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Freistaat: Dresdner Verkehrsmuseum muss aus dem Johanneum raus

Freistaat: Dresdner Verkehrsmuseum muss aus dem Johanneum raus

Das Krisenszenario: Ende 2020 muss das Verkehrsmuseum das Johanneum räumen. Einen neuen Standort für die Sammlung gibt es nicht. Die Exponate, die der Freistaat 2005 in die Hand der Stadt Dresden gegeben hat, fallen an ihn zurück.

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Das Verkehrsmuseum soll nach den Wünschen des Freistaats aus dem Johanneum ausziehen.

Quelle: dpa

Statt in Dresden wird das Verkehrsmuseum in Chemnitz etabliert. Oder in Leipzig, wie es gestern aus gut informierten Kreisen hieß. Als Ausgleich für die vielen, vielen Gelder, die Sachsen in Dresdner Kulturbauwerke investiert.

"Richtig ist, dass das Johanneum langfristig den Staatlichen Kunstsammlungen zugeordnet werden soll", sagte gestern Karltheodor Huttner, stellvertretender Sprecher des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (SMWK), auf Anfrage der DNN. "Aber wann das sein wird, kann noch keiner sagen." Priorität habe der Ausbau des Dresdner Schlosses. "Erst wann das beendet ist, können wir über das Johanneum sprechen", so Huttner.

Ein Konzept für das Johanneum gebe es noch nicht. "Aber die Kunstsammlungen haben viele Exponate im Magazin stehen und möchten der Öffentlichkeit mehr zeigen", erklärte er. Die Stadt Dresden müsse sich Gedanken über einen Ersatzbau machen. Die großen Bauvorhaben Kulturkraftwerk und Kulturpalast seien längst abgeschlossen, wenn die Standortfrage aktuell werde. So dass die Stadt durchaus Geld für einen Neu- oder Umbau übrig haben sollte, erklärte Huttner.

Gegenwärtig gehen die Kulturpolitiker der Stadt allerdings nochdavon aus, dass das Verkehrsmuseum auch langfristig im Johanneum bleiben kann. Der Kulturausschuss bekannte sich in seltener partei-übergreifender Einmütigkeit zum Standort Johanneum und forderte Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) auf, entsprechende Verhandlungen mit dem Freistaat zu führen. "Stadtspitze und Freistaat sind am Zug, eine dauerhafte Lösung zu finden", schätzte Annekatrin Klepsch (Die Linke) ein.

Matteo Böhme, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, der die Debatte um das Verkehrsmuseum mit einer Anfrage ins Rollen gebracht hatte, forderte aber, dass sich die Stadt der Realität stellt. "Wir müssen uns dringend mit möglichen Alternativen beschäftigen. Neue Räumlichkeiten oder ein komplett neuer Standort brauchen Jahre der Planung." Böhme übte harsche Kritik an Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos), der das Problem aussitze, statt ein Konzept zu erstellen.

Auch Sebastian Kieslich, Kulturpolitiker der CDU-Fraktion, sieht ein Versagen des Kulturbürgermeisters. "Ich verstehe nicht, wie er sich zurücklehnen kann. Er hat ein politisches Amt inne und muss auf höchster Ebene mit dem Freistaat verhandeln." Die Position der Stadt sei nicht schlecht, glaubt Kieslich: "Der Freistaat kann uns doch nur den Mietvertrag kündigen, wenn er uns auch etwas Neues baut." Er erkenne ein ernsthaftes Interesse beim Land, mit der Stadt über einen langfristigen Verbleib des Museums im Johanneum zu reden, sagte Kieslich.

Allerdings: Schon zum 31. Dezember 2015 läuft der Mietvertrag für den Langen Gang aus, in dem die Schifffahrtsausstellung untergebracht ist. 1,5 Millionen Euro würde es laut Lunau kosten, die Ausstellung in den Museums-Werkstätten im Johanneum unterzubringen, die ihrerseits in Räumlichkeiten an der Zwickauer Straße umziehen müssten. Wer nimmt so viel Geld in die Hand, wenn die Zukunft des Standortes in den Sternen steht?

Für den Langen Gang gibt es längst Pläne. Er soll wieder seine ursprüngliche Bestimmung als Ahnen- und Gewehrgalerie des Hauses Wettin erhalten. Mit dem Innenausbau, für den laut SMWK rund 7,55 Millionen Euro eingeplant sind, soll die historisch überlieferte Raumfassung wiederhergestellt werden. Die Staatlichen Kunstsammlungen hätten in ihren Depots die fast vollständigen und gut erhaltenen originalen Raummöbel, Gemälde und Ausstattungen gelagert, betonte das Wissenschaftsministerium.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.03.2013

Thomas Baumann-Hartwig

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