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Freitag öffnet die Dresdner Künstlermesse Dresden ihre Türen

Freitag öffnet die Dresdner Künstlermesse Dresden ihre Türen

Parallel zur von der Messe Dresden veranstalteten "room + style" findet die Dresdner Künstlermesse statt. Veranstalter ist der Künstlerbund Dresden e.

V. Bis Sonntag sind rund 70 bildende Künstlerinnen und Künstler aus Dresden und Umgebung an 55 Ständen vertreten. Kerstin Leiße sprach mit Antje Friedrich, stellvertretende Geschäftsführerin des Künstlerbundes Dresden e.V.

Frage: Zehn Jahre mussten vergehen, bis in Dresden wieder eine Kunstmesse stattfindet. Warum hat es so lange gedauert?

Antje Friedrich: Dass der Kunstmarkt, der ja eine reine Galeristenmesse war, 2002 aufgegeben wurde, hatte mehrere Gründe. Und wenn ein Projekt nicht mehr zündet, ist es sicher klug, nicht sofort in Aktionismus zu verfallen, sondern über die Gründe nachzudenken. Das haben wir getan und dabei auch die Erfahrungen derer einbezogen, die den damaligen Kunstmarkt durchgeführt haben. Im Übrigen wäre ein sofortiger Wiederbelebungsversuch einer Kunstmesse auch insofern nicht ratsam gewesen, als die Einführung des Euro sowie speziell in der Region auch die Flutkatastrophe in den Jahren nach 2002 zu einer starken Kaufzurückhaltung geführt haben.

Zudem müssen Projekte wie eine solche Kunstmesse sowohl zeitlich als auch im Hinblick auf die involvierten Partner auf einen - nennen wir es mal: Nährboden fallen, der das Wachsen und Gedeihen ermöglicht. Ich denke, genau dieser Zeitpunkt und genau die Partner, die wir für ein solches Projekt brauchen, sind - im Gegensatz zur Situation vor zehn Jahren - jetzt da.

Der Künstlerbund Dresden als Berufsverband bildender Künstler hat nun die Initiative ergriffen. Welche Ausrichtung soll die Messe haben? Und was und wen wollen Sie erreichen?

Wir möchten ein breites Publikum ansprechen, das sich ebenso aus etablierten Sammlern wie kunstinteressierten Laien zusammensetzt. Dass die Dresdner ein kunstaffines und feinsinniges Publikum sind, kann man etwa jährlich auf den Grafikmärkten oder bei den Kunstaktionen beobachten. Sie möchten wir mit diesem Angebot ebenso ansprechen, wie Besucher der Stadt. Und wir verstehen diese Messe darüber hinaus als Kommunikationsort, bei dem wir hoffen, dass die Besucher mit den Künstlern vor Ort ins Gespräch kommen.

Nach welchen Kriterien haben Sie die beteiligten Künstler ausgewählt?

Die Künstler haben sich auf eine Ausschreibung hin beworben. Ausgewählt hat dann eine ehrenamtliche Jury aus Künstlern, einer Kunsthistorikerin und einer Vertreterin des Amtes für Kultur und Denkmalschutz. Dies deshalb, weil wir 2012 aufgrund der nur in einem gewissen Rahmen zur Verfügung stehenden Mittel leider noch eine Auswahl treffen mussten. Dafür hat die Jury auch kuratorische Arbeit geleistet, indem sie nicht nur die Auswahl, sondern parallel die Zuteilung der Stände vorgenommen hat. So ist versucht und für mein Empfinden auch bestmöglich erreicht worden, dass sich die ausgestellten Arbeiten untereinander ergänzen und ein durchkomponiertes Ganzes ergeben. Beteiligt sind darüber hinaus zwei Künstlerinnengruppen, das Lichtdruckmuseum Dresden sowie Elizabeth Gerdeman und Prof. Nicholas Hill aus Dresdens US-amerikanischer Partnerstadt, die wir zum 20. Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Columbus/Ohio und Dresden im Jahr 2012 eingeladen haben.

Teure Kunst wird häufig auch als Anlage kommuniziert, wovon freilich Künstler vor Ort wenig haben. Was aber könnte die von Ihnen organisierte Messe für diese Künstler bringen?

