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Fünf, die auszogen, den Ostrock zu retten: City spielten in Dresden

Fünf, die auszogen, den Ostrock zu retten: City spielten in Dresden

So manchen Winter haben die Kings vom Prenzlauer Berg bereits überstanden, das können sie nicht leugnen, nicht nur die Haare haben sich komplett verabschiedet, sie halten auch eine Musik am Leben, die heute so nicht mehr existieren würde, wenn sie nicht mit manchem Kraftakt aus den 70ern gerettet worden wäre.

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Sänger Toni Krahl (rechts Georgi Gogow).

Quelle: Andreas Weihs

Vor diesem Hintergrund können die fünf Musiker nebst Bläsersatz und gesanglicher Verstärkung behaupten: "Es ist immer noch Sommer". Die Fans blicken dazu verzückt auf die Bühne und glauben ihnen. Neues Publikum mussten sich City kaum erspielen, sie vertrauen auf diejenigen, die den Ostrock noch immer lieben, die sich mal vom nach vorn tretenden Keyboard überraschen lassen, aber noch lieber die Stromgitarre hören wollen, jene Leute, die schon immer eine Platte von Simon & Garfunkel im Schrank stehen haben und die Bob Dylans Texte kennen. Genau diese Fakten haben City vor Augen gehabt, als sie mit ihrem Jubiläumsalbum an die Öffentlichkeit gegangen sind. "Für immer jung" ist die Hommage an Dylan und auch die Erkenntnis, dass die "Bridge over troubled water" noch begehbar ist. Sie haben nach 40 Jahren kein Best Of zusammengestellt, sondern neu gedacht und sich eingebracht, die Fans wussten das zu würdigen.

Seit Wochen schon war ihr Dresdenkonzert ausverkauft. Der Schlachthof war rappelvoll, in der Luft hing ein schwerer Biergeruch, und im Publikum machte sich bereits nach dem ersten Song Verzücken breit. Im Hintergrund der Bühne ragte der Fernsehturm empor, links davon das Brandenburger Tor. Dieses Bild war nie als Provokation gedacht, stand allein um die Herkunft zu verdeutlichen, und "Für immer jung", das Eröffnungsstück des Abends, war rockig und gefühlsbetont genug, dass sich alle Gäste darin wiederfanden. Das neu hinzu gestellte Bläser-Trio hat weniger für einen jazzigen Anstrich gesorgt, mehr für einen eigenen Schwung.

Was dann folgte, war ein interessanter Mix der letzten 40 Jahre. Aus dem "Glastraum" aufgewacht, ging es wieder hinüber zur neuen Platte. Stücke wie "Frei" oder "Die 20 Gebote" passten nahtlos in den präsentierten Reigen. Das galt auch für Bettina Wegners "Sind so kleine Hände". Auf der aktuellen CD kommt der 1979 veröffentlichte Text zu neuen Ehren. Das Stück ist eine Aufforderung zum respektvollen und engagierten Umgang mit Kindern, die Thematik kann nicht unmodern werden, und mit der passenden Musik wirkt dieses Stück auch nicht altmodisch. Das war am Sonnabend auch gar nicht das Besondere, es war etwas anderes, woran man merkte, dass an dem Abend der Ostrock wachgeküsst wurde. Es war ganz einfach die Art, wie mit Texten umgegangen wird. So häufig wird man nicht mehr Zeuge, dass aufgrund einer Textzeile Beifallsbekundungen laut werden. Am Ende des Liedes heißt es "Leute ohne Rückgrat hab'n wir schon zuviel" - darauf kam es zu einer gemeinsamen Reaktion, vergleichbar mit Liedermacher Konzerten von vor 1989.

Dass City ihre Videowand nicht ganz professionell bespielten, die Einblendungen manchmal wackelten, die entsprechenden Themenbilder nicht ganz scharf waren, sind alles Begleitumstände, die nicht weiter ins Gewicht fielen, den Menschen wurde das Konzert geboten, was sie erwarteten, inklusive "Wand an Wand", "Am Fenster" und "Casablanca", alle drei Gassenhauer aufgespart für die letzten 20 Minuten des Konzerts.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.03.2012

Stephan Wiegand

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