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„Friends + Design“ im Kunstgewerbemuseum Pillnitz

Sommerliche Experimente „Friends + Design“ im Kunstgewerbemuseum Pillnitz

Spielerisch zeigt sich heutiges Design. So wundert es nicht, dass Tulga Beyerle, die Chefin des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Idee hatte, junge Designer mit bereits gutem internationalem Ruffür die „Friends + Design“ einzuladen.

Designertreff in Mailand: auf dem Sofa T. Alonso, M. Hahn, M. Young, J. Seymour, R. Hutton, B.L. Wood & Ph. Malouin (v.l.), hinten T. Beyerle & M.C. Didero.

Pillnitz. Schloss Pillnitz im Sommer vermittelt ein Gefühl von Unbeschwertheit und Freiheit. Die üppige Natur lädt ein zum Verweilen und Träumen. Südliche Pflanzen geben dem Park einen Hauch Exotik – gegenwärtig verstärkt, da die Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen mit Pflanzungen, Garteninstallationen und einer Ausstellung Gustav Hermann Krumbiegels, des sächsischen „Gärtners des Maharadschas“, gedenken, der einst in Indien zu hohem Ansehen kam. Alles – das Pillnitzer Schloss mit seinen chinoisen Wandmalereien eingeschlossen – erinnert daran, dass hier seit den Zeiten Augusts des Starken ein Ort der Leichtigkeit und des Spielerischen war.

Spielerisch zeigt sich oft auch heutiges Design. So wundert es nicht, dass Tulga Beyerle, die Chefin des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Idee hatte, junge Designer mit bereits gutem internationalem Ruf einzuladen, diese Atmosphäre für ein freundschaftliches Zusammenwirken, ungetrübt von der natürlich auch in diesem Metier vorhandenen Konkurrenz, zu nutzen. Das Ergebnis ist eine kleine Präsentation unter dem sich aus der Situation fast zwangsläufig ergebenden Motto „Friends + Design“.

Zusammen mit ihrer Ko-Kuratorin Maria Christina Didero stellte Beyerle den sieben Beteiligten, denen sie unter anderem auf der Mailänder Möbelmesse 2016 begegnete, die aber noch nie zusammen gearbeitet haben, drei Aufgaben im Namen der Freundschaft. Deren Ergebnisse lassen sich nun bis Saisonende in drei Räumen des Wasserpalais betrachten, teils auch bestaunen. Für drei der Beteiligten – den Briten Michael Young, der in Hongkong und Belgien lebt, den Niederländer Richard Hutten, der in Rotterdam zu Hause ist, sowie den Britisch-Kanadier Jerszy Seymor, der sich in Berlin niedergelassen hat – ging es darum, ein gemeinsames Produkt zu kreieren. Dieses erweist sich als äußerst apartes und kostbares Schwergewicht. Es ist ein großer Tisch aus weißem Marmor, bei dem gleichwohl unterschiedliche Noten gesetzt wurden. Ist die eine der die Platte tragenden Stützen sehr glatt gehalten, zudem mit einer runden Aussparung versehen, ist die andere an den Kanten „bildhauerisch“ so bearbeitet, dass man an eine Bruchkante erinnert wird. Die Platte schließlich ist aufwendig mit zeichenhaften Intarsien von unterschiedlich farbigem Marmor versehen. Es ist ein wahrhaft exklusives Stück!

So verwundert es auch kaum, dass ein möglicher Erwerb fürs Haus in diesem Fall an den limitierten finanziellen Möglichkeiten scheitert. Gleichwohl müssen die Schöpfer nicht traurig sein. Wie zu hören war, ist ein potenter Abnehmer schon in Sicht. Anders ist es mit den zwei außergewöhnlichen Betten, die die zwei Wahllondoner Bethan Laura Wood und Philippe Malouin, sie Britin, er Kanadier, entwickelten. Ihre Werke werden zukünftig den Bestand modernen Designs des Kunstgewerbemuseums erweitern. Die Aufgabe der beiden war es, jeweils „in den Kopf des anderen zu schlüpfen“, das heißt, in der Art des anderen ein Objekt zu schaffen. Sie wählten das Bett – ein sehr persönliches Möbel. Das eine ist aus feinst bearbeiteten Holzkugeln zusammengesetzt, die in dezentem Farbverlauf zwischen beige, grau und rosé-orange changieren und von grauer, dezent gemusterter Bettwäsche ergänzt werden. Die andere Bettstatt wurde von einem von Malouin designten Hocker inspiriert, wirkt etwas „kompakter“. Beide haben ihre Betten mit Lampen, Nachttischen, Wandschmuck und ähnlichem aus der Sammlung im Geist des jeweils anderen ergänzt. Warum allerdings der Wandteppich ausgesucht wurde, der ziemlich folkloristisch wirkt, will nicht so recht einleuchten. Die Betten selbst aber würde wohl mancher oder manche gern haben.

Zwischen diesen beiden Räumen haben die Wahllondoner Mathias Hahn und Tomás Alonso, Deutscher der eine, Spanier der andere, ihren Platz. Sie waren angehalten, sich gegenseitig ein Geschenk zu machen. Nach einigem Überlegen hatten die beiden eine unkonventionelle, aber gar nicht so fern liegende Idee: Sie schenkten sich gemeinsame Zeit. Diese verbrachten sie damit, dass sie sich von London aus mit dem Auto auf den Weg nach Dresden machten und dabei noch existierende Manufakturen, Werkstätten oder besondere Fabriken aufsuchten, darunter den letzten englischen Betrieb für handgefertigte Schuhe in Southampton. Von überall – darunter auch ein Hersteller für 3D-Strickmaschinen, ein Hersteller besonderer Fahrräder, eine Glasbläserei, eine Messermanufaktur – nahmen sie etwas mit, das die reichen Fertigungstraditionen West- und Mitteleuropas vor Augen führt. Den Abschluss fand diese von ihnen im Film fest gehaltene Entdeckungsfahrt am Bauhaus Dessau. Den können die Besucher der Ausstellung ebenso sehen wie die „Mitbringsel“, die die beiden in Regalen präsentieren. Manufactum einmal anders! Damit berühren sie jenen Punkt, weshalb Kunstgewerbemuseen einst gegründet wurden: qualitativ hochstehende Produkte und Verfahren als Mustersammlung zu bewahren.

Wieder einmal lockt ein interessantes Unterfangen nach Pillnitz, ins Wasserpalais. Und wenn alles gut geht, das heißt genügend Geld eingeworben werden kann, könnte sich das Kunstgewerbemuseum mit „Friends + Design“ auf der Mailänder Möbelmesse präsentieren, wie Tulga Beyerle jüngst beim Pressetermin andeutete. Denn nicht zuletzt ist es auch ein Ziel solcher Aktivitäten, das Museum stärker in den internationalen Diskurs zu bringen, ihm neues Publikum zuzuführen.

bis 1. November, 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen

www.skd.museum/kunstgewerbemuseum

Von Lisa Werner-Art

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