Eine wichtige Frage, die allerdings jede Menge Aspekte berührt. Das reicht vom im vergangenen Jahr veröffentlichten Bericht zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Dresden, der explizit feststellt, dass für die bildenden Künstler in dieser Stadt Vermarktungsmöglichkeiten fehlen, und der - um nur eine Zahl zu nennen - dem Kunstmarkt in Dresden zwischen 2003 und 2008 eine 80-prozentige Wachstumsrate bescheinigt, über die Möglichkeit, eine Messe als Kontaktbörse für Aufträge und Ausstellungen zu verstehen, bis hin zu der absolut realistischen Verkaufsoption. Natürlich hoffen wir auf Verkäufe. Ob als Anlage oder Liebhaberobjekt. Dass sich das nicht unbedingt ausschließt, zeigen unter anderem auch die Biografien der auf der Messe vertretenen Künstlerinnen und Künstler, die teils über jede Menge Preise und Auszeichnungen verfügen. Wir werben aber natürlich ganz besonders dafür, sich selbst mit Kunst etwas Gutes zu tun, eine Arbeit einfach deshalb zu erwerben, um sich daran zu erfreuen. Aus unserer Sicht ist das die beste Anlage.

Haben Sie zur Messe auch Galerien an Bord geholt?

Nein, denn es ging uns in allererster Linie um die Produzenten selbst.

Wie finanzieren Sie die Messe, haben Sie öffentliche Gelder akquirieren können?

Die Finanzierung war tatsächlich unser größtes Problem, denn wir wollten die Künstlerinnen und Künstler selbst so wenig wir möglich belasten. Tatsächlich ist das mit Hilfe einer großen Anzahl an Sponsoren sowie auch seitens der Stadt Dresden gelungen, wofür wir sehr dankbar sind. Neben finanziellen Mitteln spielte dabei allerdings die ideelle Unterstützung, allen voran durch die Messe Dresden, eine immense Rolle.

Welches künstlerische Spektrum versuchen Sie abzudecken?

Vertreten sind Exponate aus Malerei, Grafik, Fotografie, Assemblage, Plastik, Installation und Konzept.

Welche einschlägigen Erfahrungen haben Sie zur Organisation einer solchen Messe und wollen Sie auch Ungewöhnliches bieten?

Da wir bis auf die Erfahrungen der Künstlerinnen und Künstlern bei anderen Messen keinerlei Erfahrungen hatten, haben wir bei der Konzeption unserer Messe an der artTHUER, der alle zwei Jahre stattfindenden Erfurter Kunstmesse, orientiert. Der dortige Verband der Bildenden Künstler hat uns immens unterstützt und wird am Wochenende auch mit vielen Künstlern vorbeischauen. Es waren aber viele Gespräche, Besuche sowie jede Menge konzeptionelle und organisatorische Arbeit, auch seitens einer eigens gegründeten ehrenamtlichen Arbeitsgruppe, nötig. Zu beurteilen, ob Ungewöhnliches geboten werden kann und wird, überlasse ich lieber den Besuchern.

Sollen bei einer Fortsetzung der Messe weiterhin vor allem Künstler aus Dresden und Umgebung präsentiert werden?

Es ist ein Pilotprojekt. Wie es damit weitergeht, ob und in welche Richtungdie Entwicklung geht, hängt zum großen Teil davon ab, wie es vom Publikum angenommen wird.

Wie schätzen Sie die Situation für die bildenden Künstler in Dresden und Umgebung ein?

Nach wie vor: schwierig. Es fehlen Ausstellungsorte, ganz besonders eine Kunsthalle für zeitgenössische Dresdner Kunst.

Und wie hat sich die soziale Situation der Künstler gegenüber den 90ern verändert?

Das zu beantworten, ist nicht ein- fach, denn die erste Studie des Bundesverbandes der bildenden Künstlerinnen und Künstler (BBK) zur sozialen Reali-tät stammt von 1994. Dennoch wissen wir u.a. aus vielen Gesprächen sowie aufgrund von Beratungen mit der ARGE oder Wohngeldstellen um die schwie- rige Situation vieler Kolleginnen und Kollegen. Wenn wir die heutige Situa- tion betrachten, sehen wir leider, dass die Einkommen bildender Künstler in Ostdeutschland nach wie vor unter denen in Westdeutschland liegen, Frauen verdienen schlechter als Männer und obwohl sie zeitlebens gearbeitet haben, haben es ältere Künstler mehrheitlich ebenfalls nicht leicht. Auch die Zahlen, die die Künstlersozialkasse als jährlichen Durchschnittsverdienst für Gesamtdeutschland ermittelt, sind mit der hiesigen Situation nicht ver- gleichbar.

