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Freitaler Ausstellung zum 125. Geburtstag von Otto Dix

Schloss Burgk Freitaler Ausstellung zum 125. Geburtstag von Otto Dix

In den Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk hat man Dix eigentlich immer „im Sinn“. Schließlich besitzt das seit mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreich von Rolf Günther geleitete Museum neben vielen anderen sehenswerten Werken neun Gemälde des Künstlers – ein Umstand, der heute hier und da immer noch – weil oft unbekannt - mit Staunen zur Kenntnis genommen wird.

Wilhelm Dodel. Die Weltentrückten, um 1932, Privatbesitz.

Quelle: Städtische Sammlungen Freital auf Schloss Burgk

Dresden. In den Städtischen Sammlungen Freital auf Schloss Burgk hat man Dix eigentlich immer „im Sinn“. Schließlich besitzt das seit mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreich von Rolf Günther geleitete Museum neben vielen anderen sehenswerten Werken neun Gemälde des Künstlers – ein Umstand, der heute hier und da immer noch – weil oft unbekannt - mit Staunen zur Kenntnis genommen wird. So passt es gut, dass die Gelegenheit des 2016 noch anstehenden 125. Geburtstages von Otto Dix (2. Dezember 1891 – 25. Juli 1969) beim Schopfe gepackt wurde, um an den Künstler zu erinnern – übrigens ein Unternehmen, dass Freital derzeit ein Alleinstellungsmerkmal verschafft. Gleichwohl würde es eine Einrichtung wie in Freital-Burgk sicher auch finanziell überfordern, sich allein diesem Künstler zu widmen. Wenn aber schon in dieser Hinsicht nicht reich, so war man in diesem Museum schon immer reich an Ideen und an Vermögen, aus den Gegebenheiten – einer Kunstsammlung, die besonders den Bogen durch die Dresdner Kunst des 20. Jahrhunderts schlägt -, etwas zu machen.

Und so bedeutet der gewählte Ausstellungstitel „Dix im Sinn“, sich vor allem zu fragen, welche Künstler mehr oder weniger von ihm inspiriert wurden und dabei vor allem auf jene zu schauen, die sich einst zwischen 1927 und 1933 in seiner Malklasse drängelten, bis er bekanntlich am 30. April von dem ihn hassenden, zum Rektor aufgestiegenen Richard Müller entlassen wurde. Und natürlich darf eine solche Schau auch die Frage nach möglichen „Fernwirkungen“ dieser Dixschen Etappe einschließen.

In gewisser Weise knüpft „Dix im Sinn“ an die große Ausstellung der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden „Die Neue Sachlichkeit in Dresden“ an. Auch hier in Freital – wie sollte es anders sein, da Dix im Mittelpunkt steht – wird die Breiten- und Fernwirkung der Neuen Sachlichkeit auf heimische Künstler, zuvorderst seine Schüler, sichtbar. Diese Wirkung reicht aber ebenso bis in die „Enkelgeneration“, wie nicht zuletzt das Beispiel Hubertus Giebe zeigt, der gerade in seinen Anfangsjahren sich stark auf Dix orientierte, bevor auch Beckmann für ihn ganz wichtig wurde.

Was die aktuelle Präsentation, die sich auf schöne Weise mit der ständigen Ausstellung verbindet – zumal bewusst nicht alle Dix-Gemälde in die Sonderausstellung einbezogen wurden -, wieder besonders auszeichnet, ist nicht zuletzt, dass sie auch zu einer Art Entdeckungsreise wird. Dabei hat der eigene Bestand – an qualitätvollen Arbeiten auf Papier, aber auch Gemälden – vieles zu bieten. Zugleich konnte man sich auf die Hilfe von Partnerinstitutionen wie der Städtischen Galerie Dresden stützen.

