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Frühe Malerei von Hubertus Giebe in Freital - Hommage zum 60. Geburtstag

Frühe Malerei von Hubertus Giebe in Freital - Hommage zum 60. Geburtstag

Manches Bild der Ausstellung in den Städtischen Sammlungen Freital, etwa "Die Kaserne (Weg mit Feuermauer)" von 1974, scheint in seiner Anmutung Hans Grundigs "Kalte(r Nacht" (1928) ähnlich - wieder zu sehen jüngst erst in der Schau zur "Neue(n) Sachlichkeit in Dresden".

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Hubertus Giebe: Selbstporträt...

Quelle: Museum

Allerdings entstand das in Freital-Burgk Gezeigte nicht in den 1920er/30er Jahren. Es sind vielmehr frühe Reflexionen des Dresdner Malers Hubertus Giebe aus der "Dresdner Neustadt: Zwischen Frühlingsstraße und Lutherkirche". Anlass der Präsentation ist dessen unmittelbar bevorstehender 60. Geburtstag am 15. November. Eine da beginnende Exposition von Handzeichnungen in der Dresdner Kunsthandlung Koenitz setzt schließlich den Schlusspunkt in einem für den Künstler ausstellungsreichen Jubiläumsjahr (siehe auch DNN vom 13. Februar 2013).

In Freital richtet sich der Fokus auf jenen jungen Mann, den Eva Strittmatter, sich an die ersten Begegnungen erinnernd, so charakterisierte: "-das Auffallendste an ihm waren, -.., die ganz hellen Augen, Augen eines Kindes und eines Fanatikers zugleich." Giebe war - noch nicht 18-jährig - wegen des Abendstudiums an der Hochschule für Bildende Künste (1969-1972) voller Leidenschaft und Hoffnung vom Erzgebirge nach Dresden gekommen. Bald musste er allerdings feststellen, dass die großen Tradition, etwa der "Brücke" und eines Dix, keineswegs mehr lebendig, das Band zur Vorkriegsmoderne weitgehend zerrissen war. Giebe wollte von letzterer allerdings keineswegs lassen, den Leipziger Beckmann eingeschlossen. Es war kein Zufall, dass er sich 1978 schließlich, nach Abbruch des Dresdner Studiums (1974-1976), gen Leipzig wandte. Bei Bernhard Heisig wurde er nach einem externen Diplom Meisterschüler, schuf er sich jene Grundlagen, die es ihm zudem wenig später als Lehrendem an der Dresdner Hochschule (1979-1991) ermöglichten, neue Akzente zu setzen - gemeinsam mit Johannes Heisig, Rektor der letzten DDR- und frühen Wendejahre.

Die "Freitaler" Bilder, zwischen 1972 und den beginnenden 1980er Jahren entstanden, führen die Herausbildung einer Handschrift vor Augen, die später vor allem im Kontext der Auseinandersetzung mit den großen Fragen des 20. Jahrhunderts - angeregt etwa durch Grass' "Blechtrommel" und Peter Weiss' "Ästhetik des Widerstands" - jene Reifung erfuhr, die zu den großen, für das Werk zentralen "Geschichtsbildern" führte. Am Beginn aber, wie jetzt zu sehen, steht die Konzentration auf die unmittelbare Lebensumwelt sowie Porträts, darunter zahlreiche Selbstporträts. "Treppenhaus Frühlingsstraße 12 (bei Fichte)" von 1972 oder "Mein Zimmer in der Frühlingsstraße 12 (bei Fichte)" von 1974 spiegeln die Kargheit der Lebensumstände des jungen Künstlers wie der ganzen sich in der Dresdner Neustadt versammelnden Szene jener Jahre, auf die sich ein Bild wie "Nachtcafé" (1977/78) beziehen könnte. Porträts des jungen Wolfgang Smy ("Bildnis Wolfgang Smy in der Frühlingsstraße 12", 1975) oder der Dichterin Gabriele Eckardt (1977) erinnern an einige "Köpfe" aus der damaligen "Bohème". Dabei war Giebe möglicherweise etwas "einsiedlerischer" als andere. Gemalte kahle Treppenhäuser und karge Kammern sind durchaus keine Attitüde, weisen vielmehr auch auf die auf das Wesentliche abzielende Haltung.

Zugleich zeigen viele der Bilder ein "sich Ausprobieren". Am ausgeprägtesten sind neusachliche oder veristische Züge. Allerdings bekommt ein Blick in die "Görlitzer Straße" (um 1978) mit ihren zusammenrückenden Häusern fast Meidners Expressivität. Eins der wohl bekanntesten Selbstporträts von damals ("Stilleben mit Mohnblumen", 1974) erinnert in seiner strikten Strenge, aber auch seiner Komposition mit dem Ausblick in die Landschaft an nicht wenige Selbstbefragungen von Künstlern um 1933 und kurz nach 1945. Andernorts wieder entdeckt man möglicherweise, ganz sparsam, durchaus Züge der "Dresdner Malkultur" - etwa im Porträt der jungen Marlies Giebe.

Die mitunter überraschende Ausstellung vermittelt wohl auch das Bekenntnis zu einer traditionsgebundenen Haltung, die gleichwohl nicht in der Tradition "hängen bleibt". Und sie ist ebenso Bekenntnis zu der damit verbundenen Ernsthaftigkeit, was das künstlerische Selbstverständnis, einschließlich des "Handwerks", betrifft - die Arbeit am Menschenbild eingeschlossen. Diese Haltung zeigt sich auch in einer "Johannes Wüsten - Hubertus Giebe" gewidmeten Grafik-Präsentation in Görlitz (zuvor in Pulsnitz). Beide Künstler berühren sich im Geschichtsbezug ihrer Arbeiten, die letztlich die jeweilige Gegenwart meinen - beispielhaft dafür Giebes Blätter zur "Blechtrommel". Dass mit dem gebürtigen Görlitzer Wüsten (1896-1943) zugleich an einen der Wiederentdecker des Kupferstichs im 20. Jahrhundert erinnert wird, der wegen seines Schicksals in der Nazizeit - er starb nach Jahren der Emigration im Zuchthaus Brandenburg - zeitweise fast vergessen schien, sei noch angefügt.

iStädtische Sammlungen Freital: bis 24. November, Di-Fr 13-16, Sa/So 10-17 Uhr, museum@freital.de

www.freital.de

Galerie Brüderstraße Görlitz: bis 2. März 2014, galerie@goerlitz.de

www.kultur-service-goerlitz.de

Kunsthandlung Koenitz: Hubertus Giebe - Handzeichnungen, Eröffnung 15. November, 18 Uhr, bis 5. Januar 2014

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.11.2013

Lisa Werner-Art

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