Wenige Künstlerinnen und Künstler können vom Verkauf ihrer Arbeiten leben. Viele leiten nebenbei Zirkel, unterrichten, geben Workshops. Immer wieder auch geben Künstler ihre Freiberuflichkeit zugunsten einer Festanstellung auf. Bei allen Schwierigkeiten denke ich jedoch, dass es wichtiger ist, auch das Positive und die Gesellschaft Bereichernde dieses Berufsstandes zu unterstreichen.

Wie hoch liegt nach Ihrer Kenntnis das durchschnittliche Einkommen von bildenden Künstlern in Dresden?

Da haben wir nur eine Zahl für das gesamte Land Sachsen aus dem Jahr 2004. Da lag das durchschnittliche Monatseinkommen aus künstlerischen und Nebentätigkeiten bei katastrophalen 632,87 Euro. Dennoch oder gerade deshalb gilt es immer wieder, auf die Leistungen, die die bildende Kunst und ihre Protagonisten für die Gesellschaft erbringen, hinzuweisen und selbstbewusst zu fordern und dafür einzutreten, dass die Zustände sich ändern.

Glauben Sie, dass die kreative Wertschöpfung realistisch von der Politik eingeschätzt wird?

Eben nicht.

Was erwarten Sie, was die Politik leisten kann? Verglichen z.B. mit geförderten Bereichen wie Theater und Musik?

Bereiche gegeneinander aufzurechnen ist vielleicht nicht fair. Aber ich denke, die Handlungsansätze sind bereits im schon angesprochenen Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht enthalten. Nun müssen sie umgesetzt werden. Die Unterstützung dieser Messe ist sicher ein erster spürbarer Ansatz dazu.

Jüngste Bilanzen haben das Jahr 2011 als das beste Konsumjahr der Deutschen seit mehr als zehn Jahren bezeichnet. Haben von dieser Kauflaune auch die bildenden Künstler in Dresden und Umgebung profitieren können?

Vorsichtig formuliert wage ich die These, dass sich die Situation nach einer kurzen Phase der Stagnation 2009 gerade ganz leicht zu bessern beginnt. Darauf deutet etwa die Erhebung des Künstlerbundes zu Verkäufen, die zu einer anderen Veranstaltung des Künstlerbundes Dresden, dem "Tag des offenen Ateliers", getätigt werden konnten, oder auch die Zahl derjenigen, die ein leicht gesteigertes Einkommen verzeichnen konnten. Da wir dazu keine regelmäßigen Umfragen durchführen, kann ich dazu aber keine genauen Angaben machen.

Was sind die dringlichsten Aufgaben, die vor dem Künstlerbund Dresden in diesem Jahr stehen?

In Gegensatz zu anderen Berufsgruppen, etwa der Architekten, haben bildende Künstler keine Richtlinie für die Berechnung ihrer Ausstellungsarbeit. Das führt dazu, dass bei jeder Ausstellung zwar der Redner oder die Musikerin, nicht aber der bildende Künstler eine Aufwandsentschädigung bekommt. Oft stellt er also die künstlerischen Werke her, transportiert sie - auf eigene Kosten natürlich - zum Aussteller, wo sie gelegentlich nicht mal versichert sind, hängt sie selbst und transportiert sie wieder ab. Wir setzten uns derzeit daher für eine Vergütung von Ausstellungen ein. Daran arbeiten wir mit unseren Partnerverbänden in Chemnitz und Leipzig. Dann wird die Auswertung der Messe und der Ausstellerbefragung und im Anschluss die Konzeption der kommenden Künstlermesse sicher auch ein wichtiger Punkt sein. Daneben stehen viele Routinearbeiten auf der Tagesordnung.

Was erhoffen Sie sich als Ergebnis der heute beginnenden Künstlermesse?

Zunächst einen gelungenen und gut besuchten Auftakt mit der unter künstlerischer Leitung von Detlef Schweiger heute, 20 Uhr, stattfindenden Multimedia-Performance-Musik-Pyrovernissage. Dann natürlich zahlreiche interessierte sowie kauffreudige Besucher, spannende Gespräch, ambitionierte Berichterstatter - also: gute Presse - und am Sonntag ab 18 Uhr: zufriedene Künstlerinnen und Künstler, Messeverantwortliche, Sponsoren und Unterstützer!

Und für wann ist eine Fortsetzung angedacht?

Ob, wann und unter welchen Bedingungen wir einen solchen Kraftakt das nächste Mal vollbringen können, wird die Auswertung des Künstlerbundes intern und unter allen Beteiligten, den Unterstützern sowie der Ausstellerumfrage ergeben. Wenn's gut läuft: Januar 2013!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.01.2012

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