Kennt man zum einen Namen von Rudolf Bergander über Ernst Bursche, Gussy Hippold-Ahnert oder Miron Sima bis zu Curt Querner und Ewald Schönberg sowie Willy Wolff, so hält die Ausstellung zugleich Werke heute Unbekannter und Vergessener beziehungsweise fast Vergessener bereit, darunter Künstlerinnen wie Olga Hayduk, die durch Krieg und Vertreibung einen Großteil ihres Werks verlor, oder die vor wenigen Jahren durch die Städtische Galerie Dresden wieder entdeckte Erika Streit. Zu nennen wären zudem männliche Kollegen wie Fritz Bochmann, Willi Böttcher, Ernst Holzhäuser, Richard Kollorsz, Otto Westphal-Rudolstadt zu nennen, über deren Schicksal teils kaum etwas bekannt ist. Andere erlangten wie Fritz Junghans, dem die Sammlung als gebürtigem Freitaler vor kurzem eine Ausstellung widmete, eher nur regionales Gewicht.

Mancher aus der Dix-Klasse erlebte möglicherweise auch seinen künstlerischen Höhepunkt in Studienzeiten und kurz danach, bei anderen waren es die geschichtlichen Umstände, die Entwicklungen zu einer über die Zeiten tragenden Handschrift abbrachen. Dies gilt sicher für einen Künstler wie Rudolf Bergander, dessen „Zeitungsverkäufer“ (1931) in seiner Ausdruckskraft auch heute noch beeindruckt, während manches spätere Bild, besonders aus den 1950er Jahren wie „Hausfriedenskomitee“ (1951), heute vor allem lediglich noch von kunsthistorischem Interesse scheinen.

Wenn nach 1945 in Dresden wohl auch mehr das Impressiv-Expressive die Malerei stark, wenngleich nicht alleinig, prägte – man denke nur an Künstler wie Hassebrauk, Rosenhauer, Rudolf, später Klotz -, so zeigt sich doch auch, dass seit der in den 70er Jahren wachsenden Suche jüngerer Künstler nach Ausdrucksmöglichkeiten jenseits eines „Sozialistischen Realismus“, mit denen sie zugleich den Fokus auf die widersprüchliche Gegenwart lenken konnten, auch die 1920er/30er Jahre mit der Neuen Sachlichkeit wieder ins Blickfeld rückten. Besonders galt das natürlich für einen der wegen seiner sozialen Schärfe wichtigsten Vertreter dieser Strömung: Otto Dix.

Verfall wie kahle Neubauherrlichkeit waren damit gleichermaßen darstellbar, ebenso eine gründliche „Befragung“ der Mitmenschen und der eigenen Person. Wie tief diese Auseinandersetzung ging, zeigt vor allem das Frühwerk von Hubertus Giebe, dem sich Freital ebenfalls schon widmete, und das hier unter anderem mit dem aussagestarken „Selbstbildnis mit Mohnblumen“ von 1974 präsent ist. Auf andere Weise, eher mit einem Hauch Sehnsucht, in dem zugleich Kritik am DDR-Alltag liegt, widmete sich Hertha Günther Kneipen- und Typenschilderungen, die 20er Jahre-Feeling suggerieren, gleichwohl einer neuen Bohème gelten. „Dix im Sinn“ – jeder auf seine Art - hatten beziehungsweise haben aber auch der Berliner Clemens Gröszer mit seinen „Schönheiten der Nacht“ und der aus Dresden stammende, in Leipzig zum Künstler gewordene, seit Mitte der 1980er in (West)Berlin tätige Volker Stelzmann. Er nahm die Gegenwart in Bildern wie „Anschlag I- IV“ (1985) vorweg, während auf dem früheren „Karneval I“ (1976), der Dix-Bezug offensichtlich ist.

Diese ausgewählten Zeitgenossen sind nur Beispiele einer weitaus größeren Zahl von Künstlern zwischen Berlin, Dresden sowie Leipzig, auch Halle, von denen man sagen kann, dass sie mit „Dix im Sinn“ ihren Weg zum Eigenen gesucht haben. Das freilich kann und will diese Schau nicht zeigen, die mit den gewählten Beispielen aber durchaus auf die Erweiterungsbemühungen der Städtischen Sammlungen Freital Richtung aktueller heimischer Künstlerschaft deutet. Fazit: „Dix im Sinn“ ist erneut ein guter Anlass, sich nach Freital-Burgk aufzumachen.

Bis 23. Oktober, Di – Fr 13 bis16 Uhr, Sa/So 10 bis17 Uhr;

Katalog zur Ausstellung 19 Euro,

www.freital.de

Von Lisa Werner-Art

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