdienst. Als der Etat 2011 drastisch reduziert wurde, wurde sie in den Ruhestand versetzt. Willey war nicht traurig, denn bei 20 Urlaubstagen im Jahr ist das Reisen schwierig. Deutschland-Besuche, Abendkurse und die deutsche Gemeinde in Canberra belebten die nach der Schulzeit verschüttete Sprache wieder. "Meine Vorliebe für Deutschland ist gewachsen", bekennt die zierliche Dame in perfektem Deutsch. Vor allem die Geschichte des Ostens interessiert sie. "Die Art des Umgangs mit der zweifachen Diktatur ist bemerkenswert."

Am Kreuzchor fasziniert sie die Glauben stärkende sakrale Musik - und Willey hat inzwischen auch ein paar Freunde an der Elbe. Ein Mal durfte sie zu einer Chorprobe - und die Jungs haben ihr applaudiert. "Das war eine Ehre." "Dass jemand aus Australien extra nach Europa fliegt, um den Dresdner Kreuzchor zu hören, ist für uns ein besonderer Grund, auf unser Publikum stolz zu sein", findet Kantor Roderich Kreile.

Laut Chormanager Uwe Grüner kommen auch einige Japaner vorbei, wenn sie in Europa sind. Die Australierin aber sei eine Ausnahme unter den Fans. Mit ihrer Begeisterung für die Kruzianer versucht Willey auch Freunde und Bekannte anzustecken, verschenkt Konzertkarten und CDs. "Der Chor gibt mir so viel, da möchte ich etwas zurückgeben", sagt sie. Die Australierin - ledig und kinderlos - ist auch eine Art Erbtante der Kruzianer. "Wenn etwas übrig bleibt, bekommt es der Chor."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.06.2014

Simona Block

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