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Fünf Solisten mit fünf Mal Beethoven bei der Dresdner Philharmonie

Fünf Solisten mit fünf Mal Beethoven bei der Dresdner Philharmonie

Die erste "Wanderschafts"-Spielzeit der Dresdner Philharmonie durch mögliche und unmögliche Spielstätten der Stadt böte ein ergiebiges Feld für Erkundungen in den Phänomenen der Publikumsstruktur.

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Alexej Gorlatch

Quelle: Akira Muto

Beispiel: Während man in Albertinum oder ICC einen gewachsenen Anteil junger Zuhörer registrieren kann, erschien am Wochenende im Schauspielhaus nahezu ausschließlich die betagtere Generation. Und dies, obwohl sich das Orchester explizit junge Solisten eingeladen hatte. Interessiert sich tatsächlich kein junger Mensch für Altersgenossen, die Beethoven spielen? War deren Auftreten zu wenig kommuniziert worden? Das Schauspielhaus als Konzertort nicht genehm? Oder hatten die Jüngeren wegen kurzfristigerer Freizeitplanung schlicht das Nachsehen gegenüber den treuen Anrechtlern, die sich frühzeitig die vergleichsweise wenigen Plätze im Theaterbau sicherten? Jede Menge Fragen, auf die längst nicht allein mittels Spielplan- , Karten- und Öffentlichkeitspolitik des Orchesters Antworten gefunden werden müssen, sondern auch hinsichtlich der Möglichkeiten, die ein angemessen großer und angemessen ausgestatteter Konzertsaal böte, um mit dem stadteigenen Orchester allen Menschen etwas zu bieten. Das alte Lied also, während im Kulturpalast das große Schweigen herrscht.

Das Alte heutig zu betrachten, luden derweil drei von Chefdirigent Michael Sanderling geleitete philharmonische Auftritte ein, die sich ausschließlich den Klavierkonzerten Ludwig van Beethovens widmeten. Was in keinster Weise eintönig war, ermöglichte es doch einen konzentrierten Blick auf die Entwicklung kompositorischer Handschrift binnen einer Gattung im Zeitraum von 16 Jahren - in diesem Fall von Mozartschen Nachklängen zu originär Beethovenscher Sprache, deren Klang und Form wiederum Ausgangspunkt für Nachfolgendes wurden. Zusätzlichen Reiz erhielt die Konstellation durch besagten Einsatz von fünf aufstrebenden Solisten. Keiner unter ihnen, der nicht in den letzten Jahren erste Preise bei internationalen Wettbewerben errungen hätte. Von Beethoven entsprechender technischer Souveränität muss hier also gar nicht die Rede sein, sie darf vorausgesetzt - und auch bestätigt - werden.

Gemäß der Zählung hintereinander hören konnte die Konzerte, wer den Sonntagvormittag und -abend im Schauspielhaus verbrachte. Für Nr. 1 betrat Alexej Gorlatch die Bühne, wobei es der gebürtige Ukrainer, der seit seinem dritten Lebensjahr in Deutschland lebt, ja eigentlich mit dem zweiten Klavierkonzert zu tun hatte, das nur der früheren Herausgabe wegen zum ersten wurde. Gorlatch, Jahrgang 1988, gab der energetischen Spielfreude des Konzerts eine wunderbar leichtfüßige Note mit auf den Weg. Sein erfreulich uneitles Spiel vermied jedwede deplatzierte Wucht, ließ aber zugleich das Largo etwas blass erscheinen, da melodiöse Linie hier nur vom Orchester geformt wurde, während der Solopart eher nüchtern blieb.

Mit 38 der Älteste im Solistenbunde, gab sich Florian Uhlig um einiges selbstbewusster, freilich trotzdem mit Achtung gegenüber dem Werk, wie überhaupt keiner der jungen Musiker Beethoven gegen den Strich bürsten zu müssen glaubte. Uhlig, geboren in Düsseldorf, heute in London lebend, fand in beiden Ecksätzen des 2. Konzerts eine sehr schöne Balance zwischen Motorik und Gesanglichkeit, zeigte sich als Arbeiter am Detail und im Adagio mit viel Mut zu spannungsvollem Pianissimo.

Etwas exaltiert erschien der u.a. in Dresden ausgebildete Alexander Schimpf. Zwar schrieb der 32-Jährige gebürtige Göttinger dem Kopfsatz des einzigen Moll-Konzerts eine ansprechend elegante Note ein, doch insgesamt wirkte seine Interpretation etwas fahrig, was ein wenig den Blick verstellte auf die neue Qualität des Solo-Tutti-Verhältnisses, die Beethoven in Nr. 3 erreicht.

Wie parallel zum individualistischer werdenden Solo der Orchesterpart zunehmend sinfonische Züge aufweist, das machten Sanderling und die Philharmoniker wunderbar deutlich, erst recht mit den Nummern 4 und 5. Das bis dato gezeigte vorbildliche Miteinander im Begleiten gaben sie gleichwohl in keinster Weise auf, was insbesondere im G-Dur-Konzert mit Herbert Schuch zu einem Höhepunkt führte. Der 33-Jährige, geboren im rumänischen Timisoara, seit Ende der 1980er Jahre in Deutschland daheim, vereinte in seiner in sich ruhenden Spielweise auf beglückende Art Konzentriertheit und Spielfreude. Ein berückend intensives Andante mit tief ausgeloteter Gegensätzlichkeit stand zwischen zwei Ecksätzen voller Raffinesse in der Detailarbeit, in denen Schuch zudem - entsprechend der auf Verwobenheit setzenden kompositorischen Anlage - auf passgenaue Interaktion mit Sanderling und dem Orchester setzte.

Völlig gegenteilig agierte Sophie Pacini, mit Jahrgang 1991 die jüngste unter den Solisten, im 5. Klavierkonzert. Die gebürtige Münchnerin pflegte hier einen introvertierten, wenn nicht gar distanzierten Stil. Ihr zweifelsohne brillanter Ton wog das nicht so recht auf, zumal es ihm in den virtuosen Passagen noch ein wenig an struktureller Kontur fehlte. Da half ihr am Ende durchaus, dass sie das wohl bekannteste der fünf Konzerte unter den Fingern gehabt hatte.

Mit ihm endete eine spannende Begegnung mit fünf Pianisten, deren weiteren Weg zu verfolgen interessant sein wird. Schade nur, dass sie sich nicht so recht darauf verlassen wollten, sich durch ihr je individuelles Beethoven-Spiel in der Erinnerung der Hörer zu verankern. Dass sich jeweils eine Zugabe den Konzerten anschloss, bekam den Beigeschmack eines internen Wettstreits um den originellsten, die meisten "Ahs" einheimsenden Beitrag. Darauf zu verzichten hätte Größe bewiesen und das Programmkonzept schlüssiger gemacht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.03.2013

Sybille Graf

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